Ah, was für ein herrlicher Tag! Die Sonne scheint, die Vögel singen, und mein werter Bruder Zeke steht vor der größten existenziellen Krise seines über fünfhundertjährigen Lebens. Und natürlich ist es wieder einmal eine Geschichte über Gefühle.
Ja, Gefühle. Dieses merkwürdige Konzept, das mein lieber Bruder immer so verachtend belächelt hat. Er, der emotionale Eisblock. Er, der sich aus jeder brenzligen Situation mit einem Spruch, einem Grinsen oder notfalls einem gut platzierten Dolch herauswinden konnte. Aber jetzt? Jetzt hat ihn das Schicksal gepackt und kräftig durchgeschüttelt.
Denn, Überraschung: Der große, coole, unnahbare Zeke hat tatsächlich so etwas wie ein Herz. Und nicht nur das – er hat sich in eine Sterbliche verheddert. Oh, was für ein köstliches Drama!
Er steht da, sein übliches, überhebliches Grinsen wie weggeblasen, und ringt mit sich selbst, als wäre er plötzlich in einer dieser kitschigen Liebesromane gelandet, die er sonst mit einem „Was für ein sentimentaler Müll" kommentieren würde. Ach, wenn er nur wüsste, wie sehr sich dieser Moment für die Ewigkeit einbrennen wird!
Der gefürchtete Sandmann, der Meister der Träume, der wandelnde Albtraum für viele ... und doch kann er sich nicht einmal dazu durchringen, ein einziges Opfer zu bringen. Nein, diesmal ist er es, der feststeckt. Nicht ich, nicht Rhun, nicht irgendein anderer von uns – er.
Und das Beste daran? Er hat nicht einmal bemerkt, wann es passiert ist. Wann aus einem nervigen Menschenmädchen plötzlich jemand wurde, für den er nicht bereit ist, alles zu verlieren.
Ich stelle mir gerade vor, wie er sich in den nächsten Stunden und Tagen selbst bemitleiden wird. Wie er versuchen wird, mit dummen Sprüchen zu überspielen, dass es ihn zerreißt. Wie er sich einreden wird, dass es ja eigentlich gar nicht so schlimm wäre, wenn sie ihn vergisst. Dass es ja nur eine Erinnerung ist.
Ach, Zeke.
Es ist ein wahres Vergnügen, dich so zu sehen.
All die Jahre habe ich auf diesen Tag gewartet – den Tag, an dem du in deiner eigenen dummen Arroganz stolperst. Den Tag, an dem du merkst, dass dir eben doch nicht alles egal ist.
Ich werde Popcorn brauchen. Viel Popcorn.
Denn das hier wird ein echtes Spektakel.
Ach, ist das nicht wunderschön? Die große Tragödie meines Bruders, live und in Farbe. Und das Beste daran? Am Ende bin ich der Gewinner.
Denn egal, was er tut, egal, welches Opfer er bringt – Cassy bleibt meine Freundin. Meine. Nicht seine.
Oh, wie er sich jetzt wahrscheinlich den Kopf zerbricht. Der große, unfehlbare Zeke, der immer einen Ausweg hat, steht nun da wie ein ertappter Schuljunge, weil er sich in eine Sterbliche verrannt hat. Und jetzt? Jetzt soll er für sie etwas aufgeben. Etwas, das ihm offenbar wichtiger ist, als er jemals zugeben würde.
Tja, bricht dir das etwa das Herz, Bruder?
Würde es dir wehtun, wenn sie dich vergisst? Würde es dir in der Seele brennen, wenn ich derjenige bin, der sie tröstet, der an ihrer Seite bleibt, der ihr irgendwann von diesem Sandmann erzählt, der vielleicht einmal wichtig für sie war?
Es ist fast schon lächerlich, wie ironisch das alles ist. Jahrelang hast du dich über mich lustig gemacht, Zeke. Mich verspottet, weil ich mich für Menschen interessiert habe, weil ich mich mit Cassy angefreundet habe. Du hast nie verstanden, warum mir das etwas bedeutet hat.
Und jetzt?
Jetzt bist du es, der leidet.
Und ich? Ich lehne mich entspannt zurück und genieße es.
Denn am Ende bin ich da. Und sie wird meine Cassy bleiben.
Du kannst tun, was du willst, aber du wirst sie mir niemals wegnehmen.
Tja, was soll ich sagen?
Die dicksten Eier hat eben immer noch der Osterhase. 🐰
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Achtsam jammern mit dem Osterhasen | Eine Julien Bam FF
FanfictionKeine Panik, Leute - das hier wird kein Buch über Achtsamkeit. Ich weiß, der Titel klingt, als ob gleich Meditations-Tipps und Rezepte für Smoothies folgen würden. Keine Sorge, hab selbst keine Ahnung von dem Zeug. Aber irgendeinen Titel musste das...