Kapitel 12 - Nachhilfe

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Schmerz bewältigt man am Besten, wenn dir jemand beisteht...

Harry's POV
Sie zog mich in eine Umarmung. Überrascht erwiderte ich sie. Warum macht sie sich so schlecht und warum zum Teufel hat ihr noch niemand gesagt, wie schön sie ist. Sie ist einfach atemberaubend. Sie drückte ihr Gesicht sanft an meine Brust und hatte ihre Atmung langsam wieder unter Kontrolle. Ich hasse es, wenn sie weint. Sie löste sich von mir. "Ist es okay, wenn wir Mathe lernen, um mich etwas abzulenken?", fragte sie schüchtern. Ich nickte. Plötzlich ging sie an mir vorbei. Irritiert schaute ich ihr nach. Sie ging zu ihrem Schrank und öffnete ihn zaghaft. Neugierig beobachtete ich sie. Sie holte eine rote Decke heraus. Ich schmunzelte leise. Rot ist wohl ihre Lieblingsfarbe... Sie kam auf mich zu und breitete die Decke auf dem Boden aus und holte ihre Tasche, die neben dem Schreibtisch lag. Ich setzte mich auf die Decke. "Kann es sein, das Rot deine Lieblingsfarbe ist?", fragte ich lächelnd. Sie begann zu lachen. "Nein, eigentlich nicht. Ich mag rot wirklich gerne. Es ist eine warme herzhafte Farbe, aber ich hab keine Lieblingsfarbe, weil die Farbe, die ich liebe, ist keine Farbe.", erklärte sie. Verwirrt schaute ich sie an. "Weiß.", sagte sie. Okay, warum weiß? "Es ist eine reine Farbe und erinnert mich an die Sterne, denn Sternenlicht ist hell und weiß und na ja ich liebe Schnee und Schnee ist auch weiß.", erklärte sie weiter, nachdem sie meinen irritierten Blick gesehen hatte. Jetzt kann ich es nachvollziehen... "Nur weiß ist auch eine kalte Farbe und deswegen ist mein Zimmer rot.", führte sie weiter aus. Ich lächelte. Jetzt ergibt es einen Sinn... "Und d-deine Lieblingsfarbe?", fragte sie stotternd und schaute auf ihre Hände. Sie ist nervös, wenn ich mit ihr rede, das heißt sie mag mich... Ich begann zu lächeln. "Orange.", antwortete ich schnell. Etwas entsetzt schaute sie mich an. Habe ich jetzt etwas falsches gesagt? "W-warum?", fragte sie schüchtern. "Wenn ich ehrlich bin, so recht weiß ich nicht warum. Orange ist eine warme Farbe und sie erinnert mich immer an den Sonnenuntergang.", sagte ich nachdenklich. Noch nie habe ich darüber nachgedacht, warum gerade orange meine Lieblingsfarbe ist... Sie lächelte. Zaghaft schlug sie ihr Heft auf und das Mathebuch...

"Meinst du, du verstehst das?", fragte sie schüchtern und lief rot an, weil sie merkte, wie ich sie beobachtete. Ich nickte. Sie kann sehr gut erklären. Noch nie habe ich etwas so schnell kapiert, wie bei ihr... "Ja, du kannst wirklich gut erklären.", sagte ich und sah sie noch immer an. Die Röte ihrer Wangen wurde heftiger und sie schaute nervös auf ihre Finger. "Danke.", sagte sie geschmeichelt. Ich schaute zur Wand hinter ihr. Ein Müller Poster. "Du bist Fußballfan.", stellte ich lächelnd fest. Sofort schaute sie hoch und nickte. "Seit ich 4 Jahre alt bin.", flüsterte sie. Ein Mädchen Fußballfan? Sie wird immer interessanter... "Ich mag Manchester United und ich schätze, da hier überall nur Poster einer Mannschaft hängen, bist du, wie man sieht, Bayernfan.", lachte ich. Sie nickte. "Wie kamst du dazu Fußballfan zu werden?", fragte ich neugierig. Ich will einfach mehr über sie erfahren. Ihr Lächeln verschwand. "Mein Dad hat mich immer mit ins Stadion genommen.", flüsterte sie und plötzlich bildeten sich Tränen in ihren Augen. "Sorry.", flüsterte sie und versuchte ihre Tränen wegzublinzeln, aber es gelang ihr nicht. Ihr Dad... oh man, warum habe ich sie das überhaupt gefragt? "Hey, nicht weinen.", murmelte ich und zog sie sanft in meinen Arm. Vorsichtig streichelte ich ihren Rücken hinauf und wieder hinunter. "Harry?", fragte sie schluchzend. "Ja.", flüsterte ich und streichelte durch ihr kurzes Haar. "Kann ich dir vertrauen?", fragte sie ernst. "Ja.", sagte ich wahrheitsgetreu. "Mein Dad ist letzte Woche gestorben.", weinte sie an meine Brust. Sie hat es mir gesagt... Sie vertraut mir. Ich lächelte zaghaft, obwohl diese Situation nun wirklich nicht zum Lächeln geeignet war. "Es tut mir so leid.", flüsterte ich leise und streichelte einfach weiter durch ihr Haar. Sie schluchzte erneut. "Möchtest du darüber reden?", fragte ich zaghaft. Ich will ihr so gern helfen. Am liebsten würde ich ihr den Schmerz nehmen und ihn auf mich übertragen. Sie verdient das nicht. "Ich vermisse ihn so.", schluchzte sie. "Alles erinnert mich an ihn. Ich werde ihn nie wieder sehen.", sie weinte heftiger. "Es tut so weh.", schluchzte sie. Ich drückte sie enger an mich. "Annabell.", flüsterte ich beruhigend. Zaghaft setzte sie sich auf. Meine Hände wanderten sofort zu ihren Wangen, um ihre Tränen fort zu wischen. Ihre Unterlippe zitterte leicht und immer neue Tränen begannen den Weg über ihre Wangen zu rollen. "Er ist immer noch bei dir und er wird dich nie verlassen. Er ist hier drinnen.", flüsterte ich sanft und zeigte auf ihr Herz. Ihre Augen spiegelten weniger Schmerz. Sie drückte sich an meinen Hals und ich versuchte ihr den Halt zu geben, den sie anscheinend so verzweifelt suchte. "Danke Harry.", flüsterte sie und beruhigte sich langsam. Noch immer streichelte ich ihr sanft über ihren Rücken. Ich will sie einfach nur in meinen Armen halten, sie beschützen, ihr Halt geben, egal wie sehr ihre Welt einstürzt. Ich will sie zusammen mit ihr wieder aufbauen. Was ich für einen Kitsch denke, vor einer Woche hätte ich jeden, der das gedacht geschweige denn gesagt hätte, ein Weichei und einen Trottel genannt. Doch sie änderte alles mit einem Blickkontakt... Sanft löste sie sich aus meiner Umarmung. "Danke, dass du für mich da bist.", flüsterte sie und schaute mir in die Augen. "Dafür brauchst du dich nicht bedanken.", lächelte ich und strich eine Haarsträhne hinter ihr Ohr. Doch sie fiel sofort wieder nach vorne. Sie begann zu lachen. "Sie sind zu kurz, um sie hinter mein Ohr zu klemmen.", lächelte sie. Ihr Lächeln erwärmte mein Herz. Es klopfte. Sofort schauten wir zur Tür, in der plötzlich ihre Mum stand. "Möchte Harry zum Essen bleiben?", fragte sie Annabell, die mich sofort fragend anschaute. "Ich will mich nicht aufdrängen.", murmelte ich. "Das tust du nicht. Das war eine Einladung.", flüsterte sie schüchtern. "Ich würde mich freuen, wenn ich hier essen dürfte.", sagte ich zu ihrer Mum, die freundlich lächelte. "Dann ist in zwanzig Minuten Essen fertig.", sagte sie und verließ das Zimmer.

Do you rescue me? (Harry ff)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt