Kapitel 31 - Schock...

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Schock... Jeder reagiert anders. Einer rennt herum und redet vor sich hin, ein anderer setzt sich in die Ecke und beginnt zu lachen, ein anderer verfällt in eine Starre und bewegt sich nicht oder ein anderer zittert und weint. Jeder reagiert anders auf einen Schock...

Annabell's POV:
Louis nähte gerade Harry's Arm und ich hielt sanft seine Hand, um ihm zu zeigen, dass ich bei ihm war. Ich versuchte ruhig zu atmen und mich auf Harry zu konzentrieren, aber seit ich Herr Tomlinson wieder gesehen habe, schwirren wirre Erinnerungsfetzen durch meinen Kopf. "Hirntod...", "Keine Hirnfunktionen", "Der Frau eines heute morgen eingelieferten Patienten mitteilen, dass ihr Mann hirntod ist.", "Hirntod.", "Hirntod." Herr Tomlinson's Stimme sprach in meinen Gedanken und er wiederholte immer wieder das Wort: "Hirntod." Plötzlich stupste mich jemand an. "Bell, was ist los?", fragte Harry besorgt. "Ach nichts.", flüsterte ich lächelnd. Ich hoffe, er sieht nicht, dass es ein Fakelächeln ist... Harry nickte, obwohl ich ihm ansah, dass er mir nicht wirklich glaubte. Ich hatte noch nie so eine Panikattacke wie heute... Es war so ein Schock, als Herr Tomlinson plötzlich die Tür aufmachte... Es hat alles wieder hoch kommen lassen. "Fertig.", sagte Herr Tomlinson lächelnd und wickelte Harry's Arm in einen Verband. Harry lächelte mich glücklich an und ich versuchte es zu erwidern. "Dann können wir jetzt ja essen.", schlug Herr Tomlinson vor. Sofort nickte Harry heftig und ich begann zu kichern. Wie viel kann er essen? Herr Tomlinson schloss den Koffer und wir standen auf. Zaghaft öffnete ich meine Jacke, die ich noch immer an hatte und zog sie aus. Irgendwie fühle ich mich unwohl... Ich will Harry's Onkel nicht ansehen. Ich habe Angst, das jedes Mal Erinnerungen hoch kommen. Ich kann mir das nicht wieder vor Augen führen. Dad's Tod war das Schlimmste, was mir in meinem Leben bis jetzt passiert ist... Harry nahm mir lächelnd die Jacke ab und ich entledigte mich meiner Handschuhe. Im Flur hing Harry meine Jacke auf und ich legte meine Mütze, Schal und Handschuhe auf meine Tasche. "Komm, Louis wartet in der Küche.", flüsterte Harry lächelnd. Er nahm meine Hand und wollte gehen, aber ich blieb stehen. Besorgt drehte er sich um. "Ich kann das nicht.", flüsterte ich. "Zeitpunkt des Todes 11:00 Uhr.", "Hirntod." "Ich kann das nicht.", wisperte ich etwas hysterisch und schüttelte meinen Kopf, um Dr. Tomlinson's Stimme aus meinem Kopf zu bekommen. "Hirntod." Hör auf! Hör auf damit! Ich hatte den Drang zu schreien, nur um die Stimme in meinem Kopf zu übertönen. Mir liefen Tränen die Wangen herunter. "Bell, alles ist gut.", flüsterte Harry beruhigend und drückte mich sanft an sich. "Hirntod.", "Keine Hirnfunktionen mehr.", "Hirntod." "Hirntod.", wisperte ich. Harry erstarrte etwas und verkrampfte sich. "Bell, es ist vorbei. Ich bin hier. Das ist vergangen.", sagte Harry und schüttelte mich etwas, um mich aus meiner Starre zu holen. "Ich kann das nicht.", murmelte ich vor mir her. "Der Frau eines heute morgen eingelieferten Patienten mitteilen, dass ihr Mann hirntod ist." "Hör auf.", weinte ich. "Womit?", fragte Harry verwirrt. "Seine Stimme soll aufhören zu sprechen.", schluchzte ich verzweifelt. "Aber hier spricht doch keiner... Bell, hey.", flüsterte er und rüttelte mich erneut. "Hirntod. Immer wieder sagt er das.", wisperte ich. "Wer?", fragte Harry. "Dr. Tomlinson.", weinte ich. "Ich kann das nicht.", flüsterte ich erneut und wachte etwas aus meiner Starre auf. "Okay. Schon okay.", murmelte Harry und schaute mich beruhigend an. "Ich bringe dich in mein Zimmer und dort legst du dich erst einmal hin.", sagte er und hob mich sanft hoch. Still weinte ich in seinen Hoddie. Zaghaft legte er mich auf sein Bett und deckte mich zu. "Alles gut. Ich bin hier, Bell.", flüsterte er und küsste meine Stirn. "Ich gehe zu Louis und erkläre es ihm.", erzählte er leise. Er wird mich hassen... Ich wollte ihn wirklich kennenlernen. Nur wenn ich ihn ansehe, habe ich alles wieder vor Augen... Ich mache alles falsch! "Es tut mir leid.", weinte ich. "Bell, ich kann dich verstehen und Louis wird das auch verstehen.", murmelte er beruhigend und strich durch mein Haar. "Mach dir darüber keinen Kopf. Versuch dich etwas zu beruhigen. Denk an etwas schönes und ich bin gleich wieder bei dir.", flüsterte er und streichelte zärtlich über meine Wange. Schnell nickte ich und Harry stand auf. Langsam lief er hinaus auf den Flur, aber schaute prüfend noch einmal zu mir. Trauma... Ich bin ein Psycho! Anders kann ich mir nicht erklären, warum ich so auf Herr Tomlinson reagiere. Es tut mir wirklich leid. Ich will ihn damit nicht verletzen, aber es ist erst ein ein halb Wochen her. Es tut noch so verdammt weh und Oma hat recht. Es tut immer weh, wenn ich wieder an ihn denke. Den letzten Samstag habe ich es sogar nicht ertragen, das Testspiel von Bayern zu sehen, weil Fußball schauen mich zu sehr an meinen Dad erinnert. Früher habe ich immer mit ihm Fußball gesehen... Gott, was ist, wenn ich durch Dad's Tod mein Interesse für Fußball verliere? "Der Tod verändert jeden, die einen überspielen ihn, die anderen verdrängen ihn und wiederum andere zerbrechen an ihm..." Er hat mich verändert und wie es aussieht, kann ich es nicht überspielen und verdrängen ist auch in die Hose gegangen. In Moment sieht es aus, als würde ich erfolgreich an ihm zerbrechen. Nein, ich bin gebrochen. Harry hat mir geholfen, die ersten Stiche zu setzen, um die Wunde zu nähen, aber ein Blick in Dr. Tomlinson's Gesicht hat gereicht, um die Wunde wieder auf zu reißen. Ich bin so ein schlechter Mensch... Ich hätte mich zusammenreißen sollen für Harry. Stattdessen benehme ich mich so und verletze dadurch gleich zwei Menschen... Harry, weil ich seinen Onkel nicht kennenlernen will... Ich will es ja, aber es schmerzt so sehr. Und Herr Tomlinson, weil ich ihm gar keine Chance gegeben habe... Ich hörte das Knarren der Tür und wurde aus meinen Gedanken gerissen. Harry kam herein mit einem Tablett. "Essen.", sagte er lächelnd und kam zu mir. "Ich habe ihn verletzt.", flüsterte ich. "Ich habe ihm gar keine Chance gegeben.", fügte ich hinzu. Es ist die Wahrheit...

Do you rescue me? (Harry ff)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt