Den ganzen Tag über war mir schlecht gewesen. Nun weiß ich warum das so war - nun eigentlich weiß ich nicht warum das so war. Ich meine, das gibt es doch nur im Film. Da passieren den Menschen immer ungewöhliche Sachen. Warum also mir? Bin ich im falschen Film? Womit habe ich das verdient? Ich habe noch nie etwas schlimmes gemacht. Warum also habe ich... Ich kann das Wort nicht benutzen. Es tut weh, wenn ich nur daran denke. Vielleicht ist es ja ein Traum - ein richtig schlechter Traum und wenn ich aufwache, dann ist die Welt wieder in Ordnung und ich kann weiter machen wie bisher. Unwahrscheinlich, dass dieser Fall eintreten wird, da ich vorhin schon gedacht habe ich träume und es sich anders erwiesen hatte. Dennoch hoffte ich, dass es so war.
Die Tür öffnet sich und ein kleiner älterer Mann kommt in das Zimmer - ein Arzt, wie ich an der Kleidung ausmache. Meine Eltern gucken ihn an und er gibt ihnen zu verstehen, dass er sich gerne mit mir alleine unterhalten wolle.
>>Schatz, wir müssen gehen. Dein Vater muss arbeiten und ich noch etwas einkaufen. Ich komme so schnell wie möglich wieder. Ist das ok für dich? << fragt meine Mutter und lächelt leicht - wahrscheinlich damit es mir besser geht. Ich kann meine Worte nicht finden und nicke bloß, auch mit einem leichten lächeln in meinem Gesicht. Beide stehen auf und gehen aus dem Zimmer. Als sie an der Tür stehen, schaut meine Mutter mich noch einmal an und wispert >> Bis gleich. << dann geht sie.
Der Arzt nimmt sich einen Stuhl und setzt sich neben mein Bett und guckt mich an. >> Hallo, Amelie. Ich bin Dr. Schmitz und dein Arzt. Wie geht es dir? << er klingt gelassen und freundlich. Ich versuche mit > Mir geht es gut < zu antworten, doch ich bringe nur ein sehr leises >>Gut<< heraus. Doch er hört es und lächelt leicht >>Okay. Ich glaube, deine Eltern haben dir schon erzählt, was ich vermute. Es tut mir wirklich leid Amelie. Du hast einen Hirntumor. << er klingt traurig und ich habe meine Hoffnung aufgegeben, dass es sich um einen Traum handelt. >>Kann man den...? << frage ich, denn ich weiß nicht welches Wort ich benutzen soll. Mir fehlen buchstäblich die Worte. Einen kurzen Moment sieht er aus, als würde er innerlich mit sich ringen. Wahrscheinlich überlegt er, wie er es mir sagen sollte und setzt das Herz aus. Die Erkenntnis trifft mich mitten ins Gesicht. Wenn er schon überlegt, dann heißt das, dass es nicht geht. Tränen kommen mir in die Augen, als er weiter spricht. >>Es tut mir leid dir das sagen zu müssen, aber die Entfernung wäre mit einem sehr hohen Risiko verbunden und << er bricht ab, um sich zu räuspern und ich auf einem Stuhl zu drehen >>der Tumor ist schon sehr weit fortgeschritten. So traurig und giftig das klingt, es würde keinen --- Sinn machen.<< Warum macht das denn bitte keinen Sinn? Die Ärzte helfen doch sonst auch immer un sind am reden: mach dies und mach das, sonst wirst du krank. Warum da nicht? Eine Frage steigt mir langsam in den Kopf, wie ein Ballon der in den Himmel steigt: >>Wie lange noch? << ich spreche die Frage sofort aus. Wenn es schon keinen Sinn macht, dann wird es wohl darum gehen. Ich warte auf seine Antwort und denke an nichts anderes außer Zahlen. Fünf, vier, zwei Jahre? Doch seine Antwort schockt mich umso mehr. >>Ein höchstens zwei Monate. Es tut mir leid Amelie.<< er klingt ganz leise. Was? Warum? Wie? Zwei Monate? Was soll ich denn in zwei Monaten machen? Wie reagieren meine Eltern? Wissen sie es schon? Und Saskia? Ich will nicht so früh gehen! Ich bin erst 17 und habe mein ganzen Leben noch vor mir. Also habe ich Zeit bis zu meinem Geburtstag. Mein Geburtstag wird mein Todestag sein. Klasse.
>>Wissen es meine Eltern?<< frage ich, denn ich habe immer noch die Hoffnung es Ihnen nicht schlimmer zu machen als es ist. >>Nein, das noch nicht. Ich kann es ihnen sagen, wenn du das möchtest. << bietet er mir an doch ich lehne ab, da sie es nicht erfahren müssen. Lieber plötzlich als vorbereitet. Denke ich zumindest. >> Nein. Ich mache das l... selber. Danke. Wann darf ich denn gehen?<< ich möchte zu Saskia und mit ihr reden und mir danach Gedanken machen. >>Eigentlich solltest du hier bleiben. Aber da... Du kannst gehen, aber sobald dir irgendetwas weh tut oder sonst etwas ist, dann kommst du sofort hierher oder rufst mich an. << sagt er und gibt mir eine Visitenkarte. Ich weiß das wirklich zu schätzen, dass er mich gehen lässt, denn normalerweise kenne ich auch nur, dass man länger in einem Krankenhaus bleibt. >>Dankeschön.<< ist das einzige, was ich sage, bevor ich mich langsam versuche aufzurichten. Komischerweise klappt das sofort. Ich schaue Doktor Schmitz noch einmal fragend an und er nickt. Ich verlasse das Zimmer und mache mich auf den Weg zu Saskia.
Doch wenn ich zu Saskia gehe, dann ist ihre Mutter da und macht sich sorgen oder ruft meine Mutter an. Also entscheide ich mich am Empfang nach einem Telefon zu fragen, denn ich weiß nicht wo meins ist. Die Frau am Empfang gibt mir ein Telefon und ich wähle die Nummer von Saskia. >> Kommst du in den Park? Ich muss mit dir reden. << spreche ich in den Hörer und sie antwortet mit >ja<. Ich bedanke mich für das Telefon und mache mich auf den Weg zum Park. Der Gang fällt mir schwerer als ich anfangs gedacht habe...
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Und wenn es das letzte ist, was ich tue...
RomansaAmelie ist 16 Jahre alt und wohnt mit ihrer Familie in einem kleinen Einfamilienhaus. Sie ist ein ganz normales Mädchen, geht zur Schule und trifft sich ab und an mit ihrer Freundin. Mit Jungen hat sie nichts zu tun und hat auch nicht vor das zu änd...