10. Kapitel

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Saskia und ich stehen da, lächeln uns an und kommunizieren über unser Gesicht. Sie lächelt und ich auch. Wir sehen heiß aus. Und dann holt mich die Wirklichkeit wieder ein. Schade, dass wir das erst jetzt machen. Jetzt, wo meine Zeit begrenzt ist. Jetzt, wo wir nicht mehr viele Sachen zusammen anstellen können. Jetzt, wo ich mir Gedanken machen muss, was ich am liebsten tun möchte, sodass ich - wir - die schönste Zeit erleben. Und dann überrennt mich eine Flut der Wut. Ich koche und kann mich nicht mehr halten. Meine Füße tragen mich und ich weiß, dass es ein schlimmer Fehler ist. Ich weiß, dass ich das bereuen werde, aber ich weiß auch, dass Saskia mitmachen wird. Das steht fest - sie hat es mir versprochen. Kurz darauf stehe ich vor der Gruppe 18-jähriger und ich überlege nicht lange, was ich sagen möchte. >>Ich brauche eure Karte.Für Zigaretten.<< und auch diesen Gesichtsausdruck kenne ich. Wieder so einer wie heute Morgen. Und ich raste aus >>Verdammte Scheiße, warum guckt ihr mich heute alle so dumm an? Nur weil ich jetzt mal meinen Mund aufmache!? Gebt ihr mir jetzt die verdammte Karte oder was?<<, >>Aber Hallo, sind wir jetzt bitchig?<<. Thomas, der Kopf der ganzen Clique. Doch ich gebe nur einen trotzigen Gesichtsausdruck und er fängt an zu lachen >>Warum erst jetzt? Mann. Jetzt weiß ich wen wir noch brauchen. Aber klar. Hier. Aber bring mir die wieder.Ok?<< und er reicht mir die Karte. Natürlich bringe ich ihm die wieder. Warum sollte ich das denn nicht tun? Ich gehe zurück. Dahin, wo ich vorhin mit Saskia gestanden habe und mir fällt auf, dass sie noch immer da steht und mich anstarrt. Als ich bei ihr ankomme schaut sie mich noch mal von oben bis unten an >>Ja. Warum erst jetzt? So gefällst du mir. Aber versuch mal ein bisschen runter zu kommen, okay?<<. Ich bin geschockt. >>Bin ich wirklich so schlimm?<< frage ich sie und ziehe eine Braue hoch. Und da ist es schon wieder. So habe ich mich noch nie verhalten. Und warum tue ich es ausgerechnet jetzt? >>Schlimm finde ich das jetzt nicht. Aber ich glaube du versuchst es nur zu verdrängen. Ich finde es gut, dass du etwas gefunden hast, aber Amelie, du darfst auch weinen. Ich habe da nichts dagegen und es ist auch völlig normal. Aber jetzt gehen wir Zigaretten kaufen?<< und da ist sie wieder - die Euphorie zu etwas Unbekanntem. Ich nicke und denke über ihre Worte nach. Doch im Grunde genommen hat sie recht. Ich scheine es wirklich zu verdrängen. Aber sollte man das nicht machen um Spaß zu haben, um zu leben? Wenn ich in Selbstmitleid verfalle, dann hilft es doch auch keinem und ich liege meine restliche Zeit im Bett und warte darauf, dass es passiert? Niemals...

Nachdem wir Zigaretten geholt haben, frage ich Thomas nach einem Feuerzeug und gebe ihm die Karte zurück. Als es klingelt verschwinden alle in der Schule und wir stehen noch draußen. >>Hast du die Reaktion von allen gesehen? Die haben alle Augen gemacht... Ich hoffe, du weißt jetzt warum ich immer so gedrängt habe, dass du dich schminkst.<< sagt sie und hustet nach jedem Satz. Mann, das Husten ist echt schlimm, aber das Gefühl ist der Hammer. >>Ja, doch. Aber jetzt lass uns reingehen. Deutsch.<< ich lache >>Der scharlachrote Buchstabe. Bei Herrn Ernst. Das passt, findest du nicht?<< und dabei verdrehe ich die Augen. >>Ja klar! Wollen wir jetzt oder später ein rotes A an unsere Brüste kleben?<< fragt sie mit verführerischer Stimme und ich kann mich nicht mehr halten. >>Na, wenn, dann nach seiner Aufforderung<< und wir gehen in die Schule...


Und wenn es das letzte ist, was ich tue...Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt