Kapitel 40 - Vergangenheit auf Überholspur

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Die Vergangenheit holt einen immer wieder ein... Egal, wie sehr man versucht sich vor ihr zu verstecken, zu fliehen oder sie zu verdrängen... Sie ist schneller als du und überall präsent.

Harry's POV:
"Weil ich Angst habe.", flüsterte Bell so leise, dass ich es kaum verstand. Weil sie Angst hat... Vor was? Ich meine, wovor sollte sie hier Angst haben? Ich will doch einfach nur, dass Louis sich ihr Handgelenk noch einmal ansieht. Ich mache mir doch nur Sorgen... Was ist, wenn das Handgelenk doch mehr als verstaucht ist? "Wovor?", fragte ich nun irritiert. "Vor der Vergangenheit.", murmelte sie und schaute betrübt auf den Boden. Vor der Vergangenheit... Bin ich so dumm oder spricht sie einfach nur in Rätseln? "Bell, was meinst du?", fragte ich verwirrt. "Ich habe Angst, dass ich zusammenbreche, wenn ich ins Krankenhaus gehe.", nuschelte sie vor sich her. Es schien ihr peinlich zu sein. Ich musterte sie besorgt und bemerkte, dass ihre Hände wieder mehr zitterten. Der Tod ihres Dad's... Das Krankenhaus... Oh man, ich bin so ein Idiot! Wie konnte ich das vergessen?! Sie möchte dort nicht hinein gehen... Das kann ich nachvollziehen. Die letzten Tage waren schwer genug, dazu kommt, dass der Tod erst ein ein halb Wochen her ist, ich will sie nicht weiter belasten... Aber ich kann auch nicht guten Gewissens mit ihr nach Hause gehen. Was ist mit ihrem Handgelenk? "Ich verstehe dich.", sagte ich und holte mein Handy heraus. "Harry, was hast du vor?", fragte Bell irritiert und ein wenig neugierig. "Louis anrufen. Planänderung.", erklärte ich kurz und wählte Louis Nummer. Bell und ich blieben stehen und stellten uns etwas abseits hin, damit andere Menschen ungestört an uns vorbei gehen konnten. "Louis Tomlinson.", meldete sich Louis. "Hey, ich bin es, Harry.", antwortete ich lächelnd. "Hey Harry, was gibt's?", fragte Louis neugierig. "Bell ist hingefallen und ihr Handgelenk schmerzt. Ich möchte, dass du dir es anguckst.", erklärte ich schnell. "Okay, ich habe gleich Pause. Dann kommt am Besten zu mir.", sagte er nachdenklich. Aber wir können nicht ins Krankenhaus... "Louis, Bell würde es gerne vermeiden ins Krankenhaus zu gehen.", murmelte ich und hoffte, dass Louis eine Lösung wusste. "Ich kann euch nicht helfen, wenn sie nicht ins Krankenhaus kommt. Wir sollten ihr Gelenk vorsichtshalber röntgen und das kann ich zu Hause nicht machen.", erklärte er. Bell schaute mich hoffnungsvoll mit ihren großen Augen an. Ach verdammt! Gibt es nicht Röntgengeräte zum Tragen oder ach keine Ahnung. Es muss doch irgendeine Lösung geben, wie Bell nicht ins Krankenhaus gehen muss... "Gibt es nicht tragbare Röntgengeräte?", fragte ich hoffnungsvoll. "Harry.", seufzte Louis nachdenklich. "Ich kann das Gerät nicht klauen. Ich würde in große Schwierigkeiten kommen.", murmelte er. Und wenn wir es nicht klauen sondern borgen... "Nein Harry, borgen ist in diesem Falle dasselbe wie klauen.", erriet er meinen Gedanken. "Wie?", fragte ich verwirrt. "Ich kenne dich seit deiner Geburt. Mittlerweile sollte ich wissen, wie du tickst.", sagte er schmunzelnd. Klingt nachvollziehbar... Ich grinste und schaute kurz zu Bell, die gedankenverloren mit einem Anhänger an ihrer Schultasche spielte. "Gibt es denn keine andere Möglichkeit?", fragte ich noch einmal nach. "Warte.", sagte Louis und ich hörte, wie er sein Handy ablegte. Ich seufzte ungeduldig und tippte mit meinem Fuß auf dem Boden herum. Bell schaute zu mir auf und lächelte mich schüchtern an. "Er soll sich keine Umstände machen.", flüsterte sie. Ich nickte. Dieses Mädchen ist selbst in so einer Situation rücksichtsvoll... Ich liebe ihr Verständnis. "Schafft sie es wirklich nicht?", fragte Louis plötzlich. Etwas erschrocken schaute ich nun zu Bell. "Meinst du, du könntest es schaffen?", fragte ich leise. Sie schaute mich gequält an, nickte dann aber. "Ich bin ja da.", flüsterte ich aufmunternd. Sie nickte betrübt und schaute wieder auf den Boden. "Wir sind auf dem Weg zu dir.", sagte ich nun zu Louis. "Okay. Bis gleich.", sagte Louis kurz ab und legte auf. Ich steckte mein Handy in die Hosentasche. "Er hatte es wohl sehr eilig. Legt auf, bevor ich mich verabschieden konnte.", sagte ich tadelnd und begann zu schmunzeln. Ich hatte versucht die Stimmung zu lockern, aber Bell schaute noch immer vertieft in ihren Gedanken zu Boden. Ich hasse es sie so zu sehen... Vor allem macht sie es nur wegen mir... Wenn es nach ihr gehen würde, wäre sie schon längst zu Hause. Sie geht nur zu Louis, weil ich es mir wünsche... Bin ich ein Egoist? Es geht mir doch nur um ihr Wohlbefinden...
Wir kamen vor dem Krankenhaus an und Bell blieb stehen. Ich drehte mich zu ihr und musterte sie besorgt. Ich werde ihr die Zeit lassen, die sie benötigt. Auch wenn wir hier Stunden stehen müssten... Ich will sie nicht dazu drängen. Obwohl ich es ja einerseits tue, in dem ich verlange, dass Louis sich ihr Handgelenk ansieht... Bell atmete tief ein und schaute starr auf den Eingang des Krankenhauses. Ihre Hände zitterten sehr stark und sie schluckte hart. "Es ist vergangen.", flüsterte sie. Ich nickte, doch sie nahm mich in dem Moment gar nicht wahr. Wie kann ich sie beruhigen? Zaghaft nahm ich ihre Hände in die meinen. Sie drückte sie kurz und atmete noch einmal tief ein. "Lass es uns schnell hinter uns bringen.", wimmerte sie flehend. Ich nickte ihr beruhigend zu und wir näherten uns der Eingangstür. Ich drückte gegen die Tür und öffnete sie für Bell. Mit kleinen ängstlichen Schritten trat sie ein und schloss kurz ihre Augen. Sie schüttelte ihren Kopf und schaute nun mit trüben Augen zu mir. Ich ergriff ihre gesunde Hand. "Weißt du eigentlich, wie stark du bist?", fragte ich sie flüsternd. Ich will ihr zeigen, wie stolz ich bin, dass sie jetzt hier steht. "Ich bin stolz auf dich.", murmelte ich. Ihre Unterlippe zitterte und sie biss zaghaft darauf. Wäre die Situation nicht so unpassend, hätte ich sie jetzt geküsst... Louis kam auf uns zu und lächelte uns glücklich an. "Hey.", rief er und wank uns zu. Ich schmunzelte über seine Art und selbst Bell konnte sich das Kichern nicht verkneifen. Louis schafft es immer einen zum Lachen zu bringen. Egal, wie hart die Situation ist... Er kam auf mich zu und umarmte mich schnell und zog dann auch Bell in eine kurze Umarmung, die sie überrumpelt erwiderte. "Folgt mir.", sagte Louis lächelnd und machte sich auf den Weg zu den Fahrstühlen. Bell's Hand in meiner zitterte stärker und sie zog mich enger an sich. "Ich kann das nicht.", weinte sie plötzlich. Louis und ich blieben stehen. "Ich kann nicht in den Fahrstuhl steigen.", wimmerte sie und wischte sich vereinzelte Tränen weg. "Kein Problem, wir nehmen die Treppen.", sagte Louis und lächelte sie aufmunternd an. "Bell, ich bin hier.", flüsterte ich und gab ihr einen Kuss. "Du bist niemals allein.", murmelte ich. Ihre großen dunkelblauen wässrigen Augen fixierten mich und sie nickte, während sich ein leichtes Lächeln auf ihre Lippen legte. Louis zeigte uns den Weg zu den Treppen.

Do you rescue me? (Harry ff)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt