Kapitel 2

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Leichte Sonnenstrahlen weckten mich auf. Ich schaute mich um und brauchte einen Moment um zu begreifen, wo ich war. Der Schuppen sieht im Tagesleicht wesentlich besser aus als im dunkeln. Vorsichtig lege ich die Stuhlauflagen zurück ins Regal und versuche dabei, keinen Krach zu machen. Ich laufe leise durch die Hütte in der Hoffnung, irgendwas nützliches zu finden. Tatsächlich finde ich Streichhölzer, einen Schlafsack und einen großen Rucksack. Mein jetziger ist schon ziemlich klein und kaputt. Da kommt mir ein neuer ganz recht. Ich packe alles um und binde den Schlafsack am Rucksack fest. Den alten nehme ich trotzdem mit, damit ich nichts zurücklasse. Leise kletter ich aus dem Fenster nach draußen und von da aus über den Zaun. Zum Glück ist die Straße Menschenleer, sodass mich niemand gesehen hat. Auf dem Weg zurück zur Innenstadt macht sich mein Magen bemerkbar. Ich hatte seit dem Vorfall mit der Polizei nichts mehr gegessen und das ist schon einige Zeit her. Nach einiger Zeit sehe ich schon von weitem die Innenstadt und erkenne viele Stände. Es ist Markt. Langsam schlender ich um die einzelnen Stände und gucke, was es heute so gibt. An einem Stand mit Obst und Gemüse bleibe ich stehen. Die beidem Verkäufer sind gerade mit Kunden beschäftigt, dass heißt, mich beachtet keiner. Unauffällig laufe ich zum Rand des Standes und lasse einige Möhren und Äpfel in meiner Tasche verschwinden. Mit zügigen Schritten entferne ich mich vom Stand und freue mich über meinen Gewinn. Als ich weit genug vom Stand entfernt war, fing ich an zu Essen. Äpfel und Möhren sind zwar nix besonderes, aber besser als nichts. So esse ich 2 Äpfel und 3 Möhren, bis ich mich auf den Weg zur Brücke mache. Dort angekommen, stelle ich fest, dass alles verlassen ist. Die Polizei muss wohl diesmal einige mitgenommen haben. Hier kann ich wohl auch nicht bleiben.
Den restlichen Tag verbrachte ich damit, die Leute von der Brücke zu finden. Leichter gesagt als getan. Nach gefühlten Stunden fand ich dann Thomas, den ältesten von uns. Er saß an einer Tür und er frierte, dass sah ich schon von weitem. Ich ging zu ihm und setzte mich neben ihm. "Was treibt dich zu mir, meine Kleine?", fragte er mich liebevoll.
"Ich brauch ein wenig Gesellschaft", antwortete ich ihm mit einem kleinen Lächeln. "Wo sollen wir jetzt eigentlich schlafen? Zur Brücke können wir jetzt ja nicht mehr." Er schien zu überlegen. "Ich weiß es auch nicht. Vielleicht in der
U-Bahn Station." "Da ist die Polizei erst recht. Damals wurde ich da auch schon mal rausgeworfen." "Dann weiß ich auch nicht weiter, meine Kleine. Seid 15 Jahren war die Brücke nun schon mein Zuhause. Jetzt müssen wir uns wohl anders orientieren. Vielleicht in eine andere Stadt." In eine andere Stadt? Es wäre eine Möglichkeit, jedoch kannte ich hier alles und weiß, wo man was bekommt. "Ich schau mal, wo man hin könnte. Ach und-", ich holte meine Decke aus dem Rucksack und legte sie über ihn
"Die brauchst du mehr als ich." "Danke meine Liebe", sagte er mit einem Lächeln und ich ging wieder zur Innenstadt. Für heute Nacht bräuchte ich einen neuen Platz zum Schlafen. Zwei mal am selben Ort ist zu riskant. Ich machte mich wieder auf den Weg zum Reichenviertel und suchte nach anderen Hütten. 4 hatte ich gefunden, jedoch waren alle ohne Fenster und abgeschlossen. Es wurde langsam immer dunkler und ich hatte immer noch keinen Platz zum Schlafen.
Ich lief noch einige Zeit weiter, bis es stockdunkel war. Jetzt lohnt es sich auch nicht mehr weiterzusuchen. Ich ging weiter an den Hauswänden lang, bis ich eine kleine Gasse gefunden hatte. In der hintersten Ecke fand ich ein altes Kissen, welches ich als kleines Polster nahm. Ich holte den Schlafsack aus seiner Hülle und stellte fest, dass es sich um einen ziemlich Dicken handelte. Vorsichtig schlüpfte ich hinein und legte mich mit meinem Kopf auf den Rucksack. Plötzlich spürte ich Tropfen auf meinem Gesicht. Muss es jetzt anfangen zu regnen? Schnell packte ich alles wieder zusammen. Ich brauche wenistens ein kleines Dach, sonst bin ich morgen krank und das kann ich mir nicht leisten. Ich lief aus der Gasse raus und suchte nach etwas überdachtem. Bei meinem Glück fand ich natürlich nichts und war schon nach einigen Minuten komplett durchnässt. Was ein schöner Tag. Als dann auch noch ein Auto durch eine Pfütze neben mir fuhr, war ich noch nasser, als ich es ohnehin schon war. Schlimmer kann es jetzt wirklich nicht mehr werden. Da ich heute aber so ein Glück hatte, fing es natürlich auch noch an zu Gewittern. Na wenn das nicht ein schöner Tag ist, weiß ich auch nicht weiter. Auf jedenfall brauche ich jetzt ein festes Gebäude, sonst bin ich geliefert. Bei Gewitter draußen zu schlafen ist kein Spaß. Ich könnte irgendwo anschellen und fragen, ob jemand ein Zimmer für mich hat, aber da hier nur die Reichen und Schönen wohnen, bezweifle ich, dass mich jemand aufnimmt. Ja gut, wer würde denn schon einen Obdachlosen aufnehmen, wo die Gefahr besteht, dass alles geklaut wird? Ach egal. Ich lief zur nächsten Villa und schellte einfach mal an. Nach zwei Minuten öffnete immer noch keiner, also ging ich zur Nächsten und schellte wieder. Diesmal wurde die Tür geöffnet und vor mir stand eine stark geschminkte Frau. Sie musterte mich mit gerümpfter Nase. "Wir geben keine Almosen und jetzt verschwinde!", sagte sie angewidert und schlug mir die Tür vor der Nase zu. Na das war mal eine nette Frau. Ob ich es noch weiter versuchen soll? Naja, einen Versuch ist es noch wert. Diesmal ging ich zwei Häuser weiter und schellte zum dritten mal an diesem Abend. Wenn mir jetzt keiner aufmacht bin ich erfroren. Nach einigen Sekunden öffnete mir, zum Glück, ein junger Mann mit braunen Haaren die Tür. "Was willst du?", fragte er mich genervt. Was hat der denn für Probleme? "Ich wollte eigentlich nur fragen, ob Sie ein Zimmer für mich für eine Nacht haben, aber ich hier anscheinend unerwünscht. Also bye", sagte ich mit einem falschen Lächeln und ging einfach weg. "Nein, warte Mädchen, komm rein!", rief mir der Braunhaarige hinterher. Ich drehte mich um und schaute ihn an. Er stand mit einem leichten Lächeln in der Tür und schaute mich abwartend an. Was bleibt mir anderes übrig? Zügig ging ich zurück zur Tür und trat ins trockene. "Danke, dass ich für die Nacht bleiben darf."
"Äh, das ist kein Problem, aber warum bist du nicht Zuhause, wenn ich fragen darf und wie heißt du?" Soll ich es ihm erzählen? Oder kommt dann wieder so ne Mitleidsnummer? Ach was solls. "Ich hab kein Zuhause und mein Name ist Sky", antworte ich schlicht. "Heißt das du bist obdachlos?", fragte er. Wie dumm ist der Typ eigentlich? Wenn man kein Zuhause hat, ist man wohl obdachlos. "Ja", gab ich bissig zurück. "Ok wenn das so ist. JUNGS, KOMMT MAL RUNTER, SOFORT!", brüllte er durchs ganze Haus. Warte mal, was für Jungs? Fünf Sekunden später hörte ich gepolter auf der Treppe und schon standen drei weitere Jungs vor mir.
"Du?", fragte der eine Junge. Oh, nein. Das ist der Junge, den ich beklauen wollte. Scheiße. "Äh, ja ich",antwortete ich und schaute ihn unsicher an. "Ihr kennt euch?", fragte der Braunhaarige, dessen Name ich immer noch nicht kannte, erstaunt. "Nur vom sehen", sagte ich schnell. "Na wenn das so ist. Also Jungs, Sky hat gefragt ob sie die Nacht hier verbringen darf. Sie hat zur Zeit kein Zuhause und ich hab schon zugestimmt." "Was denken sich die ganzen Fangirls denn jetzt schon aus? Du glaubst der das doch nicht ernsthaft, oder?", fragte ein blonder Junge. Warte mal Fangirl? Wo bin ich denn hier gelandet? Bitte nicht in irgendeiner berühmten Band oder so.
"Sie ist kein Fangirl, glaub ich zumindest. Oder Sky?"
"Ähm, ich will ja nicht unhöflich oder so sein, aber wer seid ihr?" Kurz war es still, dann brach der Blondi in gelächter aus. "Die ist echt gut. In wie vielen Schauspielschulen warst du? 10?" Er lachte immer weiter und ich wurde richtig wütend. "Na wenn das so ist. Ich geh dann mal, wenn ich hier so unerwünscht bin, also ciao." Ich ging zur Tür, wurde aber dirkt wieder aufgehalten. "Warte Sky. Niall mein das nicht so. Du kannst wirklich hierbleiben. Komm mit, ich zeig dir das Gästezimmer. Ach und übrigens, ich bin Louis." Er nahm meine Hand und zog mich die Treppe hoch. Am Ende des Flures ging er mit mir in ein Zimmer. "Also du kannst hier schlafen. Gegenüber von dem Zimmer ist das Bad, da kannst du gleich erstmal warm duschen. Du siehst halb erfroren aus. Ich lege dir was trockenes zum Anziehen vor die Tür", ratterte er runter und ging zügig aus dem Raum.
Verdattert schaute ich ihm nach. Ich legte meinen Rucksack auf den Boden umd ging ins Bad. Es ist schon lange her das ich geduscht habe. Ich zog mich aus und stieg unter die heiße Dusche. Überall stand nur Männershampoo, also schnupperte ich einmal an jedem einmal, bis ich ein halbwegs gutriechendes gefunden hatte. Ich schäumte mich einmal gut ein und blieb noch etwa 10 Minuten unter dem warmen Wasser. Ich trocknete mich gut ab und wickelte mich in dem großem Handtuch ein. Leise öffnete ich die Tür und schaute auf dem Boden. Dort lag ein kleiner Wäschestapel, welchen ich mit ins Bad nahm. Er bestand aus einer Boxershorts, einem Pulli und einer Jogginghose. Alle Sachen waren mir viel zu groß, was bei meinen 165cm auch kein Wunder war. Die Sachen waren aber alle schön warm und kuschlig. Ich hing das Handtuch auf die Heizung und huschte in 'mein' Zimmer , welches aus einem Kingsize Bett, einem ziemlich großen Schrank und einem Schreibtisch bestand. Ich legte mich in das Bett und merkte erstmal, wie lange ich nicht auf einer Matratze geschlafen habe. Schon nach einigen Minuten fiel ich in einen tiefen Schlaf.

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Hallole

Hier ist das zweite Kapitel.
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~Prototyp7777

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⏰ Letzte Aktualisierung: Oct 07, 2015 ⏰

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