Warum sagen Menschen immer, wenn sie wütend sind, dass was sie eigentlich von einem denken? Die Menschheit ist so falsch und so voller Lügen... Wem kann man überhaupt noch trauen?
Annabell's POV:
"Mische dich da nicht ein. Du kommst ja noch nicht mal mit deinen Problemen klar." Seine wütende Stimme hallte in meinen Ohren nach, während ich leise schluchzte. Wie recht er doch hat... Alles, egal, was ich anfasse, geht schief. Ich wischte mit meinem Handrücken die Tränen meiner linken Wange fort und setzte mich leicht auf. Denn in mein Blickfeld tauchte ein Bilderrahmen auf, der auf meinem Schreibtisch stand. Im Bilderrahmen war das Bild von dem Tag, als Mum und ich nach meiner Geburt aus dem Krankenhaus kamen. Dad hatte extra eine Willkommensfeier geplant. Ich nahm den Bilderrahmen in meine Hand und starrte das Bild an. Warum ist es nicht einfach wie früher? Warum musste Dad sterben? Warum ist Mum jetzt so streng und in ihre Arbeit vertieft? Warum? Immer größere Verzweiflung machte sich in mir breit und mein Herz fühlte sich immer schwerer an. "Du kommst ja noch nicht mal mit deinen Problemen klar.", Hallte seine Stimme erneut in meinen Ohren wieder. "Ahh.", schrie ich. Es soll aufhören! Ich will es nicht mehr! Ich will nicht mehr! Der Bilderrahmen viel aus meinen Händen und zersprang in tausend Teile. Kaputt wie diese Familie... Kaputt wie ich... Ich setzte mich auf den Boden und begann bitterlich zu weinen. Ich hörte weit entfernt Schritte die Treppe hoch rennen, aber das war mir in dem Moment egal. Meine Vergangenheit überrollt mich... Die letzte Woche lässt mich einfach nicht in Ruhe. Ich hörte, wie jemand an der Tür rüttelte. "Bell?! Bell, mach auf!", rief eine Stimme, doch ich nahm sie gar nicht wahr. Ich war viel zu vertieft in den Schmerz, der mein Herz lähmte und mich erzittern ließ. Ein lautes Krachen ertönte. Ich spürte, wie mich jemand an sich zog und sanft über meinen Rücken streichelte. Ich krallte mich in die Klamotten von der Person, die mich festhielt. Ich wusste nicht, wer es war, denn durch den Vorhang meiner Tränen, war die Person nicht zu identifizieren. "Es tut mir so Leid, Bell. Ich habe das nicht so gemeint.", flüsterte die Person, dessen Stimme langsam zu mir vordrang. Ich wimmerte und drückte mich enger an die Person. "Shh.", flüsterte sie leise und streichelte weiter beruhigend über meinen Rücken. "W-warum?", stotterte ich weinerlich. "W-warum passiert d-das alles?", schluchzte ich und weitere Tränen bildeten Flüsse auf meinen Wangen. Es war still im Raum. Allein mein hektisches Atmen war zu hören und wenn man ganz genau hin hörte, erklang das Geräusch der Tränen, wie sie leise auf den Boden platschten. "Ich weiß es nicht.", flüsterte Harry. Endlich konnte ich seine Stimme identifizieren. Meine Atmung beruhigte sich etwas und ich schluchzte leise. "Du hast recht.", wimmerte ich. "Nein, Bell, das habe ich nicht so gemeint.", flüsterte er entschuldigend. "Nur komisch das Menschen immer das sagen, was sie eigentlich denken, wenn sie wütend sind. Alle sind falsch.", wisperte ich und rückte von Harry weg. Er seufzte. "Glaube mir doch bitte Bell, ich wollte das nicht sagen.", flehte er und seine grünen Augen schauten mich bettelnd an. Wollen... wollen ist das richtige Wort. Er wollte es nicht sagen... Das heißt aber nicht, dass er es nicht schon die ganze Zeit über gedacht hat. "Wollte...", flüsterte ich in Gedanken. Er schaute mich fordernd an. Er schien nicht verstanden zu haben, worauf ich hinaus wollte. "Du wolltest es nicht sagen, das bedeutet aber nicht, dass du es nicht schon die ganze Zeit über gedacht hast.", sprach ich zaghaft meinen Gedanken aus. "Ach Bell.", nuschelte er und ließ sein Gesicht verzweifelt in seine Hände sinken. "Ich war wütend, aber nicht wütend auf dich. Ich mache nur Fehler.", sagte er und seine Stimme wurde zum Ende hin härter. Er stand auf und wuschelte sich durch seine Haare. "Und wieder verletze ich alle in meinem Umfeld. Das ist so typisch.", sagte er wütend und lief in meinem Zimmer auf und ab. "Da taucht meine Mum auf und ich lass die Wut, die ich auf sie habe an dir aus, obwohl du rein gar nichts dafür kannst. Das ist das Letzte von mir!", schrie er und raufte sich durch seine Haare, so dass sie nun wirr in alle Richtungen ab standen. Ich kann ihn auch verstehen... Aber es ändert nichts daran, dass er recht hatte... Zaghaft stand ich auf und lief auf ihn zu. Mit großen Augen schaute er mich verzweifelt an. Sein Blick spiegelte Angst, Sorge und Hass wieder, Hass auf sich selbst. Er bereut es. Ich zog ihn an mich und schmiegte mich an seine Brust. Sofort schlang er seine Arme um meine Taille. Erleichtert atmete er auf und legte seinen Kopf auf meine Schulter. Ich genoss seine Nähe, die es mal wieder schaffte mich zu beruhigen, trotz das mein Herz dreifach so schnell schlug wie zuvor. "Meine Mum will, dass ich morgen mit ihr und Louis rede.", flüsterte er und verstärkte seinen Griff um mich. "Ich bin für dich da.", flüsterte ich und lehnte mich sanft weiter in die Umarmung. "Ich habe Angst.", sagte er ernst. Angst? Wovor? "Wovor?", fragte ich. "Davor alles zu verlieren.", flüsterte er in meine Halsbeuge. "Du wirst mich nicht verlieren.", erwiderte ich beruhigend. "Aber das hätte ich gerade eben schon fast.", flüsterte er zweifelnd. "So schnell wird man mich nicht los.", sagte ich und ließ ihn zögerlich los. Seine Augen strahlten mich sanft an. "Würdest du mitkommen?", fragte er flehend und schaute mich bettelnd an. Ich weiß nicht, ob das eine gute Entscheidung ist... Ich nickte unsicher. Ich will doch einfach nur für ihn da sein, obwohl ich kein gutes Gefühl bei der Sache besitze. Harry begann dankbar zu lächeln und küsste meine Stirn. Sein Blick viel auf etwas hinter mir. Ich drehte mich um, um zu sehen, worauf sein Blick so fixiert war. Plötzlich lief er auf den kaputten Bilderrahmen zu. Vorsichtig hob er ihn auf. "Kaputt.", flüsterte ich. Harry drehte sich zu mir. "Kaputt wie meine Familie... Kaputt wie ich...", nuschelte ich. Er schaute zum Bild. Dad's Lächeln konnte ich von meinem Standpunkt aus sehen und ein Stich fuhr durch mein Herz. Tränen sammelten sich in meinen Augen und ich fasste mit meiner rechten Hand an meinen schmerzenden Brustkorb. Harry musterte mich besorgt. Sofort legte er den Bilderrahmen auf meinen Schreibtisch und kam zu mir. "Es hört nicht auf.", schluchzte ich. Harry hob mich hoch und legte mich sanft auf mein Bett. "Es schmerzt so sehr.", weinte ich. Er legte sich zu mir und streichelte zärtlich zwei meiner Tränen fort. "Bitte halte mich einfach nur fest.", flüsterte ich. Ich brauche seine Nähe... seinen Halt! Sanft zog er mich in seine Arme und küsste meine Stirn. Nur in seinen Armen fühle ich mich sicher und ja, ohne ihn würde ich es nicht schaffen... Er ist das Frackteil, an das ich mich verzweifelt klammere, um nicht unter zu gehen...

DU LIEST GERADE
Do you rescue me? (Harry ff)
Hayran KurguAllein, wann ist man allein? Man kann allein sein, weil man weder Freunde noch Familie hat oder man besitzt beides und fühlt sich allein... Annabell ist 16 und ist eigentlich glücklich mit ihrem Leben bis etwas Schreckliches geschieht. Wer wird sie...