Er saß neben mir. Seine eine Hand ruhte an dem Steuer, die andere auf meinem Oberschenkel. Ich versuchte stumm geradeaus zu gucken, die Zeit zu überbrücken, wie schon einmal. Ich wollte ihn nicht ansehen, nicht in sein selbstgefällig Grinsen blicken. Wo ich war in der? In der Hölle! Wie ich hierhin gekommen war? Anscheinend hatte mein Sturz eine Gehirnerschütterung ausgelöst, weshalb ich auch umgekippt war. Die Schulärztin hat das nötigste getan und mich dann ins Krankenhaus geschickt. Da kein Krankenwagen kommen konnte (warum weiß ich nicht...) musste mich meine Mutter abholen. Oder besser gesagt ihr Lover... Ich hatte gedacht, dass er es wenigstens jetzt lassen würde. Falsch gedacht. Mal wieder. Er hat mich regelrecht gezwungen einzusteigen. Ob er auch wirklich ins Krankenhaus fuhr? So sicher war ich mir da nicht. Seine Hand glitt immer weiter nach oben. Er sollte aufhören, wieder stieg in mir das Gefühl auf dreckig zu sein. Hatte ich nicht schon genug für meine Kindheit? Genug Probleme, genug Schmerzen,genug unglückliche Zufälle? "Du bist wunderschön. Ahahaha" stieß er kehlig hervor. Meine Nackenhaare stellten sich auf. Durch die Fensterscheibe sah ich ein altes Haus mit grünen Fensterläden, da war wir eben schon vorbei gefahren. "Wo,wo-wo, bringst du mich hin?" Meine stimme zitterte, ich hatte keine Angst, dass er mich umbrachte oder so, aber ich wusste was er wollte. Und dass ich das nicht wollte. Sein Bauch war kurz davor das Lenkrad zu berühren, er widerte mich einfach an. Mal wieder konnte ich meine Mutter nicht verstehen. War sie nur wegen dem Geld bei ihm? Natürlich warum sonst! Fast musste ich lächeln, ich kannte meine Mutter einfach zu gut.
Plötzlich stoppte der Wagen abrut. Leise stöhnte ich auf. Mein Schädel brummte. Vielleicht musste ich ja nur ohnmächtig werden, damit er aufhörte. Aber was wenn selbst das ihn nicht störte? Lieber nicht dran denken. Er hatte sich mir zugewandt. Wir waren auf einem Parkplatz, ich sah nur die Straße auf der wir hergekommen waren. Seine Augen glizerten bedrohlich. Ok,jetzt hatte ich schon Angst, schnell senkte ich meinen Blick. "Du hast soviel mehr zu bieten als deine Mutter. Ich möchte dich spüren, dich berühren." Ich hörte wie er sich über die Lippen leckte. Ich schaffte es irgendwie alles auszublenden. Ich weiß nicht wie lange es dauerte, ich wusste nachher nicht mal mehr ob ich wach war oder das alles nur ein schrecklicher Traum war. Vielleicht war ich noch immer auf dem Schiff. Ich hatte keinen Jungen kennengelernt, den Lover meiner Mutter nie getroffen und würde mich nicht so erschöpft fühlen. Aber ich träumte nicht. Als er fertig war flüsterte er mir noch etwas ins Ohr. Ich vergaß es sofort. Aber manchmal, wenn ich schlecht träume, kommt es mir noch heute so vor, als würde ich es immer wieder hören.
Danach fuhr er wirklich zum Krankenhaus. Eine nette junge Ärztin behandelte mich. Sie verband mein Handgelenk, nähte mein Bein und tupfte Blut von meiner Haut. "Hast ganz schön was abbekommen. Was ist den passiert? " Was sollte ich sagen. Mein neuer "Stiefvater" übernahm für mich die Antwort.
Wer hätte auch anderes gedacht? Ich war jetzt schon gespannt auf seine Antwort..."Ein Junge aus ihrer Schule hat sie vergewaltigt,dann hat er sie auf den Boden geschmissen. Mein armes Mädchen. " Fast schon nahm ich ihm die Rolle ab. Er war gut im Schauspielern. Keinerlei Zeichen, dass erlog. Er sich, seinen Körper und seine Stimme unter Kontrolle.
Die Ärztin bat ihn darauf hin rauszugehen um mich genauer zu untersuchen. Sie riet mir, eine Psychologin aufzusuchen und darüber zu reden. Am Ende klopfte sie nochmal auf meine Schulter."Du packst das,du bist ein starkes Mädchen! " Ich ging aus dem Zimmer. Raikel, mein Stiefvater redete noch eine Weile, was zu tun wäre. (Dieser Perversling!) Schließlich kam dann sogar noch ein Polizist um eine Anzeige auszusetzen. Ich sagte nur, dass ich darüber nichts sagen wolle und keine Anzeige erstatten will. Nach einigen versuchen gab er schließlich auf, auch Raikel lenkte ein. Kurz vorm Auto zog er mich zurück. Wut stand ihm ins Gesicht geschrieben. "Ich habe extra noch diesen Lehrer an deiner Schule ausgefragt, was passiert ist,als er mich angerufen hat. Weißt du wie komisch das aussieht wenn du keine Anzeige erstattest? Er meinte ein Junge hätte dich fallen gelassen, wie soll es denn sonst gekommen sein dass du vergewaltigt wurdest? Er könnte dich ja später auch auf den boden geworfen haben... Wenn du nur ein Wort von der Wahrheit über deine Lippen bringst, dann schneide ich dir deine Zunge raus!" Im nächsten Moment schlug seine Hand in mein Gesicht. Mir verging hören und sehen. Ich stüzte mich ans Auto um nicht erneut umzukippen. Jetzt hatte er mich geschlagen, was war er senn für ein Mensch? Warum tat er mor soetwas an, warum machte er überhaupt soetwas?
Auf der Fahrt nach Hause hielt ich meine Wange, sie war angeschwollen und färbte sich schon lila. Ununterbrochen zitterte ich. Seine Laune besserte sich langsam, wild und laut sang er zu einem Lied aus dem Radio mit. Doch auch bei der Lautstärke schlief ich ein, in der Höhle des Löwen, dieser Tag war einfach zu viel.
Als ich wieder aus meinen Träumen erwachte, verstummte gerade der Motor, so schnell wie mich meine Füße tragen konnten, schleppte ich mich ins Haus, verschwand sofort in meinem Zimmern. Den restlichen Nachmittag kühlte ich meine Wange. Ich versuchte gerade eine alte Freudin ( meine einzige) anzurufen. Doch es ging nur die Mailbox dran. Ich legte mein Handy zu seite. Endlich versuchte ich mich Stück für Stück an den Tag zu erinnern. Es wirkte ewig lange her seitdem ich heute Morgen den Schulhof erreicht hatte, aber noch immer hörte ich das einsame quitschen der Schaukel."Brrrrr" Mein Handy vibrierte unter neiner Hand. 2-mal kurz, 1-mal lang. Vor Schreck wäre ich fast vom Bett gefallen, konnte mich aber zum Glück noch halten. Ich hatte keine Lust schon wieder drn Boden zu umarmen. Für heute reichte es. Vielleicht hatte Julié jetzt doch eine Nachricht geschrieben. Gebannt blickte ich auf den Bildschirm, während ich mein Passwort eingab. Fassungslos starrte ich auf den Bildschirm. In Grosbuchstaben stand da ein Name. Der name der Person, von der ich gestern Nacht noch eine Nachricht haben wollte, hatte mir jetzt geschrieben. Ausgerechnet jetzt. J.A.S.O.N. stand dort. Was er wohl wollte? Wollte ich wirklich lesen was er schrieb? Naja, wer nichts wagt, der nichts gewinnt.
Nach diesem Spruch tippte ich einfach schnell auf die Nachricht. 3 Wörter. 11 Buchstaben. Wie verzaubert starrte ich die an, doch es ergab für mich einfach keinen Sinn. " Wie geht's dir? " wie konnte er so etwas schreiben. So locker und frei, als wären wir Freunde oder es würde ihn sorgen. Jetzt konnte ich es nicht zurück halten. Erst rollte eine Träne langsan über mein Gesicht. Sie brannte auf meiner eiskalt gewordener Haut. Wie konnte er es wagen,mich so etwas zu fragen. Immer mehr Tränen kullerten manchmal schnell und manchmal langsam aus meinen Augen. Wie eine verrückte fing ich an, ihm eine Antwort zu schreiben. Als ich erneut auf die Uhr guckte, war eine Stunde vergangen. Ohne nochmal nachzudenken sendete ich meine Gedanken ab.
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Liebe aus anderen Welten
RomanceNancy ist 15 Jahre alt, groß und schlank. Es scheint als hätte sie ein perfekte Leben,aber es scheint halt nur so. Alles wird nach den Umzug nach Italien noch schlimmer, und was wenn ihre Bekanntschaft von der Fähre mehr über sie erfährt als ihr Rec...