34. Aussprache?

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Diego hatte sich inzwischen benommen aufgesetzt und sah sich um. Sein Blick blieb an mir hängen. Entsetzt starrte er mich an und ich starrte zurück. Tränen liefen mir über die Wangen und ich zitterte immer noch wie Espenlaub. „Clara... Was hat er nur getan?", hauchte Diego leise. Ich schluchzte auf. Langsam und vorsichtig kam Diego auf mich zu. Er nahm mein Nachthemd und reichte es mir. Ich schluchzte weiter. „Hat er dich verletzt, Clara?", fragte er mich und musterte meinen Körper. „Sind das... Narben?", fragte er mich entgeistert. Ich sah an mir runter und zog erschrocken schnell mein Nachthemd über. Hektisch schüttelte ich den Kopf. Diego sah mich nachdenklich an. Er glaubte mir nicht. Wieso sollte er auch, es stimmte ja auch gar nicht...

„Clara, du kannst mit mir über alles reden!", sagte er sanft und beobachtete mich weiterhin. Er rutschte näher auf mich zu, doch ich wich zurück bis mein Rücken die Wand berührte. Diego erstarrte sofort und sah mich traurig an. „Was ist nur passiert als ich bewusstlos war?", murmelte er leise zu sich selbst. Bei der Erinnerung schossen sofort wieder Tränen der Angst und der Verzweiflung in meine Augen. Ich lehnte mich mit dem Rücken an die Wand und zog die Beine an. Schluchzend umschlang ich sie fest und bettete meine Stirn auf meinen Knien. Ich spürte Diegos Blick auf mir brennen. Ich spürte wie er wieder langsam sah näher kam und ich fing an ängstlich zu zittern. Leise wimmerte ich vor Panik. „Maria Clara, ich bin es nur... Du brauchst vor mir keine Angst haben! Ich tue dir nichts!", hauchte er. Mein Herz schlug schneller als er meinen Namen aussprach. Ich will keine Angst vor ihm haben, aber was sollte ich dagegen tun?

Er ist ein Mann, außerdem hallten immer noch Brutus Worte in meinem Kopf! „Meinst du wirklich, dass dieser Diego anders ist als Angelo und ich?", hörte ich Brutus immer und immer wieder sagen. „Ach Clara, wie hilflos du doch wirkst", kam kurz danach. Immer und immer wieder hörte ich diese Worte. „Hör auf! Lass mich in Ruhe!", schrie ich panisch und hielt mir die Ohren zu, aber trotzdem hörte ich weiterhin die Stimme zu mir durchdringen. „Ich bin nicht hilflos und werde es nie sein!", schrie ich weiter. Plötzlich spürte ich eine Hand auf meiner Schulter. Diego hatte sich neben mich gesetzt und einen Arm um mich gelegt. Ich schrie erschrocken auf und sprang ängstlich von ihm weg. Ich brachte wieder abstand zwischen uns. „Clara... Wir standen uns schon so Nahe. Wir haben uns geküsst... Hast du das etwa vergessen?", fragte mich Diego enttäuscht, doch ich schüttelte auf seine Frage hin den Kopf. „Also was ist passiert?" Ich setzte mich zitternd auf mein Bett und sah ihn ängstlich an. „Brutus... Er will Geld... 20.000 Peso...

Aber ich will sie ihm nicht geben... Dafür muss ich nun mal büßen... Das bin ich schon alles gewohnt... Von Angelo... Der war genauso, wenn er etwas wollte... Ich wurde erst angeschrien, dann gewürgt, danach musste ich alles tun, was er von mir verlangte und dann..." Ich stockte und mir wurde schwindelig vor Angst. „Clara! Was war dann?", fuhr er mich scharf an. Ich zuckte erschrocken zusammen. „Ich habe Angst, Diego! Und zwar vor dir! Bitte, schrei mich nicht so an...", murmelte ich leise und beobachtete ihn panisch. Er seufzte traurig. „Mensch, Clara... Ich würde dich gerade so gerne in den Arm nehmen, dir einen Kuss geben und dir sagen, dass alles gut ist, dass du jetzt keine Angst mehr haben musst, weil ich für dich da bin! Aber ich darf ja nicht mal mehr deine Hand nehmen... Es tut mir in der Seele weh dich so zu sehen, aber was bleibt mir anderes übrig... Ich möchte gerne wissen, was passiert ist, Clara...

Bitte, sagst du es mir?", fragte er mich ganz höflich und sanft. Unsicher starrte ich ihn an. „Versprich mir erst, dass du das nie mit mir machen wirst!", murmelte ich leise. „Clara, etwas dass dich so verstört, würde ich nie mit dir machen. Ich bin für dich da! Ich werde dich immer beschützen!", versicherte er mir. Ich lächelte leicht und sah dann auf meine Hände. „A-also... Ich musste alles tun, was Brutus von mir verlangt hatte, weil er mich immer wieder geschlagen hatte... Aber... Aber das ist nicht mein Problem... Er... Er hat...", fing ich an und schluchzte los. Ich nahm all meinen Mut zusammen um Diego eine Frage zu stellen, bevor ich weiter erzählte. „Diego... Kannst du dich bitte zu mir setzen?", fragte ich ihn weinend. Er sah mich überrascht an, nickte dann aber und stand auf. Langsam und vorsichtig kam er auf mich zu. Sein Blick war gesenkt. Vorsichtig setzte er sich auf die Bettkante. Ich nahm seine Hand und hielt sie zitternd fest. Ich spürte die Angst immer mehr in mir hochkommen. Zum einen hatte ich Angst vor Diego und zum anderen hatte ich Angst vor dem, was ich ihm erzählen wollte. Er sah mich sanft und traurig an.

Leicht drückte er meine Hand. „Du brauchst keine Angst vor mir zu haben, Maria Clara. Ich bin ganz sanft und lieb!", beteuerte er mir ruhig und leise. Ich atmete tief durch. „Mein Problem ist, dass Brutus mich... Er hat mich... vergewaltigt...", murmelte ich ganz leise und fing sofort wieder an zu schluchzen. „Bitte, hass mich jetzt nicht!", fügte ich noch weinend hinzu. Diego saß da wie versteinert und sah mich entsetzt an. Ich wurde immer unsicherer. „Wo ist dieser Kerl? Den mache ich kaputt!", rief Diego plötzlich, ließ meine Hand los und wollte aus meinem Zimmer rennen, als ich aufschrie. „Nein, Diego! Lass ihn!", rief ich panisch. „Aber er hat doch...", fing er an, aber ich unterbrach ihn. „Ich weiß was er getan hat, aber bitte lass mich nicht alleine, Diego! Bitte tue mir das nicht an!", schluchzte ich ängstlich. Diego sah mich besorgt an. „Soll ich mich wieder zu dir setzen?", fragte er mich. Ich nickte scheu. „Das wäre echt lieb von dir...", murmelte ich leise und genau das tat er auch.



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