Kapitel 14 (Bleib)

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Jungkook POV

Kalter Wind wehte mir ins Gesicht und ich machte die ersten Schritte vom Gebäude weg. Doch als ich plötzlich hörte, wie jemand meinen Namen rief zuckte ich zusammen. Ich schaute in die Richtung aus welcher der Ruf kam und erstarrte. Es war Taehyung. Ein ziemlich böse aussehender Taehyung. Ich machte zwei Schritte zurück und kam dann nicht weiter, da sich eine Mauer hinter mir befand. So blieb ich einfach an Ort und stelle stehen und senkte meinen Blick auf den Boden. Ich konnte sowieso nicht weglaufen. Allein diese bescheuerte Treppe hatte mich total fertig gemacht. Da konnte ich weglaufen auf jeden Fall vergessen. Trotzdem machte der Blick, den Taehyung gerade aufgesetzt hatte ein wenig Angst. Ich hätte nie gedacht, dass er so böse drein schauen könnte. Doch durch diesen Blick schien sich die Intensität, mit welcher er mich anschaute nur noch zu erhöhen.

Taehyung POV

Ich war inzwischen fast an dem kleinen Lebensmittelladen angekommen, als mir auffiel, dass ich meine Brieftasche vergessen hatte. Ich seufzte genervt und drehte um. Da wollte man mal, dass etwas schnell ging und dann sowas! Ich wollte Jungkook einfach nicht so lange alleine lassen. Auch, wenn wir nicht so viel miteinander reden, tut es ihm vielleicht gut jemanden da zu haben, mit dem er jederzeit reden könnte. Wenn ich ehrlich bin tut mir das auch gut. Ich finde es irgendwie schön zu wissen, dass wenn ich vom Einkaufen nach Hause komme nicht alleine in meiner Wohnung zu sein. Genauso wie auf zu wachen und zu wissen, dass noch jemand anderes in der Wohnung ist. Bei dem Gedanken muss ich den Kopf schütteln. Vielleicht hätte ich doch mit Jimin in eine WG ziehen sollen, als er mir das Angebot gemacht hatte. Doch andererseits ... ich glaube dieses Gefühl liegt im Moment vor allem daran, dass es sich hier nicht im irgendeine Person handelt, sondern um Jungkook. Wenn ich vom Einkaufen nach Hause komme, weiß ich, dass Jungkook da sein würde. Wenn ich aufwachte, wusste ich, dass Jungkook direkt nebenan noch vor sich hin schlummerte.

Ich bog um eine Ecke und war somit so gut wie zu Hause. Doch als mir ein Gestalt auffiel, welche sich vom Gebäude weg bewegte und ich genauer hin sah und bemerkte, dass mir diese Gestalt mehr als nur bekannt vor kam, verpufften die eben noch so angenehmen Gedanken, die ich gehabt hatte. Ich war sauer. Sehr sogar. Wieso? Wieso tat er sowas? Ich hatte ihm doch nichts getan. Ich hatte mich um ihn gekümmert und mir alle Mühe gegeben. Wieso also wollte er nun abhauen?

„Jeon Jungkook!," rief ich. Ich sah wie er zusammen zuckte. Er schien wohl damit gerechnet zu haben, dass ich länger weg sein würde. Er drehte sich in meine Richtung und ich ging direkt auf ihn zu. Er machte zwei Schritte zurück. Jagte ich ihm gerade etwa Angst ein? Er kam allerdings nicht weit, da sich nach diesen zwei Schritten schon eine Mauer hinter ihm befand. Er senkte seinen Blick zum Boden, da ihm klar zu sein schien, dass ihm weglaufen jetzt nicht mehr viel bringen würde. Gott! Schon gar nicht in diesem Zustand! Als ich näher kam bemerkte ich, dass eine Stirn total verschwitzt war und ihm seine Haare an der Stirn klebten, trotz der Kälte hier draußen. Sieht so aus, als ob es für ihn schon sehr anstrengend gewesen wäre bloß die Treppe herunter zu kommen.

Ich stand ihm jetzt direkt gegenüber. Uns trennte gerade mal ein halber Meter. Ich sah ihn an, doch er blickte immer noch zum Boden.

„Jungkook," sagte ich nun etwas weicher. Doch er starrte immer noch stur den Boden an. Genervt drückte ich ihn mit seinen Schultern an die Wand. „Jungkook, sieh mich an," sagte ich rau. Doch er machte immer noch keine Anstalten mir ins Gesicht zu sehen. Ich seufzte leicht gereizt und nahm eine Hand von einer seiner Schulter. Mit dieser Hand hob ich nun sein Kinn an, sodass er keine andere Wahl hatte als mich anzusehen. Als ich ihn endlich ansehen konnte stockte mir für einen Moment der Atem. Jungkook liefen Tränen über die Wangen und seine Nase war leicht gerötet. „Was sollte diese Aktion denn bitte?," fragte ich ihn nun sanft. Ich nahm nun auch meine andere Hand von seiner Schulter und umfasste sein Gesicht mit meinen Händen. Sanft wischte ich ihm seine Tränen von den Wangen.

„I- Ich ... Ich wollte ... Hatschi!"

Ich musste ein wenig Grinsen als ich sein Niesen hörte. Ich wusste gar nicht, dass so etwas so unglaublich niedlich klingen konnte.

Doch im nächsten Moment fiel mir auch auf, dass er unglaublich dolle zitterte. Besorgt sah ich ihn von oben bis unten an. Er hatte die gleiche Kleidung von wie vor zwei Tagen an. War also nicht besonders dick angezogen. In seinem jetzigen Zustand und dann noch die Tatsache, dass es wesentlich kälter war als vor zwei Tagen war, waren definitiv keine gute Kombination.

Kurzerhand nahm ich Jungkook auf den Arm, wie eine Braut, und er sah mich mit großen Augen an. „Wir sollten erstmal wieder rein gehen," erklärte ich. „Wenn du noch länger draußen bist wird dein Fieber bloß wieder steigen." Er nickte nun nur und lehnte seinen Kopf an meine Schulter.

Ich setzte ihn wieder auf meinem Sofa ab und schlang direkt ein paar Decken um ihn, damit ihm wieder wärmer wurde. Ich ging kurz in die Küche und kam kurze Zeit später kam ich wieder mit zwei dampfenden Tassen Tee ins Wohnzimmer. Ich stellte die Tassen ab und sah in Jungkooks verweintes Gesicht. So Leid er mir bei diesem Anblick tat, ich musste auch an mein eigenes Herz denken. Und dieses war im Moment durch seine Aktion ziemlich verletzt.

„Was sollte das Jungkook?," fragte ich also direkt heraus.

Jungkook schniefte noch einmal und wischte sich mit einer Hand über ein Auge. „Ich wollte gehen, damit du nicht weiter auf mich aufpassen musst."

„Aber Jungkook! Wie kommst denn darauf deshalb einfach abzuhauen?!"

„Ich habe dich heute Morgen aus versehen mit deiner Mutter telefonieren gehört," beichtete er. Allein bei diesen Worten wurde mir einiges klar. Vermutlich hatte er nur bis zu dem Zeitpunkt zuhört an dem ich ihr sagte, dass ich Weihnachten nicht nach Hause kommen würde.

„Ich– Ich fühle mich nur so schlecht dabei zu wissen, dass ich dir und deiner Familie Weihnachten zu versauen, nur, weil du wegen mir nicht nach Hause kommen kannst. Ich will nicht der Grund dafür sein, dass du deine Familie nicht sehen kannst!" Er weinte nun wieder und ich legte langsam meine Arm um ihn und zog ihn näher zu mir heran. Er krallte seine Hände an meinem Oberteil fest und drückte sein Gesicht gegen meine Brust. Hoffentlich bekam er nicht mit wie mein Herz schlagartig anfing schneller zu schlagen. Ich legte mein Kinn auf deinen Kopf an und schaukelte uns beide ein wenig hin und her, bis er sich ein wenig beruhigt hatte. Als ich merkte, dass er aufgehört hatte zu weinen löste ich unsere Umarmung wieder, um ihn ansehen zu können.

„Wenn du das nächste Mal lauschst, dann höre auch bis zum Schluss zu. Natürlich sind meine Eltern traurig, dass ich nicht da sein werde. Aber ich habe ihnen gesagt, dass ich mich um einen Freund kümmern muss. Sie verstehen das und sind sogar froh, dass aus mir ein guter Mensch geworden ist. Zumindest haben sie das gesagt."

Ich schenkte ihm ein Lächeln, welches er nur schwach erwiderte. Schließlich senkte er wieder den Kopf.

„Trotzdem kannst du Weihnachten nicht mit deiner Familie verbringen."

„Dafür verbringe ich es dieses Jahr eben mit dir."

Jungkook bekam große Augen und ich wuschelte ihm durch die Haare. „Also bleib bitte hier."

Jungkook fiel wahrscheinlich schon das zehnte Mal der Kopf runter, riss ihn dann wieder hoch und bekam dann wieder einen verschlafenen Gesichtsausdruck.

Ich schüttelte nur den Kopf über ihn, griff nach der Fernbedienung und schaltete den Fernseher aus. „Was machst du da?," fragte Jungkook mich verschlafen. „Der Film ist noch gar nicht zu ende."

„Mag sein, aber du scheinst schon ziemlich am Ende zu sein. Wir sollten für heute vielleicht lieber schlafen gehen."

Junkook nickte nur und stand auf. Ich brachte ihn ins Schlafzimmer und er legte sich ins Bett. Doch statt wie die letzten Tage ging ich diesmal nicht zurück zum Sofa, um dort zu schlafen. Ich legte mich zu Jungkook und zog die Decke über uns beide.

„Was machst du da?," fragte Jungkook verwirrt.

„Aufpassen, dass du nicht wieder versuchst ab zu hauen," murmelte ich müde.

Ich wartete auf eine Antwort von Jungkook. Doch es kam keine. Stattdessen merkte ich nur, wie er sich an mich kuschelte und ein zufriedenes Schmatzen von sich gab.


My hero (BTS, Vkook FF)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt