Kapitel 115 - Der Schmerz des Verlustes

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Eine falsche Entscheidung kann all das Gute in einem Leben auflösen, aber man lernt aus jedem Fehler, den man begeht für das Leben, auch wenn man es sich nicht eingestehen will. Man wächst an seinen Fehlern.

Harry's POV:
Bell rannte weg. Mein Blick verfolgte ihre Bewegungen. Innerlich versuchte ich schmerzhaft den Drang ihr hinterher zu rennen und zu sagen, dass das alles nicht wahr war, zu unterdrücken. Es dauerte nicht lange, da war sie aus meinem Blickfeld verschwunden. Ich habe sie verloren... Erste Tränen bildeten sich in meinen Augen. Alles, was ich ihr vorgeworfen habe, war eine Lüge. Scheiße, die ich mir zusammen gereimt habe. Ich habe sie verletzt und wie ich das habe. Ich habe sie verloren! Vereinzelt suchten sich die Tränen nun einen Weg über meine Wangen. Immer wieder stach es schmerzhaft durch mein Herz. Endlich hatte ich die Kraft gefunden zurück in den Flur zu gehen. Ich schloss die Haustür und begann zu schreien. "Scheiße!", rief ich so laut, dass es durch den Flur hallte. Ich schlug mit voller Kraft gegen die Wand und schrie noch einmal. Doch all dies half nicht den unbesiegbaren Schmerz in meiner Brust zu stillen. Meine Hand pulsierte und lief rot an, aber das war mir in dem Moment so egal. Ich brach im Flur zusammen und begann zu weinen. Sie ist das, was ich will. Sie ist die, die aus mir einen neuen Menschen macht, die mich zum besseren verändert, die mich so liebt, wie ich bin, die mir Beistand gab, die mich verteidigt hat und mir Rückhalt gegeben hat und ich habe sie verloren. Ich habe das Wertvollste, was ich je besaß verloren und nicht, weil sie gegangen ist. Nein, weil ich sie gehen gelassen habe. Ich habe sie nicht aufgehalten. Nein, ich habe sie verletzt und wie Müll in die Ecke geschmissen. Ich hasse mich dafür. Ich hasse mich so sehr und ich hasse Liam! Liam... Er hat Samantha davon erzählt. Er hat mich und Bell auseinander gebracht. Erneut glühte die Wut in mir auf und ich schrie laut auf, während ich verzweifelt an meinen Haaren zog. Wie soll ich nur ohne sie weiterleben? Wie soll ich bitte mit Samantha zusammen sein? Ich hasse ihr Verhalten, ich hasse ihre Art. Ich will nicht mit ihr zusammen sein! Ich will allein Bell! Ich schluchzte auf und zog meine Beine an meinen Körper. War es ein Fehler? Hätte ich ihr einfach die Wahrheit erzählen sollen? Aber dann hätte sie mich genauso verabscheut wie jetzt. Sie hätte mich angewidert angesehen und mich für das letzte gehalten, aber das wird sie jetzt auch tun... Plötzlich knackte das Schloss und die Haustür öffnete sich. Etwas geschockt schaute ich zur Tür, in der ein mehr als besorgt schauender Louis stand. Er stellte seine Tasche ab und schloss schnell die Tür hinter sich. "Harry, was um alles in der Welt ist passiert?", fragte er voller Sorge. Ich hatte keine Kraft zu antworten und ich konnte es auch gar nicht. Ich wusste nicht, wie ich es ihm hätte erklären können. Besorgt hockte er sich vor mich und schaute mich überprüfend an. "Wieso ist Annabell weinend mit Greg ins Krankenhaus gelaufen und warum sitzt du hier weinend?", fragte er vorsichtig. "Ich habe alles versaut.", nuschelte ich und schluchzte. Ja, das habe ich... Aber was mache ich mir vor. Ich habe nie zu Bell gepasst. Sie war und bleibt zu gut für mich. Ich bin ein Frack. Sie verdient jemand, der sie nicht verletzt, der alles für sie gibt. Mein Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Und ich hätte alles für sie gegeben... "Was ist passiert, Harry?", fragte Louis beunruhigt. "Es ist aus.", schluchzte ich und erneut bahnten sich mehrere Tränen einen Weg über meine Wangen. Geschockt weiteten sich seine Augen. "Wie? Warum? Ich meine, es lief doch so gut. Wie kann? Was ist passiert?", stotterte er total verwirrt und schockiert. Ich kann es ihm nicht erzählen. Er war so stolz auf mich. Es würde all das Vertrauen wieder zerstören. Ich kann es ihm nicht erzählen... "Ich...", wollte ich beginnen, doch ein Schluchzen zerstörte jegliche Möglichkeit einen Satz über meine Lippen zu bringen. Plötzlich zog Louis mich in seine Arme und drückte mich sanft an ihn. Nun konnte ich mich nicht mehr zurückhalten. All die Trauer ließ ich hinaus und es fühlte sich gut an. Es war schön zu wissen, dass Louis da war, mir Halt gab. Verkrampft hielt ich mich an ihm fest und konnte mich kaum beruhigen. "Es wird bestimmt alles wieder gut.", versuchte Louis mich zu trösten, doch dieser Versuch scheiterte zugleich. Nein, das wird es nicht! Es wird nie wieder alles gut sein ohne sie... Ich schüttelte schluchzend meinen Kopf und spürte wie Louis mir beruhigend über den Rücken streichelte. "Vielleicht mag es jetzt so aussehen, aber morgen kann schon wieder alles ganz anders sein.", murmelte Louis leicht nachdenklich und löste sich etwas aus der Umarmung. Noch immer besorgt musterte er mich und blieb mit seinem Blick bei meiner rechten Hand hängen. Ohne zu zögern zog er sie zu sich, um diese zu begutachten. Ich zischte auf vor Schmerz und verzog mein Gesicht. Vorsichtig tastete Louis sie ab, doch darauf konzentrierte ich mich kaum. Ich war immer noch damit beschäftigt mir Vorwürfe zu machen und diese waren alle berechtigt. "Harry, deine Hand ist gebrochen!", quiekte Louis erschrocken auf. "Was hast du mit ihr gemacht?", fragte er sofort nach. Das kann ich ihm verraten, oder? "Ich war so wütend auf mich und da habe ich gegen die Wand geschlagen.", gab ich leise zu und schämte mich etwas dafür, denn gleich würde ich eine Standpauke von Louis bekommen zum Thema: Probleme löst man nicht mit Gewalt gegen andere und ganz bestimmt nicht mit Gewalt gegen sich selbst. "Gott Harry, wie oft habe ich dir schon gesagt, dass du nicht immer so überreagieren darfst. Du tust deinem Körper so nichts gutes.", meinte er mahnend. Ich seufzte nur leicht genervt. Ich habe gewusst, dass er damit anfängt. "Wenn du Glück hast und das hoffe ich für dich, musst du nicht operiert werden.", murmelte Louis, während er meine Hand weiter unter die Lupe nahm. Ich nickte nur und wischte mit meiner linken Hand einmal über meine Wangen. Ich hasse mich so sehr. "Ich hole Eis und dann fahren wir zum Krankenhaus.", sagte Louis schnell und stand schon auf. Zum Krankenhaus? Aber da ist doch Bell...

(Info: Das ist einer der letzten Kapitel von "Do you rescue me?". Demnächst folgt ein zweiter Teil. Ich hoffe euch gefällt die Geschichte. ♡)

Do you rescue me? (Harry ff)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt