Kapitel 2 - ...oder die Gejagten?

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Verwirrt sehe ich mich um. War Sayu nicht grade noch an meiner Seite? Ich wende meinen Blick wieder nach vorn und merke, dass sie fast direkt vor dem Baum steht. „Geh da weg!", rufe ich verzweifelt, aber sie scheint mich nicht zu hören. Entschlossen sie retten zu müssen renne ich nun zu ihr, wären die gerüstete, riesige Gestalt auch vor sie tritt. Beim näher kommen, an die Gestalt bemerke ich, dass es ein Tiger oder Panter zu sein scheint, der nun mit seinen beiden Säbeln ausholt. "Wag es dir, Sayu anzufassen!", schreie ich in Rage und gleichzeitig auch in Verzweiflung, wären ich auf die beiden zustürme. Der Panter holt aus und...
CHOP!!
...trifft nichts. Ich konnte Sayu, die zum Kopf der Kreatur starrte, grade noch weg schupsen, doch leider war das auch keine gute Idee, denn wir sprangen somit direkt auf den Baum zu. Kuro der mir zu folgen schien blieb dicht hinter uns. Wir sprangen zusammen in den Spalt, welcher Mitten im Baum war und landen nun leider mit einer schmerzhaften Bruchlandung auf der Erde. Das grelle Licht, was den Spalt ausfülle verblasst und wird unsichtbar. Wir alle keuchen vor Schreck. Ich rappel mich langsam mit Sayu auf, welche direkt neben mit liegt und biete Kuro meine Hilfe an, der aber lieber alleine aufsteht.
Langsam gehen wir in die entgegengesetzte Richtung des Baumes und ich versuche ein paar Worte zu sprechen: "W..war das ein Rakshasa?" "Ein was?", fragt mich Sayu verwirrt. "A..ach nichts..", entgegne ich, während mein Blick durch die Gegend wandert. "Wir sind jetzt doch nur auf der anderen Seite des Baumes, oder?", frage ich rhetorisch in die Dunkelheit hinein, doch niemals dem Frieden trauend. Plötzlich fängt der Boden an leicht zu vibrieren. „M..merkt ihr das auch?", frage ich erschrocken meine beiden Mitstreiter. Beide sehen mich an und erwidern, „J..ja!", während wir uns hektisch umsehen. Auf einmal sieht man einen monströsen Reptilienkopf der sich mit schlängelnden Bewegungen aus den Bäumen, an der anderen Seite des Baumes, bewegt.

Eine riesige Schlange bewegt sich aus dem dichten Geäst, abseits der Waldwege! Wir verstummen und sehen der Schlange überrascht zu, in der Hoffnung, dass sie uns nichts tut. Ich beobachte jede Aktion von ihr genau, um auf alles vorbereitet zu sein, doch anstatt uns anzugreifen schlängelt sie sich um den gigantischen Baum, durch den wir gesprungen sind und das leider direkt um die Gabelung der beiden Hälften. Zum Schluss beißt sie in ihr eigenes Ende.

"Ein Ooboros?! Es ist hier doch nicht so genau, wie ich dachte!", flüstere ich laut zu meinen Begleitern, während Sayu weiter verdutzt zur Schlange guckt und Kuro sich bereits umzusehen scheint. "Wir brauchen einen anderen Ausgang!", sage ich mit Kuro zeitgleich, während meine Augen auch schon mit einer Erkundung des Geländes beschäftigt sind. "Ein Oorobos bedeutet die Vollkommenheit, ein Ende und gleichzeitig ein Neubeginn.", sage ich leise zu mir selbst. Langsam bildet sich ein ironisches Lächeln auf meinen Lippen. "Doch.. vollkommen ist nur der Tod, richtig?", seufze ich, während ich einen waffenähnlichen Gegenstand in der Nähe suche. Nachdem ich zwei stabile, spritze Äste auf dem Boden gefunden habe, gebe ich sie wortlos an Sayu und Kuro.

Ein zerbrechlich aussehender Mensch, schleicht mit einem Umhang und einer sehr grell leuchtenden Laterne auf einem Weg neben uns entlang. Egal, ob es ein Perchta oder ein Nachtmahr ist.. dem traue ich nicht! Sayu und Kuro scheinen ihn ebenfalls zu beobachten. Ich umfasse ihre beiden Hände und laufe leicht in die entgegengesetzte Richtung des Menschens, um ihnen zu zeigen, dass wir weglaufen sollten, um bestenfalls nicht zu sterben. Die beiden verstehen mein Kommando und rennen los, ich hinterher.

Vorsichtig gucke ich hinter uns, um zu sehen, ob dieses... Ding uns verfolgt, doch erst in dem Moment dreht es sich zu uns um. Das Wesen scheint eine Maske zu tragen, welche aus... zusammen genähten Tierkadavern besteht?! Unmöglich! Manche Stellen dieser Maske reflektieren stark das grelle Licht der Laterne. In einer etwas weiteren Entfernung sehen diese nur, wie große Lichtpunkte aus. Wir rennen so schnell, wie wir können, um dieser Gestalt zu entkommen, bis uns ein Kettenrasseln entgegnet. Niemand von uns scheint auch nur irgendwie eine Ausdauergrenze zu haben, denn das Adrenalin, was mit jedem Herzschlag neu zu sein scheint hält uns wach, hält uns agil. Keuchend kommen wir an einen Brunnen. Die Körpertemperaturen scheinen schon auf die örtlichen Nachttemperaturen gesunken zu sein und ebenso unser Elan, doch als wir uns um den Brunnen stellen und gemeinsam, erschöpft ins Wasser starren, ertönen Babyschreie laut aus ihm. In mitten des Brunnens, welcher einen Eimer mit Goldmünzen beherbarg spiegelten sich Gesichter von kleinen Kindern wieder, welche teils jammernd und schluchzend um den Brunnen herumzustehen schienen. Und gegenüber von uns, am selbigen Brunnen, zu stehen, aber nicht das Wasser, sondern uns anzustarren. Nun scheint die Kreatur statt einer Laterne eine Axt zu haben! "Perchta.", zische ich, bevor ich, mit Kuro und Sayu an den Händen weiter flüchte.

Erschöpft laufen wir in eine Höhle, die sich unglaublich sicher anfühlt.. so sagt es jedenfalls mein Bauchgefühl, doch für eine bessere Idee sind wir zu müde, also bleiben wir und setzen uns mitten, in die tiefe Dunkelheit der Höhle. "Der.. schlimmste T..Tag meines Lebens...", sage ich keuchend durch die Erschöpfung, während ich müde in die Runde sehe. Ich bin einfach zu fertig, um überhaupt wirklich was zu fühlen. Sayu sieht sich fragend um und scheint so schnell keinen freien Kopf zu bekommen. Kuro scheint ebenfalls nachzudenken, aber wohl eher mit einem gezielten System. "Ehm...", sagt Kuro, sodass ich merke, dass ich ihn schon ziemlich lange ansehe. Hoffentlich denkt er nicht, dass ich seine Seele fressen will! Kuro erhebt wieder das Wort: "Diese Perchta.. Ich weiß nicht, ob sie uns nicht weiter verfolgt.". Sayu guckt mit großen Augen in die Runde: "Wir müssen uns dann wohl wehren!". "Normalerweise ist eine.. oder DIE Perchta gar nicht böse!"

"Woher weißt du das alles überhaupt?", fragt Kuro misstrauisch.

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