Der Reinigungsdienst

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Es ist Montagmorgen und ich sitze mal wieder in der Schule. In den ersten zwei Stunden habe ich Kunst. Zum Glück vergehen die beiden Stunden, wie im Flug.

In der ersten Pause passiert nichts und wir sehen auch niemanden. Nur ganz kurz sehe ich Damien.

Danach habe ich zwei Stunden Mathe. Ich verstehe nicht wirklich viel und wenn wir Aufgaben bekommen, bin ich sehr schnell fertig. Während ich auf neue Aufgaben warte, kritzel ich ein bisschen in meinen Blöcken und Heften rum.

Nach den zwei Stunden Mathe haben wir wieder große Pause.

Meine Freundin Shirin und ich setzen uns in den Aufenthaltsbereich, wo bereits der Typ aus dem Bus mit seinen Kumpels hockt, die mich natürlich, wie immer, anstarren. Ich versuche mit Shirin zu reden aber es ist sehr laut und die Tatsache, dass er und seine Clique neben uns lauthals über irgendetwas reden und diskutieren macht es nicht besser. Total genervt suche ich mein Frühstück aus meiner Tasche raus und will gerade essen, als mich eine Papierkugel trifft. Eine weitere folgt und eine Minute später ist der komplette Tisch voll mit Papierkugeln. Verwirrt schauen wir uns um. Der Typ aus dem Bus und seinen Kumpels sind genauso verwirrt wie wir und lachen gleichzeitig aber sie scheinen die Kugeln nicht auf uns geworfen zu haben. Wir schauen uns weiter um und sehen drei Siebtklässler. Sie stehen auf und kommen zu unserem Tisch. "Dürfen wir uns zu euch setzen?" fragt der größte Junge von den dreien. Er ist relativ dünn, hat hellblonde Haare, blasse Haut und viel zu dunkle Augen. Ich schüttel mit dem Kopf. Daraufhin legen seine Kumpels und er seinen ganzen Müll auf unseren Tisch ab und der eine schnappt sich einen der Stühle und setzt sich einfach zu uns. Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie sich eine große schwarze Gestalt erhebt.

Der Junge in schwarz steht mit einem Satz an unserem Tisch.

"Sie wollen nicht, dass ihr hier sitzt. Nehmt eure Müll und seht zu, dass ihr hier weg kommt oder..."

"Oder...? Was? Willst du uns sonst bei den Erziehern verpetzen?"

Mit seinen dunklen Augen fixiert er den schmalen Siebtklässler. Er spannt seinen Unterkiefer an und ballt seine Fäuste.

"Ey, lass mal jetzt wirklich gehen" sagt der etwas kleinere und rundlichere von den dreien.

Der große Junge dreht sich um, macht eine Kopfbewegung und setzt an, nach draußen zu gehen.

"Hast du nicht etwas vergessen?" Der Junge in schwarz sammelt das ganze Papier vom Tisch ein und stopft es ihm in die Kapuze.

Mit bösem Blick gefolgt von seinen anderen beiden Kumpels verschwindet er nach draußen.

Der Junge in schwarz dreht sich wieder zu uns, guckt uns mit einem friedlichen Lächeln an und verschwindet wieder auf seinen Platz.

Kurze Zeit später klingelt es und wir gehen zum Physikunterricht. Die zwei Stunden vergehen ebenfalls wie im Flug.

In der dritten Pause haben wir Reinigungsdienst. Meine Freundinnen und ich holen uns Eimer und Zange ab und begeben uns in die Mensa. Obwohl es die dritte Pause ist, drängeln sich die Schüler durch die Mensa, obwohl diese nicht gerade groß ist. Nachdem wir fast am Ende sind und der Eimer voll ist, werde ich von hinten geschubst, sodass ich mich kaum noch halten kann. Ich lasse den Eimer fallen, während ich mich bemühe mein Gleichgewicht zu halten. Schließlich lande ich ungewollt in den Armen eines Jungen. Nein, nicht eines Jungen! Ich lande in Damien's Armen, der mich nur verwirrt anschaut.

"Kannst du nicht besser aufpassen?" Seine blauen Augen funkeln mich unter seinem langen Pony an.

"Sorry" stammel ich leise vor mich hin, während ich mich von ihm löse.

Ich stehe da, wie ein Idiot. Er hat sich schon längst weiter durch die Massen gequetscht. Jetzt steht wieder der Junge in schwarz vor mir und hält mir den Eimer mit dem Müll, den er inzwischen schon aufgesammelt hat, hin. Verwirrt nehme ich ihm den Eimer ab und flüstere ein "Danke" vor mich hin. Er lächelt mich sanft an und ich sehe zu, dass ich verschwinde.

In der letzten Stunde sitze ich da und starre vor mich hin. Ab und zu schreibe ich wichtige Informationen auf. Schließlich klingelt es. Ich springe auf, schnappe meine Sachen und verlasse schnellstmöglich das Schulgebäude.


Der alltägliche SchulwahnsinnWo Geschichten leben. Entdecke jetzt