Ich werde immer dein Beschützer sein!

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Tag für Tag werde ich nun von Marcello begleitet. Er wartet vor der Schule auf mich, bringt mich zu meinem Unterricht und holt mich auch wieder ab, nach der Schule bringt er mich nach Hause oder begleitete mich, wenn ich mit Freunden rausgehe oder aus einem anderen Grund noch unterwegs bin.

Enrico passt das überhaupt nicht. Er zieht mich jedes Mal auf mit Sprüchen wie "Na, holt dein neuer Freund dich mal wieder ab?" oder "Hat deine Mutter mal wieder deinen Babysitter beauftragt auf dich aufzupassen?". In letzter Zeit ist er uns nach Schulschluss immer gefolgt. Auch heute folgt er uns wieder.

Wir haben heute schon nach der fünften Stunde Schluss gehabt. Marcello hat am Ausgang auf mich gewartet mit ein paar Kumpels. Nun laufen wir zum Bus und Enrico folgt uns die ganze Zeit.

Wir steigen an der Haltestelle ein, fahren in die Altstadt, gehen in die Bücherei und in verschiedene kleine Läden.

Mit "wir" meine ich Marcello, der Typ aus dem Bus und noch vier Kumpels von ihm. Der eine Junge ist türkischer Herkunft, der andere Junge ist russischer Herkunft und bei den anderen Beiden, weiß ich nicht, ob sie ausländisch sind oder nicht.

Einer von den Beiden ist ungefähr genauso groß, wie ich. Er hat schwarze Haare, die ihm ins blasse Gesicht fallen und seine dunklen Augen verdecken. Er ist sehr schüchtern und hat irgendeinen Akzent.

Bis auf Marcello sind die anderen Jungs sehr schüchtern und eher zurückhaltend. Dafür sind sie aber auch sehr sympathisch und humorvoll. Eigentlich verbringe ich sogar relativ gerne Zeit mit den Jungs.

Bei einem kleinen Bäcker haben wir uns jeweils ein heißes Getränk gekauft und laufen nun am Wasser entlang. Marcello, der sein Getränk relativ schnell ausgetrunken hat, dreht sich auf einmal ruckartig um und läuft frontal auf Enrico zu.

"Was soll der Scheiß?" Er baut sich vor Enrico auf.

Enrico erwiedert nichts und guckt ihn leicht verwirrt an.

"Warum folgst du uns die ganze Zeit?"

Wieder sagt Enrico nichts. Marcello holt aus und schlägt ihn ins Gesicht.

"Lass ihn in Ruhe!" schreie ich Marcello an und stelle mich nun zwischen die Beiden.

"Liv, geh zu den Anderen und lass mich das hier einfach mal kurz regeln, okay?" Seine Stimme ist rau und er guckt mich mit ernster Mine an. Ich schüttel den Kopf, nehme seine beiden Hände und ziehe ihn mit mir. Enrico sieht zu, dass er weg kommt.

Später, nachdem wir den ganzen Nachmittag zusammen verbracht haben, trennen sich unsere Wege. Wir verabschieden uns und ich gehe mit Marcello zum Bus. Er bringt mich, wie immer bis nach Hause.

Vor der Haustür bleibe ich stehen und drehe mich um.

"Warum tust du das eigentlich?"

"Warum tue ich was?" Er scheint sichtlich verwirrt zu sein.

"Warum begleitest du mich überall hin, warum beschützt du mich vor fremden Menschen, warum passt du immer und überall auf mich auf und warum verprügelst du Menschen wegen mir?"

"Ich habe es jemandem versprochen!"

"Und wem hast du etwas versprochen, vor allem warum hast du demjenigen etwas versprochen?"

"Das darf ich dir nicht verraten aber derjenige, der mich darum gebeten hat, mag dich sehr gerne und er selber kann dich nicht beschützen."

"Warum?" Ich schaue ihn fragend an.

"Darum!"

"Du musst mich nicht beschützen und du musst mich auch nicht überall hinbegleiten!"

"Doch, ich werde immer dein Beschützer sein, ob du willst oder nicht!" Jetzt grinst er mich frech an.

Ich verdrehe die Augen und schließe auf. Oben verabschieden wir uns schließlich und ich schließe hinter mir die Wohnungstür ab.


Der alltägliche SchulwahnsinnWo Geschichten leben. Entdecke jetzt