Ich werde durch ein lautes Klopfen an der Tür wach. Die Krankenschwester, gefolgt vom Arzt, tritt ein. Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie Constantin schnell das Zimmer verlässt.
Der Arzt untersucht mich noch einmal, dann verabschiedet er sich von mir und verlässt den Raum.
Von draußen höre ich, dass der Arzt ein letztes Mal mit Constantin redet.
Heute ist meine Entlassung, ich darf endlich gehen aber wirklich freuen kann ich mich nicht, schließlich lebe ich ab heute bei einem mehr oder weniger fremden Mann in einer fremden Wohnung.
„Hier ich habe dir Frühstück mitgebracht, iss ein wenig." Die Krankenschwester lächelt mich freundlich an.
„Danke" murmle ich leise vor mich hin und mache mich über das Frühstück her.
Auf dem Tablett ist ein Teller mit zwei belegten Baguettebrötchen, daneben ist eine Schale mit Früchtejoghurt und eine Tasse mit warmen Kakao.
Die Krankenschwester schaltet das kleine Radio auf meinem Nachttisch an, macht die Fenster auf und setzt sich auf einen Stuhl neben meinem Bett.
Sie wartet solange bis ich fertig bin mit Essen, erst dann fängt sie mit meiner täglichen Versorgung an.
„Heute ist deine Entlassung und freust du dich?"
„Eigentlich schon aber ich werde ab heute bei ihm leben... Egal, ob ich will oder nicht!" Ich senke meinen Kopf.
„Stimmt, leider kann ich nichts weiter für dich tun... Du wirst mir fehlen! Von allen Patientinnen und Patienten bist du immer am freundlichsten gewesen, trotz aller Umstände." Sie lächelt mich traurig an.
Eine Weile schweigen wir bis sie fertig ist. Sie streichelt meinen Arm und nimmt dann meine beiden Hände in ihre Hände.
„Ich wünsche dir alles Gute! Mach einfach das Beste daraus und wenn mich nicht alles irrt, dann bist du bald erwachsen und kannst deinen eigenen Weg gehen. Bis dahin musst du einfach durchhalten." Mit diesen Worten verlässt sie das Zimmer.
Constantin redet draußen kurz mit der Krankenschwester, dann kommt er herein. Er schiebt einen Rollstuhl zum Bett. Hinter ihm ist Björn.
„Hallo Kleine, geht es dir heute wieder ein bisschen besser?"
Ich gucke ihn kurz an und drehe dann meinen Kopf weg.
„Ich habe gehört, dass meine kleine Prinzessin etwas gegessen hat? Ich bin sehr stolz auf dich!" sagt nun Constantin, der bisher noch gar nichts gesagt hat.
„Nun gut, lass uns schnell alles zum Auto bringen und nach Hause fahren!"
Er hebt mich aus dem Bett in den Rollstuhl. Er hockt sich vor mich und schaut mir direkt in die Augen.
„Als ich dich vor einer Woche in die Hütte getragen habe, warst du schon sehr leicht aber jetzt kommt es mir so vor als hätte ich gerade eine Feder hochgehoben. An dir ist so gut, wie gar nichts dran. Versprich mir, wenn wir zuhause sind, dass du wieder mehr isst!"
Ich schaue ihm mit leerem Blick in die Augen und reagiere nicht im Geringsten darauf, was er sagt.
Er erhebt sich wieder aus der Hocke und packt die restlichen Sachen zusammen.
Björn nimmt die beiden Reisetaschen und Constantin schiebt mich aus dem Zimmer. Er schiebt mich durch mehrere lange Flure, dann fahren wir mit einem Fahrstuhl nach unten und schließlich sind wir auf dem Parkplatz.
Vor einem großen, langen und roten Auto bleiben wir stehen. Björn stellt die Reisetaschen in den Kofferraum und Constantin öffnet die Hintertür.
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Mein neues Leben mit einem fremden Mann - #Wattbooks2017 #WPOlymphics
Teen FictionJulie ist fünfzehn Jahre alt und lebt bei ihrem wohlhabenden Vater, der allerdings keinerlei Gefühle für sie übrig hat. Eines Tages beauftragt er eine Firma um sein Grundstück erneuern zu lassen. Julie fällt auf, dass sie von einem Bauarbeiter ständ...