Kapitel 23

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"Los Stormy, umziehen! Es ist etwas Schreckliches passiert, wir müssen Lil und die anderen abholen, bevor sie es mitbekommen!"

      Ich erschrak so dermaßen von ihrem Geschrei, dass ich fast vom Sofa fiel. Wenn Jasmine so abging, dann musste es etwas Schlimmes sein. Ohne Grund sah sie nicht so verzweifelt aus. Also ging ich in mein Zimmer und schlüpfte in meine Jogginghose und in einen gemütlichen Pullover. Dann kehrte ich zu Mine und Hawk zurück, die sofort losliefen, als sie mich entdeckten.

      Nach einer kleinen Weile im Regen entdeckten wir die ersten Menschengruppen. Sie liefen sehr langsam und humpelten. Das erinnerte mich an meine Prüfungen und sofort ging mit ein Licht auf. Scheisse!
Ich warf Mine und Hawk einen Blick zu und sofort rannten wir in die Richtung von dem Mehrfamilienhaus, in dem meine Freunde lebten. Vor diesem Haus auf dem Parkplatz erwarteten uns schon Jonas, Moritz und Max, die aufgeregt auf die Menge zeigten. "Lili ist da drin! Es sind so verdammt viele, wir kommen da nicht allein durch!"
      Sofort schrillten die Alarmglocken in meinem Kopf los und ich holte meine Stele aus der Tasche. Stelen sind sowas ähnliches wie ein Zauberstab, nur hat man statt diesem Zauberspruch einfach ein Zeichen, das man malen muss, sogenannte Runen. Ich malte einen Feuerzauber auf die Zombies und schon brannten sie. Durch eine Lücke konnte ich meine beste Freundin sehen, die mit ihrem Dolch wild um sich schlug. In diesem Moment sah sie mich auch und ich entdeckte ihr Gesicht. Sie weinte.

      Neben mir kämpften Hawk und die Jungs gegen die Zombies an, um zu dem Mädchen zu gelangen. Mine rief währenddessen die Sekte an, um zu erklären, was gerade passiert. Ich wollte einen Explosionszauber aussprechen, als ich einen heftigen Schmerz im Kopf verspürte und auf die Knie ging. Im nächsten Moment hörte ich nur die Stimme von Max, wie er den Namen seiner Schwester rief. Ich schaute in die Menge und sah sie auf dem Boden liegen. Mit ihrem vergifteten Dolch in der Brust.
Ich rief den Zauber aus und alle Zombies wurden von innen gesprengt, da sich ihre Knochen ausdehnten. Ich rannte zu den anderen, die schon neben Lili hockten und versuchten, ihr Leben zu retten. Doch vergeblich. Meine beste Freundin hatte nur einen Brief in der Hand, auf den ich mit Tränen in den Augen schaute. Ich nahm mir den Umschlag und rannte in ihr Zimmer. Ich schmiss mich auf ihr Bett, saugte den Duft ihres geliebten Parfums ein und ließ meinen Tränen freien Lauf.
Ich schrie drauf los und schluchzte vor mich hin, bevor ich eine Person im Zimmer bemerkte. Ich schaute in die dunkle Ecke neben der Tür und vernahm einen Schatten, der sich dann auch zeigte. Es war Moritz.

      Er kam zu mir und setzte sich neben mich aufs Bett. Ich schaute ihn kurz an, während er meine Tränen von den Wangen wischte, doch fing danach noch heftiger an zu weinen. Er nahm mich in seine Arme und drückte mich fest an sich, aber ich konnte seine feuchten Wangen auf meinem Kopf spüren. Auch er weinte. Jedoch will ich garnicht wissen, wie es Max und Jonas erging. Schliesslich war Max ihr Bruder und Jonas - naja, er war seit Jahren schon in sie verknallt. Als wir einmal in einer Pause in der jetzigen Woche allein am Tisch saßen, hatte er mir das erzählt und wollte von mir wissen, ob er sie auf ein Date einladen sollte und wohin es gehen sollte.
      Anscheinend hatte er es wirklich gemacht, denn Lili kam am selben Tag noch strahlend auf mich zu und redete die ganze restliche Woche noch davon, als wir allein waren.

"Wie..gehts dir? Ich habe auch von der Sache mit deinen Eltern gehört.." Mit diesen Worten holte Moritz mich aus meiner Gedankenwelt. Und dafür war ich ihm sehr dankbar. Ich schaute ihn deswegen einfach nur an und er begriff, was ich ihm sagen wollte. Im Endeffekt hatte ich einfach nur Angst zu reden, weil ich erstens nicht wusste, was ich sagen sollte, und zweitens meiner Stimme nicht traute - sie wär meiner Meinung nach nur sehr schwach gewesen und wackelig, wenn ich überhaupt einen Ton raus bekommen hätte.

      Plötzlich fiel mir der Brief von Lil ein, der neben dem Bett lag. Ich griff ihn und schaute Moritz zweifelnd an, welcher mir einen ermutigenden und aufmunternden Blick schenkte. Also machte ich ihn auf, zog den Zettel raus und las mir ihren Text durch.

Liebe Storm,
wenn du das hier liest, bin ich wahrscheinlich schon tot. Es tut mir ehrlich sehr leid, dass du anscheinend mit dabei warst. Aber ich hielt das nicht mehr aus. Diese ganzen Zombies waren schon seit letzter Nacht auf dem Vormarsch, unter anderem in Frankreich und England, wo sie auch deine Eltern erwischt hatten. Ich habe davon gehört, als ich von der Schule heimkam und auf meinen Laptop schaute. Ich weiss nicht, wie du darauf reagiert hast, ich würde es nicht ertragen meine Eltern in so einer Zeit zu verlieren und das auch noch in den Nachrichten zu erfahren. Ich konnte diesen Druck einfach nicht ertragen, da ich es ahnte, dass so etwas passieren würde. Meine Schwester ist Wahrsagerin in der Sekte und sagte es alles voraus. Es konnte einfach kein Zufall gewesen sein, denn es passierte alles wirklich. Ich würde all meine Freunde sterben sehen, meine Familie. Ich hatte jeden Tag davon geträumt, und du warst die Einzige, die mich vor dem Selbstmord bis heut abhielt. Bitte sag Moritz, dass ich will, dass er meinen Job als beste Freundin und Schwester für dich übernimmt. Max soll sich bitte keinen Kopf machen und soll sich weiter anstrengen, damit er sein Ziel erreicht. Für mich. Und sag Jonas bitte, dass ich ihn liebe und immer geliebt habe. Ich vertraue dir. Zu guter Letzt möchte ich dir meinen Dank aussprechen. Danke, dass du meine unbiologische Schwester warst für all die Zeit, in guten und schlechten Tagen! Bleib so wie du bist, denn du bist wunderschön, super charmant und du bist die beste Seelsorgerin, die man sich wünschen kann. Ich möchte, dass du meine Halskette bekommst, damit du mich nicht vergisst. Sie liegt im Umschlag. Ich werde dich nie vergessen!

In Liebe,
deine beste Freundin.

[ABGESCHLOSSEN] Fight, Love, Apocalypse. ~Taddl FF~Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt