Kapitel 37

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      Zwei Stunden später schlichen wir - gewollt leise - durch die Sträucher und Bäume des Waldes. Eigentlich waren Wälder seit den Prüfungen meine Lieblingsorte. Dort war es so still und man war der Natur so verdammt nah. Keine Abgase, kein Lärm. Dort hatte man durchgängig Zeit für sich selbst und echt viel Zeit zum Nachdenken. Über einen selbst, über Freunde und Familie, über Schule und Beruf. Über alles, um genau zu sein.
      Komischerweise wusste ich noch genau, wo es lang ging. Jedoch hatten die Ältesten der Schattenweltler eine Barriere um die Kräuter gezogen. Ardy und Alex prallten an der magischen Wand ab und fielen zu Boden. Jedoch hatte keiner mit mir gerechnet, mit einem Racheengel. Dazu war ich eben Engel und Vampir. Engel waren die höchsten Schattenweltler, und von Vampiren wurde die Barriere gezogen. Also musste ich dort durchtreten können. Und es klappte tatsächlich. Ich stopfte den Großteil der Kräuter in meinen Beutel und ging zurück zu den Jungs. "So Boys, können wir los?"

       Ich ging wieder vor und drei Stunden später waren wir an der Zentrale angekommen. Zwar pitschenass und vollkommen zerzaust und durchgefroren weil es Nacht geworden war, aber wir waren wieder da. Ich übergab die Kräuter an unseren besten Heiler und er braute selbstsicher das Gegengift.

      Jeremy war mit Ardy und Alex in meinem Zimmer, als ich zu ihnen stieß. Sie schauten mich verwirrt und gleichzeitig auch fordernd an. Anscheinend sollte ich ihnen nun meine Geschichte erzählen. Die wahre Geschichte.
      "Ja ja ist gut, ich weiß, was ihr wollt. Ich werde euch gleich die wahre Geschichte von Storm Lightwood erzählen. Ihr wollt sicher wissen, woher ich wusste, wo die Kräuter stehen und warum uns kein Sharko in den Weg gekommen ist, was? Keine Sorge, ich erzähle es euch. Aber es ist eine etwas längere Geschichte. Also macht es euch gemütlich." Ich setzte mich im Schneidersitz auf mein Bett und stellte sicher, dass auch alle zuhören.
     "Ehmm, kannst du vielleicht eine Kurzfassung erzählen? Ich bin nicht gut im Zuhören.." Ardy grinste mich schief an und ich musste leicht lachen. "Okay. Es wäre sowieso ein wenig kompliziert geworden. Weil ich es selbst nicht weiß, wie sie das alle getan haben. Also, ich fang dann mal an. Zu meiner Geburt war es sehr schwierig. Ich war zur Welt gekommen, als Tochter von einem Vampir und einer Vampirin. Meine Mutter verstarb aber, sofort nach der Geburt. Jedoch starb ich irgendwann auch - wann genau wusste niemand - beziehungsweise mein Körper. Mein Vater - er war der Vater der berühmten Mikaelssons - wollte mich aber nicht so leicht aufgeben, und es kam ihm eigentlich ganz Recht. So hatten meine Eltern es mir erklärt. Also hatte er ein Experiment mit mir durchgeführt, welches mich wieder zum Leben erweckt hatte. Er hatte mir irgendwie ein Engelsherz eingesetzt. Oder er verband mein Herz mit dem eines Engels durch Magie. Also veränderte sich alles. Ich wurde zu einem Racheengel und lebte wieder. Jedoch hieß ich erst ab diesem Zeitpunkt Storm und hatte einen anderen Körper. Denn er setzte dem Körper, den ihr gerade seht, allein durch Magie und Materialien dieses Herz ein. Wie gesagt, es wurde mir so überliefert. Meiner Pflegemutter war wohl das Kind durch Schwäche nach der Geburt sofort verstorben. Ich lebte bei meiner jetzigen Familie und niemand sagte ein Wort. Bis wir merkten, dass ich nicht nur Vampir war. Sie erzählten mir alles und ich erfuhr, dass ich zwei Schwestern und vier Brüder hatte. Was aus denen geworden war, wusste ich auch nicht. Die Gedanken, die in dem Herzen von mir verborgen waren, wurden von meinem Vater versiegelt. Und diese kamen Stück für Stück zurück, weshalb ich auch wusste, wo das Kraut stand. Denn in der Zeit als Nur-Vampir war eine meiner Schwestern krank geworden. Ich ging damals mit den Anderen in den Wald zu genau dieser Stelle und holte es. Anscheinend wusste ich deswegen so genau, wo es lang ging. Und naja, meine Geschwister hiessen Niklaus, Elijah, Rebekka, Fynn, Freya und Kol. Die aus den Legenden. Ich habe jedoch keine Ahnung wo sie sind. Wahrscheinlich in Mystic Falls oder so. Irgendwo untergetaucht. Ich hatte noch nie ein Treffen mit ihnen, aber sie wissen anscheinend, dass es mich gibt. Komische Geschichte, ich weiß. Wie gesagt, ich verstehe es selbst nicht. Aber Fakt ist, dass es die Geschichte ist. Vielleicht würde ich irgendwann mal einen meiner Familie treffen und erfahren, was wirklich Phase war."

      Die Jungs starrten mich vollkommen perplex an. Ich sah förmlich, wie es in ihren Köpfen ratterte. "Dann bist du eine Mikaelsson? So richtig echt? Die von der Legende? O mein Gott wie cool ist das denn." Ardy wusste also, wer das war. Wow. Dass Alex und Jeremy es nicht wussten, hatte ich geahnt. Sie waren in Geschichte noch nie gut gewesen. Aber egal. Wir redeten noch die ganze Nacht durch und schliefen früh irgendwann vollkommen erschöpft ein. Auf jeden Fall ging es mir so.

      Am nächsten Tag wurden wir nicht lang auf die Folter gespannt, sie sagten uns sofort, dass Taddls Körper das Gegengift angenommen hatte und er auf dem Weg der Besserung ist. Es wird aber noch sehr lang dauern, bis er wieder der Alte wird. Ich nahm das Angebot an, ihn sehen zu können, aber nicht allein. Ich wollte jemanden als Unterstützung haben, also schnappte ich mir Jeremys Arm und er führte mich zur Glasscheibe, durch die man in die Quarantänestation schauen konnte. Sofort erblickte ich Taddl, seine Haare mit den türkisen Spitzen stachen aus der Masse heraus. Aber auch nur daran erkannte ich ihn. Er sah fürchterlich aus. Er war mega blass, und dazu sahen seine Arme und Beine echt richtig dünn aus. Ich konnte diesen Anblick nicht lang auf mich wirken lassen, ich rannte raus zu den Anderen und musste erstmal durch atmen. Sehr lange durchatmen.

[ABGESCHLOSSEN] Fight, Love, Apocalypse. ~Taddl FF~Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt