Kapitel 26

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Christin

Ich stehe mit dem Sonnenaufgang auf und trage ein breites Lächeln im Gesicht. Mein Herz schlägt mir bis zum Hals und ich kann es kaum erwarten, Paolos Ehefrau zu werden.
Klar, ich war am Anfang gegen eine so schnelle Hochzeit, aber nun weiß ich, dass es die richtige Entscheidung ist. Ich bereue nichts.
Paolo schläft noch. Vorsichtig steige ich aus dem Bett. Mein Bauch ist riesig und ich habe Angst, dass ich doch nicht ins Brautkleid passen werde. Ich verlasse das Zimmer und gehe nach unten, um schon mal zu frühstücken.
Zu meiner Überraschung ist meine Mutter auch schon wach und trinkt Kaffee.

„Guten Morgen", begrüßt sie mich. „Kannst du auch nicht mehr schlafen?"Ich nicke.
„Ich bin so aufgeregt. In wenigen Stunden werde ich eine Ehefrau sein! Das ist unglaublich."Mama lächelt.
„Als du zur Welt gekommen bist, habe ich deine Zukunft schon für dich vorgeplant. Natürlich war vorgesehen, dass du heiratest und eine Familie gründest. Aber nicht in so jungen Jahren! Ich bin aber dennoch stolz auf dich."Ihre Worte rühren mich.
„Danke."Sie gießt mir Orangensaft ein und reicht mir die Marmelade für mein Brötchen. Hastig schlinge ich es hinunter, denn ich bin viel zu nervös, um etwas genießen zu können. 

Zwei Stunden später ist auch Paolo erwacht und ich kann ihm seine Anspannung ansehen.Vielleicht überlegt er es sich nochmal anders? Das wäre furchtbar und ich will gar nicht daran denken, vor dem Altar stehen gelassen zu werden.
Im Laufe des Vormittags trifft die Friseurin ein, um meine Haare zu einer wunderschönen Frisur zu stecken. Danach helfen meine Mutter und meine Schwester mir dabei, das Brautkleid anzuziehen, was gar nicht so einfach ist, wenn man schwanger ist. Es passt glücklicherweise noch. Behutsam rückt meine Schwester den Schleier zurecht, damit meine Frisur nicht zerstört wird. Erst dann widme ich mich der Schminke.
Nachdem ich schnell noch etwas gegessen habe, geht's auch schon los zum Standesamt. Mein Vater ist unser Chauffeur. Aufgeregt ergreife ich die Hand meiner Mutter.
Paolo und ich haben vereinbart, dass er mich erst am Standesamt im Brautkleid sieht. So wäre es in Italien wohl üblich. Begeistert war er von dieser Idee nicht, aber immerhin durfte er schon die ganze Hochzeit organisieren. Nur meinen Wunsch mit der Hochzeit auf der Insel hat er mit der Begründung meines Zustandes nicht erfüllt.Der Wagen hält und ich weigere mich, auszusteigen. Meine Mutter schiebt mich sanft zur Tür hinaus, die mein Vater mir aufhält. Er ergreift meine Hand und hilft mir auf.
Es ist kalt draußen, aber Paolo wollte ja unbedingt im Dezember heiraten. Der Wind bläst mir den Schleier ins Gesicht, sodass ich die Gäste erst sehe, als ich vor ihnen stehe. Tori, Katha und Jule zittern in ihren lila Kleidern und umarmen mich zur Begrüßung.
„Du siehst toll aus", sagt Katha. „Das Kleid steht dir!"Hinter ihnen sehe ich Paolos riesige Verwandtschaft, die mich alle begrüßen und kennenlernen wollen. Sie sind allesamt wirklich nett, aber ich muss sie abwiegeln, schließlich erfriere ich gleich.
Ich gehe die Treppen hinauf, wo Paolo mich vor dem Eingang erwartet. Erträgt einen wunderschönen Anzug mit lila Krawatte und sieht so sexy darin aus, dass mir gleich warm ums Herz wird. Die Kälte ist vergessen, als ich in seine dunklen Augen sehe und die Freude darin erkenne.
„Dein Anblick raubt mir den Atem", flüstert er mir zu, während wir das Standesamt betreten.Das Besondere an diesem ist, dass es innen aussieht wie eine Kirche und zur doppelten Eheschließung genutzt werden kann. Paolo und ich sind gläubig und möchten uns deshalb auch kirchlich trauen lassen.
Die Gäste verteilen sich in den Bänken und meine Brautjungfern folgen mir zum Altar, wo sie Aufstellung nehmen. Paolo hat seine zwei besten Freunde als Trauzeugen mitgebracht. Aufgeregt lasse ich meinen Blick über die Anwesenden schweifen und stelle erfreut fest, dass alle meiner Bitte nachgekommen sind und was lilanes tragen.
Dann kommt die Standesbeamtin nach vorn und stellt sich vor den Altar. Doch bevor es losgeht, wird Musik eingespielt. Und zwar ,,Just the way you are" von Bruno Mars. Und es kommt mir vor, als hätte der Sänger das Lied nur für uns geschrieben.
Als die letzten Takte ausklingen, kommt La Bello nach vorn gerannt und trägt ein Körbchen im Maul. Darin befinden sich die Ringe. Dankbar reicht Paolo ihm ein Leckerli und der Hund setzt sich neben uns. Ich bin davon so gerührt, dass ich den Text, den die Standesbeamtin spricht, nicht höre.Als sie fertig ist, tritt der Pfarrer vor. Er erteilt uns Gottes Segen und nun können wir uns endlich die Ringe anstecken.
Ich zittere vor Aufregung, aber Paolo geht es nicht anders. Als wir uns küssen, ertönt ganz zart Whitney Houston mit ,,I will always love you".Gänsehaut breitet sich auf meinem ganzen Körper aus. Ich würde am liebsten heulen vor Freude, Glück, Liebe.
Mit wackeligen Beinen gehen wir aus dem Standesamt hinaus. Dort erwartet uns bereits die nächste Überraschung: als die Tür aufgeht und wir alle hinaus getreten sind, fliegen zahlreiche weiße Tauben empor in den blauen Himmel.
„Du bist ein Genie", sage ich zu Paolo und gebe ihm einen Kuss.Nun kommen die Gäste, um zu gratulieren und uns ihre Glückwünsche auszusprechen. Ich vergesse dabei völlig die Kälte um uns herum.
Doch dann wird es Zeit, zum eigentlich Fest überzugehen und wir machen uns auf den Weg zur Location. Da Paolo Überraschungen liebt,bindet er mir die Augen zu.
„Keine Angst, es wird schön", tröstet mich Tori. „Vertraue uns."Als hätte ich eine andere Wahl. Ich werde zu einem Auto geführt und hineingesetzt. Paolo setzt sich neben mich und Jule, Katha und Tori mir gegenüber. Also handelt es sich um eine Limousine. Wie luxuriös.Die Fahrt dauert nicht lang und wir müssen schon wieder aussteigen. Unsicher lasse ich mich von Jule führen, da Paolo schon vorausgeeilt ist.
„Darf ich?", ruft Jule ihm nach. Paolo muss wohl zugestimmt haben, denn sie nimmt mir die Augenbinde ab.
Meine Augen erblicken ein kleines Schloss. Inzwischen hat es zu schneien begonnen und es sieht magisch aus. Überwältigt bleibe ich stehen und sehe zu Paolo, der zufrieden lächelt. Er nimmt meine Hand und wir gehen hinein. Die Gäste werden auch gleich eintreffen. Bevor er jedoch die Tür zum Festsaal öffnet, sieht Paolo mich ernst an.
„Ich weiß, du wolltest an einem warmen Ort heiraten. Und ich habe dir versprochen, jeden deiner Wünsche zu bedenken", sagt er und öffnet die Tür. Tropisches Klima umfängt uns. Ich sehe Palmen, Springbrunnen, die Tische ähneln den von den Cafés in Italien – aber das Beste sind die vielen bunten Schmetterlinge.
Das ist nicht dein Ernst, oder?", frage ich überwältigt.
„Doch natürlich, ich halte meine Versprechen", antwortet mein Ehemann und führt mich hinein. Der Boden ist mit weichem Sand bedeckt, sodass ich meine Schuhe endlich ausziehen kann. Sie drückten schon. Meine Trauzeuginnen taten es mir gleich. Ich höre die klangvollen Rhythmen von Trommelmusik. Ein Kellner serviert uns kühlen Sekt, meiner ist natürlich alkoholfrei. Ich lasse mich auf einen Stuhl sinken und kann mein Glück kaum fassen. Paolo hat alle Hebel in Bewegung gesetzt, um mich glücklich zu machen.
Als die Gäste eintreffen,sind sie ebenso überrascht wie ich. Ich fühle mich wie auf unserer kleinen Insel.
„Ich danke dir", sage ich zu Paolo. „Sowas hätte ich mir nie zu erträumen gewagt."Er gibt mir einen zarten Kuss auf die Stirn.

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