Als ich die Augen wieder öffne, kann ich nicht fassen, wer vor mir steht. "Nick?!" rufe ich. "Was suchst du denn hier?" frage ich hinterher. Ich mache einen Schritt nach hinten zu meinem Vater und bitte ihn, so schnell wie möglich alles von hier verschwinden zu lassen, was irgendwas verraten könnte. "Ich hab dir doch gesagt, dass ich dringend mit dir reden muss. Und hier bin ich." antwortet er überglücklich. Der Typ treibt mich noch in den Wahnsinn. Aber irgendwie ist das auch mega süß, aber trotzdem. Denke ich. "Hättest du nicht vorher anrufen können, dass du auf dem Weg bist?" frage ich ein wenig unfreundlich. "Wieso, hast du etwas zu verheimlichen?" fragt er neugierig. "Nein, natürlich nicht, aber stell dir mal vor, ich wäre immer noch bei meinen Bekannten. Dann würdest du jetzt ganz umsonst stehen." sage ich. "Ja schon, aber bitte, kann ich kurz mit dir reden?" fragt er hartnäckig. Er ist so stur. Wenn ich ihn rein lasse habe ich nicht genug alles zu verstecken. "Reicht das, wenn wir das morgen klären? Ich bin ziemlich müde, weißt schon... Zu wenig Schlaf." sage ich völlig übermüdet. Nick stimmt zu, jedoch unter trauriger Miene. "Tut mir leid..." sage ich ebenfalls traurig, dann verschwindet er. Als er außer Reichweite ist sagt mein Vater: "Der Typ ist echt verknallt in dich. Das sieht selbst ein Blinder mit Krückstock." "Glaubst du echt?" frage ich meinen Vater. Er schaut mich nur fragend an. "Das ist so offensichtlich. Der Junge liegt dir zu Füßen, er würde alles für sich tun. Sein Blick hat die ganze Zeit an der geklebt." erklärt mein Vater. Ich würde gerne abstreiten, aber nach gestern, ist das schon sehr schwierig. "So jetzt aber rein, du musst mir noch alles erklären." fordert mein Vater. Ich erzähle ihm von meinen schwierigen Einlagen, wie müde ich war und dass ich so gehofft habe, nichts falsch zu machen. Und so klingt der Abend aus.
Ich träume von etwas wunderschönem. Ein Leben, ohne mein anderes Ich. Wie schön es doch wäre, sich nicht an die strengen Vorschriften zu halten. Keinem etwas zu verraten, Alkohol erlaubt (wobei ich auf den verzichten kann), ich kann einen echten festen Freund haben. In dem Traum habe ich einen, den Jungen aus Aue. Dem hübschen Jungen aus meiner alten Klasse. Er ist groß, hat schwarze Haare, braune Augen und trägt eine Brille. Sein Gesicht wird von ein paar Pickeln verziert. Ich bin so glücklich wie lange nicht, aber es fühlt sich alles so leer an. Ich höre zwar immer wieder: "Ich liebe dich!" und "Du bist das beste, was mir je passiert ist!" aber in dieser Welt würde ich es vermissen, dass mein Trainer mich anschreit, ich solle mich mehr anstrengen, ich könne das besser. Das Tanzen würde mir fehlen.
Am nächsten Morgen
Ich öffne meine Augen und drehe mich zu meiner Digitaluhr. Es ist 10 Uhr. Langsam schwinge ich ein Bein nach dem Anderen aus dem Bett, lasse meine Füße in die Hausschuhe gleiten und stehe auf. "Good Morning, Love!" begrüßt meine Mutter mich. Auf dem Küchentisch liegen Croissants, Brötchen und die Zeitung vom Sonntag. Neben meinem Teller steht eine Tasse mit Kakao. Meine Mutter kennt mich zu gut. denke ich und nehme Platz. Ich greife nach einem Croissant und stelle meinen Kakao auf meinen Teller, dann tunke ich das Hörnchen in die heiße Schokolade und beiße einmal ab. Dann greife ich zur Zeitung und lese die Titelstory: "Hessin holt Süddeutsche Meisterschaft" entspannt blättere ich weiter. Meine Mutter beobachtet mich. "Was?" frage ich verwirrt. "Nichts, was soll schon sein?" antwortet sie. Mit dem Kopf schüttelnd widme ich mich wieder der Zeitung. Dann sehe ich den Artikel in groß. Ich reiße die Augen weit auf. "Nein!" rufe ich. "Das kann doch nicht sein! Ich bin ruiniert!" Ich renne nach oben und ziehe mein Handy vom Ladekabel. "Jetzt mach!" maule ich. Eine neue Nachricht von Luna: "Ich hab mich um die Zeitungen gekümmert. Und bevor ich es vergesse, Herzlichen Glückwunsch!" Verdutzt starre ich den Bildschirm an. Es dauert eine Weile, bis ich mich wieder gefasst habe. Dann antworte ich: "Erstmal vielen Dank! Tut mir leid, dass du es nicht von mir persönlich erfahren hast, aber ich war so müde, als ich dann nach Hause gekommen bin, dass ich mich sofort ins Bett geworfen habe und geschlafen habe. Aber ich verstehe nicht ganz. Was ist mit der Zeitung? Was hast du getan?" Ich gehe zurück in die Küche. "Entspann dich Fiona. Luna hat vorhin angerufen, sie trägt die Zeitungen in der Umgebung aus und als sie gesehen hat, dass du auf dem Titelblatt bist hat sie die Zeitung nicht an jeden verteilt. Nur an die, die mit Sicherheit nichts mit deinen Klassenkameraden zu tun haben." beruhigt sie mich. Aus meiner strengen Miene wird ein lächeln. "Sie ist die Beste!" rufe ich. "Dankeschön!" tippe ich dann in mein Handy ein und sende die Nachricht an Luna. "Denk dran, der Junge wollte heute wahrscheinlich noch Mal kommen. Räum alles weg!" erinnert mich meine Mutter. "Ja ja! Später" winke ich ab und genieße mein Frühstück. So leicht bringt mich für heute nichts mehr aus der Ruhe, bin ich der festen Meinung. Bis es um 11 Uhr an der Tür klingelt. Meine Mutter geht an die Tür. "Franzi, hier steht der Junge von gestern! ruft sie aus dem Flur. Verdammt! Hätte ich nur auf Mum gehört." schreie ich in Gedanken. "Lass ihn schon mal rein! Ich bin noch im Schlafanzug!" rufe ich. Ich stehe auf, renne die Treppen nach oben, räume Pokale, Medaillen und Urkunden weg und ziehe mich gleichzeitig um. Dann steige ich entspannt die Treppen wieder nach unten. "Sorry, hat ein bisschen länger gedauert, ich habe nichts gefunden." sage ich, ist zwar gelogen, ich habe einen Schrank voll mit Kleidung, aber das ist jetzt unwichtig. Ich winke Nick zu, dass er mir folgen soll. "Das ist mein Zimmer!" sage ich und biete ihm einen Platz auf der Couch. Er schaut sich kurz um, genau wie ich, für den Fall, dass ich etwas vergessen habe und tatsächlich an meiner Wand hängt noch eine Medaille. Ich stehe ruckartig auf, nehme sie von der Wand und lasse sie unter meine Bettdecke verschwinden. "Was war das?" will Nick wissen. "Nichts besonderes..." lüge ich. "Also, was wolltest du mir gestern noch unbedingt sagen?" lenke ich vom Thema ab. "Mich hat das gestern ein wenig beunruhigt. Ich glaube du warst nicht ehrlich zu mir. Und als ich Luna gefragt habe wo du bist hat es eine Ewigkeit gedauert bis sie geantwortet hat." sagt er. "Glaub mir doch, ich war bei meinen Bekannten. Warum sollte ich dich anlügen?" entgegne ich. "Ich weiß nicht warum du mich anlügen solltest, aber ich glaube einfach, dass du mir etwas verschweigst. Und ich würde gerne wissen, was." Äußert Nick. "Ich verschweige dir gar nichts, aber wenn du mir nicht glaubst, ist das nicht mein Problem. Wenn etwas wäre würde ich es dir sagen." behaupte ich. Jedoch ist das total gelogen. Als ob ich einem Jungen, den ich seit einer Woche kenne meine ganze Lebensgeschichte erzählen würde. "Okay, ich glaube dir. Aber bitte erzähl es mir, wenn etwas ist." bittet er mich. Ich nicke. "Es bedeutet mir echt viel, das du mir dein Vertrauen schenkst." betont er. Natürlich hat man in solchen Augenblicken ein schlechtes Gewissen. Die Person denkt, man selbst würde ihm bzw. ihr vertrauen, aber das Gegenteil ist der Fall. Gerade bei Nick nagt das schlechte Gewissen bereits jetzt, weil ich seit gestern aus seinem Mund gehört habe, dass er mich mag, aber ich darf keine Ausnahme machen. Niemals! Nachdem er das ausgesprochen hat, sieht er sich weiter in meinem Zimmer um. Vor einem Bild bleibt er stehen. "Wer ist das alles auf dem Bild?"will Nick wissen. Ich stehe auf und sehe nach auf welches Bild er deutet. Nick steht vor dem Bild mit meinen Freunden aus Aue. "Das sind Michael, Lucas, Maike, Lucy und ich. Sie waren meine besten Freunde in meinem alten Wohnort." beantworte ich. "Du siehst du glücklich aus auf dem Bild." bemerkt Nick. "Ja. Ich vermisse alle schrecklich. Es war wunderschön mit ihnen jeden Tag irgendeinen Mist zu machen, das vermisse ich am Meisten!" sage ich. "Aber hier ist es auch ganz toll. Ich habe schnell Freunde gefunden und ich fühle mich wohl." hänge ich an den Satz. "Das ist schön, dass du dich hier wohl fühlst. Es ist nachvollziehbar, dass du deine Freunde vermisst, aber du hast hier schnell neue gefunden, auf die du dich immer verlassen kannst." entgegnet Nick. Es fällt mir schwer über die Zeit in Aue zu reden. Ich vermisse alles und jeden so sehr, dass ich jedes Mal anfange traurig zu werden. Nur diesmal darf das nicht passieren. "Und was ist mit dir? Bist du schon mal umgezogen oder ähnliches?" frage ich. "Nein. Ich wohne schon immer in diesem Kaff. Gehe schon seit 5 Jahren auf die selbe Schule und in die selbe Klasse." "Als du den ersten Tag in der Schule warst, was hat man dir über unsere Klasse erzählt?" erkundigt Nick sich. "Ich hab ja als erstes Luna getroffen. Sie hat mir erzählt, dass jeder von euch einen an der Waffel hat, was gepasst hat, weil ich auch nicht ganz normal bin. Dann hat sie mir jeden von euch vorgestellt und einen Satz zu jeden von euch gesagt." äußere ich. "Was hat sie zu mir gesagt?" will er wissen. Ich lache auf. "Soll ich ehrlich antworten? frage ich. Er nickt heftig. "Man hat mir gesagt, dass du DER Frauenschwarm bist und in Sachen Beziehung seeeehr wählerisch bist. Aber du sehr nett und hilfsbereit bist." beantworte ich seine Frage. Nick lächelt verlegen. "Hat sich das bestätigt, was man dir gesagt hat?" "Ja! Ich habe gemerkt, dass du total nett und zuvorkommend bist. Und ich glaube auch, dass du nur auf die Richtige gewartet hast." ich will nicht von mir reden, dass wäre mir unangenehm. Mich würde interessieren, wie sein Eindruck von mir war, aber ich weiß nicht, ob ich die Antwort hören will. "Du warst so unbeholfen und schüchtern, als du vor unserem Deutschsaal standest. Du wusstest nicht, was du machen solltest. Das war mega goldig" sagt er dann. Ich lächle kurz. "Sei du mal neu an einer Schule, dann werden wir schon sehen, wie du dich anstellst." kontere ich grinsend. "Das ist auch etwas, was ich toll finde, du bist immer glücklich, wenn ich dich sehe." fährt er fort. "Okay, jetzt ist es gut" sage ich peinlich gerührt. Ich hasse es über mich zu reden, ich nehme Komplimente gerne an, aber nach einer gewissen Zeit reicht es. Für eine kurze Zeit ist es still und wir beobachten einander nur. Als ich wieder bei mir bin, wende ich den Blick von ihm ab. Er fasst sich auch langsam wieder und sieht sich weiter die Bilder an. Neben den Bildern hängt ein XXL Poster von meinem Lieblingssänger. "Wie ich sehe, bist du ein großer Fan von Shawn Mendes?" fragt er. "Wie kommst du denn auf die Idee? frage ich lachend. Als ich die Bilder von Luna und mir auf meinem Tisch liegen sehe, fällt mir ein, dass ich ihr Geschenk noch fertig machen muss."Du, ich muss das Geschenk von Luna noch fertig machen. Wir sehen uns morgen!" verabschiede ich mich und schiebe Nick aus der Tür. "Bis morgen!" winkt er mir hinterher. Ich setze mich sofort an das Geschenk. Ich nehme die Girlande in die Hand und begutachte sie. "Da fehlt die persönliche Note" murmele ich. Ich hole ein wenig Glitzer, ein paar Sticker und einen Stift mit dem ich auf die Rückseite jedes Blattes noch etwas schreiben kann. Im Internet suche ich noch ein paar Sprüche zusammen und dann verziere ich alles. Am Ende, sieht das Produkt gar nicht schlecht aus und ich freue mich Luna morgen ihr Geschenk zu überreichen. Zum Schluss packe ich alles in eine kleine Tüte. Mittlerweile ist es 14 Uhr und meine Mutter ruft mich zum Essen. "Mhmmm lecker, Hähnchenschenkel mit Pommes und Salat.." freue ich mich. "Dein kleiner Freund ist ja mega goldig" stellt meine Mutter fest. "Dein Vater ist im selben Moment gekommen, wie er und ihm war es total unangenehm seine Fragen zu beantworten." erklär meine Mutter und lächelt zu meinem Vater hinüber. "Ich wäre auch so nervös, wenn ich vor den Eltern von einem meiner Klassenkameraden sitzen müsste." sage ich.
Nach dem Essen gehe ich wieder in mein Zimmer und schaue etwas Fern. Da Sonntag ist kommt nicht gescheites. Ich schalte auf den Disney Channel und sehe, dass König der Löwen läuft. Ich freue mich riesig darüber und schaue mit Freuden einen Film, der nie alt wird. Gleichzeitig schreibe ich mit Klassenkameraden und Freunden. Total entspannt lehne ich mich auf meiner Couch zurück und schlafe ein. Durch einen Anruf werde ich geweckt. "Ja?" frage ich mit verschlafener Stimme. "Franzi? Luna hier!" ruft sie mit aufgeweckter Stimme von der anderen Seite des Hörers. "Was los?" frage ich nach wie vor total entspannt. "Ich habe ein Problem. Bitte komm so schnell wie möglich zu mir!" Ich springe auf. "Mama?" rufe ich. "Du musst mich ganz dringend zu Luna fahren!" Ich werfe mir schnell etwas über und stolpere die Treppen nach unten. "Was ist denn so dringend?" fragt sie besorgt. "Ich weiß es nicht. Luna hat sich sehr besorgt angehört." keuche ich unten angekommen. Meine Mutter hält vor Lunas Haus ich steige aus und klingle. Als mir nach 4 Minuten niemand öffnet mache ich mir Sorgen. Ich drücke gegen die Tür, die sich ohne Probleme öffnen lässt. Ich stürme in das Haus und begebe mich in das Zimmer von Luna. Was ich da sehe verschlägt mir die Sprache.
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Double Life (Wird überarbeitet)
Teen FictionFranziska und ihre Eltern sind gerade von einer Großstadt in ein Dorf umgezogen. Für ihre neuen Mitschüler ist sie ein ganz normales Mädchen, aber sie verbirgt ein Geheimnis, wegen dem sie aus ihrem alten Wohnort wegziehen musste. Sie versucht alles...