Am nächsten Morgen
05:45 Uhr. Meine Mutter legt wie jeden Morgen den Lichtschalter um und fordert mich aufzustehen. Gähnend hieve ich meinen Körper aus dem Bett. Ich habe ein klein wenig Bange vor dem Tag heute. Aber zum Glück folgt auf eine A Woche eine B Woche, in der ich an einem Montag nur 4 Stunden habe. Meine Morgen Routine folgt. Ich verabschiede mich von meiner Mutter und laufe an die Bushaltestelle. Ich überlege während ich auf den Bus warte, während ich im Bus sitze, während ich das Schulgebäude betrete, was ich zu Nick sagen könnte. Soll ich mich zuerst bei ihm entschuldigen? Was soll ich nur tun? Frage ich mich. Auf einmal bleibt keine Zeit mehr darüber nachzudenken. Luna steht vor mir und drückt mir die Daumen. Ich bedanke mich kurz und dann stehe ich auch schon vor ihm. Ich schaue ihm in seine braunen Augen. Sie sind besonders, sie strahlen etwas aus, etwas besonderes. "Ich wollte das ganze Wochenende mit dir reden, aber ich habe mich nicht getraut, du warst so sauer." Fängt er an zu erklären. "Ich habe lange nachgedacht. Ich habe gemerkt, dass ich mich falsch verhalten habe. Ich hätte deine Entscheidung akzeptieren müssen, das tut mir leid." "Ich habe mich auch falsch verhalten. Aber ich wollte einfach so gemocht werden, wie ich bin, nicht für das was ich habe. Und ich hätte einfach erwartet, dass du das auch anders aufnimmst. Ich hätte dir schon rechtzeitig bescheid gesagt, aber ich war noch nicht soweit." Erkläre ich und hoffe auf Verständnis. "Ja, es war dumm von mir so zu reagieren, gerade bei dir. Ich hoffe du wirst mir verzeihen können. Irgendwann." Sagt er etwas geknickt. Ich kann ihn nicht so sehen, es macht mich traurig, dass er wegen mir so traurig ist, aber er hat sich nun mal mir gegenüber wie ein Vollidiot verhalten und das kann ich nicht einfach verzeihen. Andererseits, denke ich, vielleicht verhält sich ein verliebter Junge so. Aber was weiß ich darüber schon? Überlege ich. Ich selbst war ja auch noch nie verliebt. Woher soll ich schon wissen, wie man sich da verhält? "Ich würde gerne, aber ich kann nicht. Irgendwo ist das unverzeihlich, was du getan hast. Dann auch noch ohne erdenklichen Grund, zumindest konnte ich mir keinen zusammenreimen." Erkläre ich. "Es gibt für dich vielleicht keinen erdenklichen Grund, aber für mich gibt es den schon." Erklärt er. "Welchen denn? Du hast mich fast geschlagen?!" Pampe ich ihn an. "Franzi, bitte. Ich will mit dir darüber jetzt nicht diskutieren. Ich will dir einfach nur sagen, dass ich mein Verhalten bereue. Ich würde alles tun, nur damit du nicht mehr sauer auf mich bist." Fleht er. "Ich brauche Zeit. Ich kann nicht von heute auf morgen vergessen. Ich kann verzeihen, aber das ist ein bei mir ein längerer Prozess. Aber wenn du von dir aus sagst, dass du dich änderst, versuche ich es. Es wird einige Zeit dauern, bis ich vollständig verzeihen kann, aber ich werde dir die Möglichkeit geben, mir die Seite von dir zu zeigen, die du mir zeigen willst. Ich wünsche mir aber, dass die Seite, die ich bei deinen unkontrollierten Augenblicken kennengelernt habe, verschwindet oder dass ich sie wenigstens nicht mehr sehe." Fordere ich. "Wenn das dein Wusch ist. Aber ich werde das auch nicht versprechen können. Aber für dich versuche ich mein Bestes." Erklärt er. Nicht ganz das was ich erhofft hatte, aber immerhin ein Anfang. Denke ich. Unser Lehrer muss schon eine Weile da gewesen sein, als wir in den Raum stürmen. Wir haben noch nicht mal gemerkt, dass er gekommen ist. Wir machen nichts erwähnenswertes. Auch der restliche Tag ist nicht ganz so wie erhofft. Wir machen nichts neues und sitzen einfach nur da. Der Lehrer spricht und wir hören zu. Keine Kommentare, gar nichts.
"Wir treffen uns heute Abend." Sage ich zu Nick, nach der letzten Stunde unterricht für mich. Er schaut mich verwirrt an. Ich sehe wie sich 3 dicke Fragezeichen in seinem Gesicht breit machen. "Training?" Frage ich. "Oder willst du nicht mehr?" Blinzle ich. "Ach sooo." Ruft er überrascht. "Äh, Ja klar! Also, äh... ja ich komme!" Stottert er immer noch etwas verwirrt. "Okay, bis dann!" Verabschiede ich mich. Ich habe nach der 4. Stunde noch etwa eine viertel Stunde Zeit bis mein Bus kommt. Da ich aber keine Lust habe, auf dem Schulhof dumm rumzustehen, laufe ich bereits an die Haltestelle und setzte mich in das kleine Bushäuschen. Es ist wie jedes Häuschen auf den Dorf. Es gibt nur eine Bank, auf die sich maximal 3 dünne Leute drauf quetschen oder 2 etwas kräftigere Leute quetschen können. In dem kleinen Hüttchen sind alle möglichen Sprüche, Wörter, Liebeserklärungen, etc. mit Edding geschmiert. In den Ecken liegt überall Müll und vergessenes Schul Zeug. Ich stöpsle meine Kopfhörer ein und spiele meine Playlist ab. Ich bin in Gedanken versunken, plötzlich steht ein Mann vor mir. Zunächst bemerke ich ihn gar nicht, bis ich nach oben schaue und es mich vor Schreck beinahe von der kleinen Bank haut. Ich ziehe hektisch die Stöpsel aus den Ohren. "Haben Sie mit mir gesprochen?" Frage ich. Ich habe keine Ahnung, ob der Mann mit mir geredet hat, wenn ja, habe ich das nicht mitbekommen. Er lächelt kurz und antwortet: "Nein Fiona, keine Sorge." Ich reiße die Augen auf. Warum kennt er meinen Namen? Meinen richtigen Namen? Frage ich mich. Ich will ihm die Frage stellen, die mir auf der Zunge liegt, aber dann ist er schon wieder weg. Er ist genauso schnell gegangen, wie er gekommen ist. Ich denke nach, aber kann ihn einfach nicht zuordnen. Ich zucke die Achseln und höre meinen Bus den Berg hinauffahren. Der Bus ist alt, man erkennt sofort, wenn er angetuckert kommt. Ich steige in den Bus. Wie immer montags, bin ich der einzige Fahrgast in dem Bus, also habe ich freie Platzwahl. Ich suche mir einen Platz, setze mich auf den Fensterplatz, lehne meinen Kopf gegen das Fenster und lasse meinen Gedanken freien lauf.
Zuhause erzähle ich meinen Eltern von der merkwürdigen Begegnung mit dem Mann, vor dem Bushäuschen. Meine Eltern tauschen einen kurzen Blick aus, dann fragt mein Vater:" Wie sah der man aus?" Mein Vater sieht besorgt aus. Wenn ich eines von meinem Vater gelernt habe dann ist es, dass ich mir das Aussehen von Menschen merken kann und diese beschreiben kann. "Weiß nicht, mittelgroß, schwarze Haare, gehen bereits ins graue, ich schätze um die 45 Jahre, reltiv schlank und kräfig gebaut, wieso?" Frage auch ich jetzt etwas besorgt. Meine Eltern schauen einander besorgt an. Sie überlegen einen Moment. "So ein verdammter Mist!" Schimpft mein Vater. Jetzt verstehe ich von vorne bis hinten nichts mehr. Meine Eltern gestikulieren und diskutieren wild. "Irgendwann müssen wir sie einweihen." Flüstert meine Mutter meinen Vater zu. "Es ist zu früh, das können wir noch nicht!" Entgegnet mein Vater. So geht das hin und her. Ich frage mich, ob die beiden wissen, dass ich sie hören kann, will in dieser Situation aber nichts sagen. "Es geht nicht anders Claudia, es ist zu ihrem besten." Sagt mein Vater jetzt etwas lauter. "Wenn sie nicht bescheid weiß, kann sie nichts dagegen tun, Florian, sie kann sich schützen, das weißt du!" Entgegnet meine Mutter. "Aber nicht in diesem Zustand." Protestiert mein Vater. Die Diskussion zwischen den beiden wird immer heftiger, bis mein Vater sich geschlagen gibt: "Okay, okay, ist ja gut, dann sage ich es ihr." Ich sehe, dass mein Vater darüber nicht reden will. "Du musst es mit nicht sagen." Sage ich verständnisvoll. "Fiona, du musst mir jetzt zu hören." Fängt mein Vater an und schaut sich um, als ob er erwartet, dass jemand durch das Fenster kommt. Sein Blick wandert zu dem meiner Mutter. Diese nickt im zu und schließt die Vorhänge. Diese Situation fühlt sich eigenartig an, wie in einem Verhör. "Du weißt, der Job als Polizist, ist nicht immer leicht, man macht sich nicht immer Freunde..." Verdammt. Denke ich. "Der Mann, der dich heute angesprochen hat, hat gedroht euch beiden, dir und deiner Mutter, etwas schlimmes anzutun. Ich habe den Mann monatelang beschattet und sollte ihn festnehmen, habe es aber nicht geschafft, ich konnte ihm nie etwas nachweisen und jetzt hat er mich am Haken.", die Augen meines Vaters füllen sich mit Tränen, "Er hat gedroht euch, sobald er kann, etwas anzutun. Ich wollte vermeiden, dich da mit einzubeziehen, aber wenn er direkten Kontakt zu dir aufgenommen hat, muss ich dich einweihen. Ich wollte nicht... ich wollte dich nie in Gefahr bringen, ich will nicht, dass.. ich will nicht, dass sie...", noch bevor er den letzten Satz beenden kann, rutschen ihm die Tränen über das Gesicht," Ich will nicht, dass ich dich bekommen." Wow. Das Entsetzen steht mit ins Gesicht geschrieben. Ganz schön viel Stoff für 20 Minuten. "Wer sind die?" Will ich wissen. "Das ist irrelevant. Du musst dich vor diesem Mann schützen!" Gibt mein Vater zu beachten. Der Schock steht mir noch immer ins Gesicht geschrieben. Ich nehme meinen Vater in den Arm und drücke ihn fest. Ich lasse in für eine ganze Weile nicht mehr los. "Gemeinsam schaffen wir das Papa. Dieser Mann wird es nicht schaffen Familie Behrens aus dem Gleichgewicht zu bringen." Erkläre ich optimistisch. Das erste, was mein Vater mich gelehrt hat, gerade als ich gelernt habe zu laufen, war mich selbst zu verteidigen, für solche Augenblicke. Weiser Mann mein Vater, leider hat er nicht daran gedacht, dass ich auch mal einen Gips tragen könnte, aber das erwähne ich erstmal nicht; ich will ihn nicht unnötig Sorgen machen. Mein Vater drückt mich kurz von seiner Brust, schaut mich an, lächelt und zieht mich wieder zurück an seine Brust. Auch meine Mutter nimmt uns beide jetzt in den Arm. Nachdem ich den Schock verarbeitet und meine Eltern sich wieder beruhigt haben, frage ich meine Mutter, ob sie mich später ins Training fahren kann. "Willst du mich für dumm verkaufen?" Fragt sie und schaut auf meinen Fuß. "Nicht für mich. Ich trainiere, schon vergessen?" Erkläre ich. Meine Mutter entspannt sich ein wenig und nickt. "Natürlich." Flötet sie dann, "Aber nicht selbst tanzen, Süße!" Fügt sie hinzu. Ich winke ab. Natürlich mache ich mir Sorgen, dass in meinem normalen Lebensverlauf etwas passieren könnte, aber mit meiner Familie an der Seite, ist nichts unmöglich. "Aber Fiona, das darfst du niemandem erzählen, keiner Menschenseele." Warnt mein Vater. Ich verziehe mich nach oben und denke noch einmal über das Geschehen nach, bis meine Mutter mich nach unten ruft, damit sie mich ins Training fahren kann. Vor der Halle wartet schon Lukas mit einem breiten grinsen.

DU LIEST GERADE
Double Life (Wird überarbeitet)
Teen FictionFranziska und ihre Eltern sind gerade von einer Großstadt in ein Dorf umgezogen. Für ihre neuen Mitschüler ist sie ein ganz normales Mädchen, aber sie verbirgt ein Geheimnis, wegen dem sie aus ihrem alten Wohnort wegziehen musste. Sie versucht alles...