Chase wachte am anderen Morgen auf. Er hatte sehr schlecht geschlafen. Immer wieder war ihm Eve in seinen Träumen erschienen. Ihr Gesicht, aufgequollen vom Weinen und ihr flehender Blick auf ihn gerichtet.
Verdammt, er hätte nicht so grob zu ihr sein sollen, als sie ihn um Hilfe gebeten hatte. Er hätte ihr zuhören sollen.
Aber er hatte sich über Eve geärgert.
Er wusste selbst, dass er sich direkt nach dem Sex wirklich wie ein Arschloch verhalten hatte. Aber er hatte einfach keinen Sinn darin gesehen, ihr irgendwelche Hoffnung zu machen. Es war einfach so, dass sie niemals zusammen kommen konnten. Sie waren in verschiedenen Gruppen und das würde nie gut gehen. Ganz davon abgesehen, dass Viola das nie erlaubt hätte.
Wenn er jemand anderes gewesen wäre, dann vielleicht, aber Viola hasste ihn einfach zu sehr, als das sie ihm diesen Wunsch erfüllt hätte.
Er stand stöhnend auf und ging unter die Dusche.
Himmel, nicht einmal hier konnte er Eves Gesicht vergessen.
Er seufzte, als er seinen Körper einseifte.
Einen kleinen Moment hätte er alles in den Wind geschlagen. Seine Laufbahn. Seine zugeteilte Frau...einfach alles. Er hatte nur noch Eve gewollt. Doch als er mit ihr darüber reden wollte, hatte sie ihn abgewiesen. Erst war er einfach nur sauer gewesen. Und wütend. Wie konnte sie es wagen, ihn abzuweisen? Doch dann kam ihn ein viel schlimmerer Gedanke. Er hatte nie gelernt zu lieben. Vielleicht war Eve der Ansicht, dass er es nicht wert war, ihn zu lieben. Deswegen hatte er sie immer wieder drangsaliert und gedemütigt. Er wollte einfach eine Reaktion von ihr, ein Schluchzen, eine Träne, damit er sie abends hinter der Mauer hätte trösten können. Er wäre ihr überall gefolgt, nur um sie erneut in seine Arme schließen zu können. Er wollte ihr beweisen, dass er auch anders sein konnte.
Verflucht, sie musste es doch gemerkt haben. Jeden Abend hatte er persönlich auf sie aufgepasst. Jeden einzelnen verdammten Abend. Bis auf die gestrige Nacht. Da war er in seinem Büro gewesen und hatte sich betrunken. Er wollte ihr Gesicht aus seinem Kopf bekommen! Doch die vorherigen Nächte...sie musste es doch bemerkt haben!
Es kam nie eine Reaktion von ihr. Er hatte sie noch so beschimpfen können, sie sah ihn nur traurig und mitleidig an. Er wollte kein Mitleid von ihr! Das hatte er nie gewollt! Von Niemanden. Er brauchte kein Mitleid! Vor allem nicht von Eve! Mitleid von Eve...das wäre das Schlimmste, was sie ihm antun könnte.
Er stieg aus der Dusche und zog sich an.
Wieder ein Tag wie der andere! Manchmal wünschte er sich, er könnte alles ändern! Einfach abhauen! Aber das konnte er nicht! Er war in dem System gefangen und konnte nicht ausbrechen.
Er verließ sein Apartment und ging den Gang hinunter. Jeder, der ihm begegnete, machte sich automatisch klein. Eigentlich war das ein normaler Zustand, aber als sogar die Älteren eher an ihm vorbei schlichen, kam es ihm seltsam vor. Jeder versuchte ihm möglichst nicht ins Gesicht zu schauen und ihm auszuweichen.
Was war hier los?
Vor dem Essenssaal hörte er dann den Tumult.
„Was ist denn hier los?", brüllte er über die Menge hinweg, die sich im Essenssaal versammelt hatte.
Alle zuckten zusammen und senkten ihre Köpfe. Nur Cord schaute ihn an. Sein Blick war seltsam. Eine Mischung aus Angst, Mitleid und Bedauern.
„Sie ist weg!" Seine Stimme war leise.
Chase hob eine Augenbraue.
„Wer ist weg?"
Cord atmete tief ein.
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Wir sind...
Science FictionDie Erde ist zerstört und das, was früher einmal Amerika war, wird nun von drei Geschwistern regiert. Niemand wagt es ihnen zu trotzen. Chase, ein junger Krieger, dessen Zukunft schon vorherbestimmt zu sein scheint, begehrt Eve, eine völlig unpassen...