Die Tribute von Panem - Ungeahnte Erkenntniss

649 15 3
                                    

Stille umgab mich. Ich konnte nur schwache Konturen in der Dunkelheit ausmachen. Mein Blick huschte von der einen Seite des Raumes zur anderen Seite.Ich konnte mich hier nur auf mein Gehör und mein fast unnützes Sehvermögen verlassen. Nur mit einem Jagdmesser  bewaffnet stand ich da.Mein Körper war angespannt und meine Sinne vollends aktiviert. Ich war auf alles gefasst. Plötzlich erkannte ich ein Blitz, ungefähr so breit wie ein normaler Mensch, welcher sich schnell zur anderen Seite bewegte. Ich holte aus und warf das Jagdmesser direkt in den blitz, welcher sogleich zerbröselte. Wieder herrschte Stille. Das Licht ging nicht wie gewohnt an, sondern blieb aus. Ich sah wieder durch den Raum, jederzeit zum Angriff bereit. Plötzlich erschien ein Blitz direkt vor mir. Er bewegte sich in windeseile auf mich zu. Gekonnt wich ich aus und trat mit meinen Fuß in den Blitz. Ich spürte einen künstlichen gegenstoß und auch dieser Blitz zerbröselte.

Das Licht ging an und der Raum erstrahlte in seiner vollen Größe. Es war nur eine kleine Plattform in den Raum, sonst nichts. Ich drehte mich um und sah in den großen Spiegel. Mir war bewusst, dass sich hinter ihm meine Trainerin, ein Friedenswächter sowie der Elektronikleiter standen. Neben dem Spiegel öffnete sich eine Tür. Ich ging zu ihr und betrat den grau-blauen Flur. Die Tür zum Raum hinter mir schloss sich.

Neben mir ging die Tür auf und eine Frau mit braunem Haar und blauen Augen sah mich an. Sie hatte ihr Haar zu einem Zopf nach hinten gebunden, was sie mit ihren 46 Jahren nur 34 erschienen ließ. Kleine Fältchen waren um ihren Augen, den Mund und die Wangen. Sie trug eine grünes Shirt und eine dunkelgrüne Seidenhose. "Sehr gut gemacht, Alexandra. Deine Reflexe sind ausgezeichnet." lobte sie mich. "Danke, Morchella", gab ich zurück,"Was steht heute noch alles an?" Morchella überlegte kurz. "Es wird gleich Essen geben. Danach steht noch das Geruchstraining an und dann kannst du nachhause gehen." Ich nickte. "In Ordnung. Wir sehen uns beim Geruchstraining." Sie nickte und ich ging an ihr vorbei.

Die Flure sahen alle gleich aus. Ich ging zügig zum Aufzug und drückte den roten Knopf, damit er hochkommt.Ich musste mich beeilen. Ich darf nicht zu viel Zeit beim Essen verbringen. Die zeit brauche ich, für das Training. Ungeduldig wartete ich auf den Fahrstuhl, der vor mir hielt. Ich trat ein und drückte auf den Knopf, wo EB für Essensbereich steht. Sofort schloss sich die Tür und der Fahrstuhl fuhr mit einer schnellen Geschwindigkeit nach unten.

Es dauerte nicht lange und die Türen öffneten sich wieder. Ich sah in die große Halle. Lauter Bänke waren darin aufgereiht und ein großes Essensnahme stand an der Seite. Einige andere Kinder sahsen schon an ihren Tischen und aßen. Alle hatten denselben grauen Anzug an, wie ich. Auf ihnen war groß das Wappen von Distrikt 2 Abgebildet. Ich ging zur Essensnahme und schnappte mir ein Tablett. "Hey, Lexi. Na, auch fertig mit Trainieren?" Ich sah neben mich und sah in Violettas grüne Augen, die mich anstrahlten. "Ja. Zumindest mit dem Reflextest." Violetta seufzte auf. "Den Reflextest. Den konnte ich noch nie leiden." Sie strich sich eine ihrer schwarzen Haarsträhne aus dem Gesicht, welche nicht in ihren Zopf gepasst hatte. "Ich finde ihn ganz in Ordnung." sagte ich und nahm mir ein Brot und eine Mandariene. Ich schob mein Tablett weiter und sah zu, wie Violetta sich ein Salat und ebenfalls eine Mandariene holt. "Wenn du meinst." murmelte sie. Sie lächelte mich an und sah auf mein Essen. "Das ist doch nicht alles, oder?" Ich verdrehte die Augen und nahm mir Violetta zu liebe noch eine Wurst. Violetta schien nochimmer skeptisch, beließ es aber nur bei einem vorwurfsvollen Blick.

Wir setzten uns an einen großen, runden Tisch. Violetta stocherte in ihrem Salat rum, wärend ich mich umsah. Die meisten anderen verschwanden nach und nach. "Ich freu mich schon, wenn ich nachhause kann." murmelte sie. Ich wendete meine Aufmerksamkeit zu ihr. "Ich habe dann noch eine Trainingsstunde." entgegnete ich. Mitleidig sah sie mich an. "Du arme." Ich runzelte die Stirn. Wieso soll ich da arm sein? So schlimm ist das Training nicht. In der Arena wird mit sicherheit alles noch anstrengender. Genau darauf wird man ja hier vorbereitet. Ich sah wieder auf mein Brot und biss ab, wärend ich mitbekam, dass ich eigentlich satt war. Violetta schreckte hoch, als der laute Gong ertönte. Sie war einfach zu schreckhaft. Ich schob meinen Teller beiseite. "Ich muss wieder zum Training." sagte ich und stand auf. Violetta stand ebenfalls auf. "Okay. Ich geh nachhause. Bis später, Lexi." Ich nickte und sah ihr hinterher, wie sie den Fahrstuhl nahm. Ich ging auf die andere Seite der Halle, wo ebenfalls ein Fahrstuhl ist.

Nach dem ich mit dem Fahrstuhl nach unten in das Untergeschoss gefahren ist, stand ich in einem Flur mit grünen Wänden. Der Flur war geschwungen und knickte nach einiger Zeit Abrupt ab. Ich folgte dem Weg und trat Morchella. "Alexandra. Hast du gut gegessen?" "Ja. Habe ich." Morchella war schon von Anfang an meine Trainerin. Ihr habe ich viel zu verdanken. "Gut. Geh in den Raum. Du weißt ja, was zu tun ist." sagte sie und ging in den Nebenraum. Ich nickte und öffnete die Tür.

Vor mir war eine Wiesenlandschaft. Alles erblühte in einem zartem grün. Eine monotone Stimme erklang plötzlich. "Test in 3 .... 2 .... 1...."  sofort erlosch das Licht. Völlige Schwärze umgab mich. Schon wieder. Diesmal nur konnte ich nicht einmal kleine Konturen erkennen. Ich hörte ein meschanisches Geräusch. "Alexandra, fasse nach vorne." Morchellas ruhige Stimme drang durch den Raum. Ich tat wie mir befohlen und streckte die Hände aus. Ich spürte eine Schale  und ich tastete mich weiter voran. Etwas weiches und doch festes kam mir unter die Finger. Vorsichtig nahm ich es herraus und führte es an die Nase. Es roch säuerlich. "Ungenießbar." rief ich in die Stille. Sofort legte ich das Etwas weg und der gewohnte meschanische Ton erklang. Plötzlich hörte ich ein zischen. Verwirrt sah ich mich um. Meine Augen brannten auf einmal und ein unangenehmer Geruch stieg mir in die Nase. "Giftgas." sagte ich mit erstickter Stimme. Natürlich ist das nur simuliertes Giftgas. Nichts hiervon ist auch nur ansatzweise tötlich. Unerwartet geht das Licht an.

Ich blinzelte gegen die plötzliche Helligkeit. Die Wiese war verschwunden. Zurück geblieben ist eine kleine Schale aus kristallglas. Vorsichtig näherte ich mich der Schale. Kleine rote Erdbeeren waren darin und schimmerten im Licht, sodass jedem das Wasser im Mund zusammengelaufen wäre. Ich beugte mich etwas über die Beeren und nahm eine in die Hand. Ich führte sie an die Nase und sofort stieg mir ein süßlicher Geruch entgegen. Fast zu süß für Erdbeeren. Ich legte die Beere wieder in die Schale und trat ein paar Schritte zurück. Dies waren keine Erdbeeren. Es waren Totesbeeren in einer Illusionshülle. Diese zeigen dem Betrachter etwas leckeres und genießbares, obwohl es etwas tötliches ist. Man erkennt eine Illusionshülle nur an ihrem überaus süßlichem Geruch. "Ungenießbar." rief ich. Die Erdbeeren flimmerten kurz auf und verblassten. Zurück blieben dunkelblaue runde Beeren.

Zufrieden sah ich auf die Tür, welche sich hinter mir öffnete. Ich trat hinaus und stand direkt vor Morchella. "Gut gemacht, Alexandra", sagte sie stolz," jetzt hast du dir deine Freizeit verdient." Ich blinzelte. "Schon?" fragte ich. Morchella nickte. "Ja. Du bist fertig. Bis morgen." sie drehte sich um und stöckelte davon.

Ich kann noch nicht nachhause. Was werden meine Eltern denken? Die werden doch denken, dass ich frühzeitig gegangen wäre. Nein. Den Ärger konnte ich nicht riskieren. Ich muss mir was einfallen lassen.

Die Tribute von Panem - Ungeahnte ErkenntnissWo Geschichten leben. Entdecke jetzt