Bling Bling Spot

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Zwei Wochen noch, dann müsste ich in die neue Schule gehen. Gut es war nur für ein Jahr, aber es war eine gemischte Schule. Mädchen sind, so weit ich denke, ok. Wenn man mit Tina umgehen konnte, waren andere Mädchen ein Kinderspiel.

Das eigentliche Problem trägt den Namen: Junge oder auch Mann.

Den Einzigen annähernd männlichen Kontakt den ich je hatte war mein Dad. Das zählte nicht.

Grummelnd stand ich auf und richtete das blöde viel zu kurze Kleid, welches Tina mir vor wenigen Minuten gegen den Kopf geworfen hatte. Es war schwarz, doch die Farbe, beziehungsweise der Kontrast, war mir egal. Nicht egal war mir der Anlass.

"Beeil dich du Schnecke! Das ist dein erster Abend an Land und es ist schon elf!", rief mir Tina durch die verschlossene Badezimmertür zu. Ihre Absätze klapperte auf meinem Parkett im Flur während sie etwas ungeduldig hin und her lief.

Vor nicht einmal drei Stunden hatte sie mich aus ihrem Schoppingselbstmordtrip entlassen, ist dann aber vor dreißig Minuten wieder vor meiner Tür aufgetaucht. Komplett gestylt und aufgemotzt. Natürlich hatte ich im Gegensatz zu ihr bereits meinen Schlafanzug angehabt.

Kurz darauf wurde ich samt Kleid und Makeupkoffer ins Bad geschoben. Hier stand ich dann also nun. Vollkommen overdressed und mit einer saftigen Portion Unwohlsein um Magen.

"Mach mal auf!", forderte Tina und ich betätigte das Türschloss.
Der kritische Blick der Blondine taxiert mich einmal von oben bis unten, die Hände hatte sie in die Hüften gestemmt.

Zögernd nickte sie. Wenige Augenblicke später schüttelte sie dann aber den Kopf. Fast schon wollte ich erleichtert aufzeufzen, da ich dachte sie würde mich aus dem Kleid holen. "Zu wenig Makeup!", meckerte sie, drückte mich auf den geschlossenen Klodeckel runter und zückte einen knallroten Lippenstift und Eyeliner.

"Muss das sein?", motzte ich unruhig und beobachtete jeden ihrer Handgriffe. Trotzdem hielt ich still. Tina sah ja auch nicht aus wie ein Clown, sie würde mich schon nicht entstellen. Trotzdem war es einfach ungewohnt. Irgendwie atmete meine Haut nicht mehr.

Bekräftigend nickte meine Freundin und setzte einen hochkonzentrierten Blick auf, während sie den schwarzen Pinsel an meinem Auge ansetzte. "Nicht bewegen", mahnte sie mich und ich hielt wie befohlen still.

Quälend langsam verging die Zeit in der sie mich weiter anpinselte. Doch nach gefühlten Jahren ließ sie von mir ab.

"So jetzt bist du präpariert", trällerte sie, während sie ihre schlanken Arme anspannen als wäre sie ein Bodybuilder,"sowas schaff nur ich!"

Ich konnte mich nicht mehr zurückhalten, diese Posen in dem weißen Pailletten besetzten Ausgehkleid waren einfach zu lachanfallverdächtig um wahr zu sein.

-

"Nicht dein Ernst", spuckte ich die Worte schon fast aus, während ich das hohe blinkende Gebäude betrachtete. Der dröhnende Bass der Clubmusik schallte bis nach draußen. Kreischende Frauenrudel in knappen Sachen stacksten in der Warteschlange zwischen Anzugträgern weiter Richtung Eingang. Vor diesem Wiederum positionierten sich zwei Schränke mit Klemmbrettern.

"Das ist so surreal. Da kommen wir nie rein!", versuchte ich Tina davon abzuhalten in diesem Schuppen zu wollen. Hier stank alles schon so verdächtig nach frisch gedrucktem Geld.

"Wenn du denkst, das du da rein kommst hast du ne verzerrte Wahrnehmung," stellte ich klar und rieb mir über die Arme. Draußen war es um die Uhrzeit ziemlich frisch und alles was über eine Lederjacke, Kleid und Schuhe hinausging durfte ich nicht mitnehmen. Zwar hatte ich mir heimlich Taschenwärmer in die Jacke gestopft, dass musste Tina aber nicht wissen.

"Sieh zu und lerne!", meinte meine Freundin relativ überheblich für ihre Verhältnisse und stolzierte voran, während ich ihr mit skeptischem folgte.

Geradewegs lief sie an der Schlange vorbei und ich riss die Augen auf.
"Yah! Tina! Wir müssen uns anstellen!", versuchte ich ihr zu zuzischen, doch sie ignorierte es gekonnt.

Die Blicke der empörten Wartenden stachen mir persönlich etwas zu sehr in den Rücken, also senkte ich den Blick. Einfach ignorieren ...

Meine Verwirrung stieg aber soziemlich ins unermedsliche, als mir am Eingang vorbei liefen und ich den Bodyguards nur einen verblüfften flüchtigen Blick zuwerfen konnte.

War sie jetzt vollkommen verrückt?

Schnell versuchte ich aufzuholen, aber so ein Profi war ich auch nun wieder nicht auf diesen verflixten Heels.

"Tinaaa", rief ich ihr im gesenkten Tonfall zu, "hast du es dir doch anders überlegt? Meinetwegen können wir auch wieder nach Hause! Ich hab glaub ich Microwellenpopcorn, also naja das ist soziemlich das einzige was ich momentan im Kühls-."

Mein Redefluss wurde relativ unsanft von Tinas Rücken gestoppt und ich rieb mir die angestoßene Nase.

"Nachhause? Vergiss es Liebes!", sie rümpfen die Nase und bog in eine Seitengasse ab, ein diabolisches Grinsen tauchte um ihre Mundwinkel auf, "Der Spaß fängt doch jetzt erst richtig an."

-

Ein Klohfenster! Ein Gottverdammtes Klohfenster!

Vollkommen außer Atem krallte ich meine Hände in das Marmorwaschbecken vor mir. Ich bin noch nie sonderlich Sportlich gewesen, wenn man mal vom Segeln absah. Trotzdem, sowas musste ich noch nie machen.

"Erinner mich daran Sowon einen Kuss dafür zu geben", kiekste Tina während sie ihren rosa Lippenstift nachzog.

Augenblicklich warf ich ihr einen eisigen Blick zu:" Nie wieder."

Tina klappte ihre Pudersose zu und schraubte den Lippenstift rein während sie anfing zu schmollen.

"Nun hab dich mal nicht so! Immerhin sind wir drin. Das alles ist nur dem extra geöffneten Fenster zu verdanken!", versuchte sie sich zu rechtfertigen, doch ich seufzte nur.

"Jaja, schon gut."

Zufrieden nickte sie, verstaute das Makeup in ihrer Clutch und griff daraufhin meine Hand.

"Sehr schön! Dann heißt es jetzt Parteeeey", quietschte sie, ging aber in ein fließendes Lachen über, als sich die Badezimmertür öffnete und eine junge Frau uns erschrocken ansah.

Schnell huschten wir an ihr vorbei und ich bekam, nachdem wir in der Clubhalle ankamen, das erste mal in meinem Leben leichte Platzangst.

Eye Candy OR Soul Food [BTS-Suga] Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt