Kapitel 40

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*Samu*

Was macht dieser Presslufthammer in meinem Kopf, der soll verschwinden. Ich öffne meine Augen, schliesse sie schnell wieder. Es ist viel zu hell, die Sonne dringt bereits durch die zugezogenen Vorhänge. Mit der Hand taste ich die Bettseite neben mir ab, sie ist kalt und leer. Jetzt überwinde ich mich meine Augen doch noch zu öffnen. Wie bin ich gestern eigentlich ins Bett gekommen, dass ich mit meinem Engel in ein Taxi gestiegen bin weiss ich, aber danach habe ich einen kompletten Filmriss. Langsam setze ich mich auf, was meinen Kopf und Magen ordentlich protestieren lässt. Ich bleibe einen Moment sitzen, sodass ich den Eimer, welcher vorsorglich am Bett steht nicht benützen muss.

Völlig fertig tapse ich in die Küche, wo ich Geräusche höre. Ein herrlicher Duft von Kaffee, steigt mir in die Nase. Erst jetzt bemerkt mich Karina kommt auf mich zu und gibt mir sanft einen Kuss „Guten Morgen mein Schatz.“

Das ist viel zu laut, schmerzverzerrt verziehe ich mein Gesicht, bevor ich leise nuschle „Morgen.“ Was ihr ein Lachen entlockt, sie giesst mir eine Tasse frischen Kaffee ein und stellt sie auf den kleinen Tisch. Ich lasse mich auf einen der Stühle sinken. Nippe an dem heissen Getränk, erste jetzt fällt mir das Glas Wasser und die bereitgemachte Schmerztablette daneben auf. Ich sehe meinen Engel dankbar an, nachdem ich die Tasse ausgetrunken habe, nehme ich die Tablette und spüle sie runter. Ich bin froh, dass Karina mich jetzt gerade in Ruhe lässt, jedes Geräusch ist zurzeit schmerzhaft. Nun schleppe ich mich unter die Dusche, die angenehme Wärme weckt meine Lebensgeister wieder.

Frisch geduscht und halbwegs wieder als Mensch fühlend, gehe ich aus dem Bad. Die Tablette beginnt zu wirken, so lassen meine Kopfschmerzen auch nach. Karina finde ich im Wohnzimmer wieder, ich gehe zu ihr und gebe ihr einen Kuss „Ich bin jetzt wieder ansprechbar, danke mein Engel. Ich hoffe, dass ich mich gestern Abend benommen habe. Nach der Taxifahrt habe ich einen Filmriss.“

Sie sieht mich schelmisch an, überlegt sicher ob sie mir einen Bären aufbinden soll oder nicht „Du hast dich anständig benommen, keine Angst mein Schatz. Musstest mich nur im Bett als Anker benutzen, sodass sich dein Bett nicht mehr gedreht hat.“

Wie peinlich, verlegen fahre ich mir durch die Haare „Wirklich? Oh man, ich werde wohl langsam zu alt für diesen Scheiss.“

Meine Worte bringen sie zum Lachen, ich kann nicht anders und lache mit ihr mit. Wir setzen uns auf das Sofa, sehe ihr an das sie wieder am grübeln ist „Was liegt dir auf dem Herzen, da ist noch was?“

Sie sieht mich ertappt an und sagt etwas traurig „Ja du kennst mich einfach zu gut. Ich habe mir Gedanken gemacht, wie es jetzt mit uns weiter geht. Du wirst sicher wieder nach Helsinki zurückgehen in den nächsten Tagen.“

Ja das hatte ich bis jetzt verdrängt, wollte nicht daran denken. Mein Herz wird gerade sehr schwer, bevor ich zu ihr sage „Zwei Tage bleibe ich noch hier, dann gehe ich nach Helsinki. Möchte meine Familie wieder einmal sehen. Nach fünf Tagen, geht es dann weiter nach Stockholm um Songs zu schreiben, für etwa 10 Tage. Dann habe ich eine Woche frei und nachher geht es ab ins Studio mit den Jungs. Hast du auch noch Ferien, würde dich gerne zwischendurch wieder sehen. Am liebsten würde ich dich überall hin mitnehmen mein Engel.“

Sie überlegt kurz, nimmt einen Kalender hervor und sagt dann „Ich habe hier drei Wochen Ferien, die erste verbringe ich bei meinen Eltern. Das wäre wenn du aus Stockholm wieder zurückkommst. Die Beiden anderen Wochen sind noch nicht verplant, aber dann bist du im Tonstudio.“

Ich sehe mir kurz die Daten an und mir kommt eine Idee „An diesen drei Tagen könnte ich zu dir und deinen Eltern kommen, was hältst du davon? Und wenn du willst, könnten wir dann gemeinsam zu mir nach Helsinki fliegen. Ich weiss ich bin dann öfters im Studio, aber so könnten wir uns wenigsten ein wenig sehen. Oder du kommst einfach ein paar Mal mit. Es gelingt mir sicher ein wenig Zeit für uns frei zu schaufeln. Was meinst du zu meinem Vorschlag?“

Ein Lächeln ziert ihre Lippen „Das klingt gut, dann werden wir uns in ungefähr zwei Wochen wieder sehen. So kannst du meine Eltern und meine alte Heimat kennen lernen. Aber zwei Wochen sind lange ohne dich, ich werde dich sehr vermissen.“

„Das werde ich dich auch“, mit diesen Worten ziehe ich sie eng zu mir. Den Rest des Tages verbringen wir faul, redend und kuschelnd auf dem Sofa. In den nächsten uns noch verbleibenden Tagen, versuche ich ihre Nähe regelrecht vorzuholen und zu speichern. Wir kommen kaum aus der Wohnung raus, geniessen die Zeit, welche wir noch gemeinsam haben. Ich versuche mir alles an ihr genau einzuprägen, ihren verführerischen Duft, diese kleinen Fältchen, welche sie um die Augen bekommt wenn sie lacht, einfach alles.

Heute ist leider der Tag des Abschieds gekommen, am Mittag geht mein Flug. Wiederwillig packe ich meine Kleider in den Koffer, stelle ihn in den Flur. Die Stimmung ist sehr bedrückt, keiner von uns redet viel. Auf der Fahrt zum Flughafen, geht jeder seinen Gedanken nach. Wir zögern den Abschied bist zum letzten Augenblick hinaus, mein Flug wird aufgerufen, jetzt wird es Zeit zu gehen. Vereinzelte Tränen lösen sich aus den Augen von meinem Engel. Ich wische sie mit meinem Daumen weg, küsse sie ein letztes Mal auf ihre wundervollen Lippen.

Jetzt sitze ich hier im Flugzeug, was mich von meinem Engel immer mehr entfernt. Ich habe versucht stark zu sein, aber jetzt laufen auch bei mir die Tränen. Na toll, ich hätte nie gedacht, dass ich wegen einer Frau mal flennend im Flugzeug sitzen werde. Aber solche Gefühle wie ich für sie empfinde, hatte ich auch noch nie. Mit meinem Ärmel wische ich mir über die Augen, um die verräterischen Spuren zu beseitigen. Ich versuche mich darauf zu konzentrieren, mich auf meine Familie zu Hause zu freuen.

Ich bin richtig erledigt, als ich mein Haus betrete. Es ist gross und leer, meine Gedanken schweifen wieder zu Karina ab. Wie wäre es wohl, wenn sie auch hier wohnen würde. Erst jetzt fällt mir auf, dass ich ihr noch nicht geschrieben habe, das hole ich gleich nach. Jetzt mit ihr telefonieren werde ich nicht, denn ich könnte meine Tränen sicher nicht zurückhalten, wenn ich ihre Stimme höre. Um mich abzulenken, packe ich meinen Koffer aus, schmeisse die Kleider direkt in die Waschmaschine.

Aber was ist denn das, da kommt ein weiches Päckchen zum Vorschein, was ich nicht eingepackt habe. Es hängt ein Zettelchen dran, darauf steht in geschwungener Schrift <<Moi mein Schatz. Wenn du das liest, bist du sicher gut angekommen. Ich dachte mir, das du etwas Kleines von mir bei dir hast, gebe ich dir das hier mit. Es sind sehr schöne Erinnerungen damit verbunden. Ich liebe dich. Tausend Küsse . Dein Engel>>

Neugierig packe ich es aus, meine Augen weiten sich ein wenig, als ich sehe was ich in den Händen halte. Es ist ihr Negligé, welches sie an dem Abend, bei unserem ersten Mal getragen hat. Mein Grinsen wird breiter, ich vergrabe meine Nase in diesem seidigen Stoff. Mhhmm, es riecht sogar noch nach ihr. Wie ein Honigkuchenpferd lächelnd setze ich mich mit dem Geschenk auf das Sofa. Meine Gedanken schweifen zu diesem schönen Abend, mein Engel hat es wieder einmal geschafft, mich aufzuheitern.

You're an angel not asking who I'amWo Geschichten leben. Entdecke jetzt