Kapitel 22 - Yusuf, die Rettung vor dem Heim

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"Constantin hatte einen Unfall und hat versucht sich das Leben zu nehmen!" Wiederholt Yusuf, nachdem keiner von uns darauf reagiert.

Die Meisten starren in die Luft, als wäre dort gerade etwas Außergewöhnliches zu beobachten.

„Interessiert sich denn niemand dafür, was mit Constantin los ist? Nicht einmal du, Julie?" Ich merke, dass etwas Wütendes in seiner Stimme liegt.

„Warum sollte ich mich für ihn interessieren? Ich habe ihm selber wohl schon deutlich genug gesagt, dass ich ihn nie wieder sehen will und dass ich ihn hasse. Du bist selbst dabei gewesen, Yusuf!"

„Okay, ich weiß, dass du ihn hasst aber trotzdem... du hast immerhin ein paar Monate bei ihm gelebt. Lässt es dich wirklich komplett kalt?" Yusuf schaut mir tief in die Augen aber ich zucke nur mit den Schultern.

„Okay, ich gebe es auf... Wir werden nachher zu ihm ins Krankenhaus fahren."

„Wir werden was...?" Schockiert starre ich ihn an, als wenn er sie nicht mehr alle hätte.

„Du hast mich schon richtig verstanden, Julie!" Mit diesen Worten verlässt er den Raum.

Lou, die nun aufgewacht ist, bewegt sich unruhig in meinen Armen. Leise singe ich ihr etwas vor, damit sie wieder einschläft.

Nach ein paar Minuten schläft sie tatsächlich ein. Ich hebe meinen Kopf und schaue zufrieden in die Runde. Erst jetzt merke ich, dass ich von den Anderen beobachtet werde.

„Ist irgendetwas?" Frage ich etwas verunsichert.

„Kannst du noch mal singen aber diesmal etwas lauter?"

„Ähm, okay..."

Ich fange an die ersten Zeilen meines Lieblingsliedes zu singen.

Während des ganzen Liedes sind meine Augen geschlossen und ich öffne sie erst wieder, als ich aufhöre zu singen.

„Wow, du singst wunderschön. Hätte gar nicht gedacht, dass meine kleine Julie so ein Gesangstalent ist." Adrian zwinkert mir lächelnd zu.

„Ähm... na ja also... Dankeschön." Mir ist es etwas unangenehm, weil fast alle Jungs aus dem Haus hier oben im Aufenthaltsraum versammelt sind.

Kurze Zeit später gibt es Mittagessen und ich merke immer wieder, wie mich der Eine oder Andere schmunzelnd beobachtet. Nachdem ich fertig bin, möchte ich schleunigst in mein Zimmer fahren.

„Julie, du kannst hier bleiben. Wir fahren gleich los ins Krankenhaus."

Seufzend fahre ich trotzdem in mein Zimmer, um Lou und mir etwas Anderes anzuziehen.

Gegen Nachmittag fahren wir nun los. Ich habe ein ungutes Gefühl bei der ganzen Sache.

„Warum willst du Lou und mich unbedingt zu ihm bringen?"

„Warum hat er versucht sich umzubringen oder besser gesagt, wegen wem hat er versucht sich umzubringen?" Statt mir zu antworten, kontert Yusuf mit einer Gegenfrage.

„Was weiß ich denn? Ist mir ehrlich gesagt auch egal. Ihn hat es damals auch nicht interessiert, warum ich versucht habe mich umzubringen."

„Es hat ihn sehr wohl interessiert und es hat ihm ganz schön zugesetzt. Er hatte damals nicht umsonst einen Nervenzusammenbruch. Weißt du, er hat viel mit mir geschrieben und geredet. Ich weiß, er hat vieles über deinen Kopf hin weg entschieden und vieles gegen den Willen gemacht aber im Endeffekt wollte er tatsächlich immer nur dein Bestes. Natürlich hat er viel Mist gebaut und dich oftmals eingeengt oder einfach seinen Willen durchgesetzt aber ich denke, er ist jemand, der sich einfach nur nach Liebe und Aufmerksamkeit sehnt."

Mein neues Leben mit einem fremden Mann - #Wattbooks2017 #WPOlymphicsWo Geschichten leben. Entdecke jetzt