*Karina*
Die nächsten Tage vergehen schleichend langsam. Fast jeden Abend telefoniere oder skype ich mit Samu. Er vermisst mich so sehr, wie ich ihn. Ab und an werde ich wieder erkannt, aber es hält sich alles in Grenzen, worüber ich sehr froh bin. Bis jetzt habe ich noch keine negativen Erfahrungen gemacht, sie waren sehr nett und höflich. Ich weiss sie können auch ganz anders, was ich nicht hoffe. Nach schier endlosen Tagen ist es endlich so weit, heute fliege ich in die Schweiz zu meinen Eltern.
Es ist ein kurzer Flug, kaum ist man drin muss man schon wieder austeigen. Schnell meinen Koffer vom Gepäckband gehievt, dann laufe ich Richtung Ausgang. Da kann ich meine Eltern bereits entdecken. Meine Mutter schliesst mich als erstes in ihre Arme „Hallo Karina. Wie schön, dass du endlich hier bist.“
Dann ist mein Vater an der Reihe „Hallo mein Mädchen.“
Nach dieser herzlichen Begrüssung, von meinem Vater wie immer kurz und bündig, gehen wir zum Auto. Ich mag es nicht wenn er mich Mädchen nennt, da fühle ich mich immer wie ein vier Jähriges Kind mit Zöpfen links und rechts. Aber diesen Kosenamen für mich, wird er sicher nicht mehr ablegen. Also füge ich mich meinem Schicksal. Auf der etwa einstündigen Fahrt nach Hause, wird viel geplaudert. Meine Mutter will natürlich ganz genau wissen, wie ich Samu kennen gelernt habe. Und was schon alles so passiert ist.
Zwischendurch ist sie leicht geschockt, hat sich aber wieder gefangen. Jetzt mischt sich auch mein Vater ein „Eins kann ich dir sagen, wenn ich diesen Mikko zwischen die Finger bekomme, dann Gnade ihm Gott. Keiner geht so mit meinem Mädchen um. Und deinen Rockstar kann ich ja in ein paar Tagen genauer unter die Lupe nehmen.“
Das klingt ganz nach meinem Vater. Er meint es nur gut und Samu weiss sich sicher gegen ihn zu wehren. In der Hinsicht sind doch alle Väter gleich, sie haben immer das Gefühl auf ihre Töchter aufpassen zu müssen. Ich sage zu ihm „Ja mach du das. Aber er hat auch einen Namen, den kennst du sicher. Also bitte benutze ihn auch, denn ich liebe ihn und nicht den Rockstar.“
Er fährt nur schmunzelnd weiter, mehr sagt er nicht dazu. Es ist schon komisch wieder an meinen alten Wohnort zu sein. Wir sind ein wenig ausserhalb der Stadt St.Gallen. Hier kommen alte Kindheitserinnerungen wieder hoch. Die nächsten vier Tage unternehme ich viel mit meinen Eltern, so gehen sie schnell vorbei. Heute kommt endlich Samu, ich werde ihm vom Flughafen abholen. Ohne meine Eltern, da ich ihm ein wenig Zeit geben möchte anzukommen, ohne das er direkt ins Kreuzverhör meines Vaters gerät.
Der eben Genannte drück mir die Autoschlüssel, seines geliebten Audis in die Hand „Hier nimm meinen Wagen. Aber nur du fährst damit, von ihm habe ich genug im Internet gesehen, wie er fährt. Und ein BMW-Fahrer kommt mir nicht ans Steuer.“
Ich muss lachen, das ist wieder einmal typisch Mann. Nichts geht über sein Auto, Samu ist da genau gleich. Leicht aufgeregt meinen Schatz bald wieder zu sehen, fahre ich die Stunde zum Flughafen. Ich bin viel zu früh hier, so streife ich ein wenig durch die Läden und beobachte das rege Treiben. Im Empfangsbereich schaue ich durch die Glasscheibe in der Hoffnung Samu zu entdecken. Er müsste bald auftauchen, seine Maschine ist vor einigen Minuten gelandet.
Mein Herz macht einen Freudenhüpfer, als ich ihn sehe. Er ist der Erste am Gepäckband, sieht sehr ungeduldig aus. Jetzt schaut er sich um und sieht mich auch, schnellen Schrittes ist er bei mir und legt seine Hand auf die Glasscheibe. Ich tue es ihm gleich, solche Szenen fand ich immer so kitschig in den Filmen, aber wenn man es selber macht ist das Gefühl dabei sehr schön. Es ist sicher nur Einbildung, aber ich meine seine Nähe und Wärme durch die Scheibe zu spüren. Samu löst sich erst wieder, als das Gepäckband anfängt zu laufen. Er holt schnell seine Tasche und ich gehe zum Ausgang.
In mir kribbelt alles, endlich kommt er durch die Tür und direkt auf mich zu. Wir schliessen uns in die Arme und küssen uns leidenschaftlich. Es braucht in dieser Situation keine Worte, so eng umschlungen stehen wir Minuten lang da, bis wir uns händchenhaltend, auf den Weg zum Auto machen. Davor bleibt Samu kurz stehen, sieht mich mit einem Hundeblick an „Schöner Wagen. Der gehört sicher deinem Dad? Darf ich vielleicht fahren.“
Ich schüttle den Kopf und wiederhole wortwörtlich, was mein Vater gesagt hat. Daraufhin zieht mein Schatz eine Schnute, sagt dann aber lachend „Ist notiert. Mit deinem Dad nicht über Autos diskutieren. Da würden wir sicher nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen.“
Froh dass er es mit Humor nimmt, steige ich auf der Fahrerseite ein, nachdem wir seine Tasche im Kofferraum verstaut haben. Auf dem Weg muss ich mich sehr konzentrieren, nicht immer zu ihm rüber zu schauen. Seine Hand ruht auf meinem Oberschenkel, was die Situation nicht leichter macht. Er scheint mir sehr nervös zu sein, woraufhin ich meine Hand auf seine lege „Hey mein Schatz. So nervös? Meine Eltern beissen nicht und mein Vater schaut grimmiger drein als er in Wirklichkeit ist. Wenn er dich erst einmal in sein Herz geschlossen hat, was er sicher tun wird, wirst du ihn kaum mehr los.“
Er lächelt mich dankbar an, kaum vorzustellen dass dieser Mann vor Tausenden Menschen auftritt, aber nervös wird, wenn er meine Eltern kennen lernt. Ich weiss das ist kein Vergleich dazu, aber diese Vorstellung bringt mich zum Grinsen. Ich parke das Auto in der Tiefgarage. Nachdem Samu die Tasche aus dem Kofferraum genommen hat, gehen wir händchenhaltend das Treppenhaus hoch. Wie soll es auch anders sein, da kommt uns eine Nachbarin entgegen. Ich grüsse sie freundlich „Guten Tag Frau Zengerl. Freut mich sie wieder einmal zu sehen.“
Auch Samu grüsst sie höfflich, ich muss mir ein Lachen verkneifen bei ihren Gesichtsentgleisungen. Ja sie war definitiv diejenigen mit dem Klatschheftchen, wie ich es vermutet habe. Vor der Wohnungstür atmet Samu ein letztes Mal tief durch, bevor ich anklopfe und wir eintreten.
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You're an angel not asking who I'am
FanfictionSamu erblickt wundervolle grünbraune Augen, wird es das Schicksal gut mit ihm meinen und sie wieder sehen...