Kapitel 52

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*Samu*

Mit guter Laune fahre ich Richtung Studio weiter, nachdem ich Karina rausgelassen habe. Ich bin froh, dass sie nicht alleine sein wird und etwas mit meiner Schwester unternimmt. Die Beiden verstehen sich sicher gut, da bin ich mir sicher, sonst würde Sanna gar nicht erst etwas mit Karina machen. Meine Ex-Freundinnen mochte sie allesamt nicht besonders, aber ich rechne es ihr hoch an, dass sie trotzdem versucht hat sie zu akzeptieren. Bei unserem Besuch gestern, habe ich sofort gemerkt, wie sie ganz anders und aufgeschlossen auf meinen Engel reagierte.

Jetzt freue ich mich sehr die Jungs wieder zu sehen und mit ihnen Musik zu machen. Wie meistens bin ich der Letzte welcher eintrifft, aber ich bin pünktlich. Zuerst geht das grosse Begrüssen los, man könnte meinen wir haben uns ein Jahr lang nicht gesehen. In mir kribbelt es vor lauter Vorfreude, endlich wieder neue Songs aufzunehmen. Jeder nimmt seinen gewohnten Platz ein, herrlich zu hören, wie die ersten Töne erklingen von etwas komplett Neuem. Seine Zeilen und Melodien mit der Band zu hören, ist jedes Mal wieder wundervoll und manchmal auch überraschend.

Der Morgen verläuft gut, wir kommen zügig voran. Gut gelaunt machen wir uns über die bestellten Pizzas her. Dann geht es gleich wieder weiter, meine Laune sinkt aber drastisch, als ich durch die dicke Glasscheibe Mikko entdecke. Grimmig wie immer schaut er uns zu, bis ich sehe wie er am Telefon spricht und dann nach draussen geht. Jetzt reicht es mir, ich sage zu den Jungs „Sorry ich kann jetzt nicht weiter machen. Mikko besitzt nicht einmal den Anstand uns richtig zu begrüssen und verzieht sich schon wieder. Mit ihm habe ich sowieso noch eine Rechnung offen, ich will ihn jetzt endlich zur Rede stellen, sonst kann ich mich hier nicht mehr auf die Musik konzentrieren.“

Einstimmiges Nicken nehme ich um mich war, also folge ich alleine Mikko nach draussen. Ich sehe mich um, kann ihn nicht entdecken, aber hören kann ich ihn. Der Stimme folgend, laufe ich bis ich um  eine Hausecke blicken kann und bin erst einmal überrascht. Schnell verstecke ich mich hinter der Hauswand, höre wie Mikko mit meiner Ex Vivi spricht. Was macht sie den hier und wieso redet sie mit unserem Manager. Mikko sagt zu ihr „Vergiss es Vivi, die Beiden bekomme ich nicht auseinander. Ich habe alles probiert, sie gehören zusammen, lass sie einfach.“

Was hat da Mikko eben gesagt, mein Puls beschleunigt sich. Ich lausche gespannt, was jetzt von ihr kommt, sie schreit schon fast „Dein Ernst Mikko!!! Ich habe dich nicht bezahlt, dass du nur Däumchen drehst. Das wird doch wohl möglich sein die Beiden auseinander zu bringen. Wenn er erst einmal von ihr getrennt ist, kommt er sicher wieder zurück zu mir. Also stelle endlich dein Gehirn ein und überlege dir etwas. Oder soll ich Samu erzählen, dass ich ihn damals mit dir betrogen habe, dann bist du deinen Job sicher los.“

Ich höre nur noch nebenbei wie Mikko sagt „Das wirst du ihm nicht erzählen, du hast es mir versprochen.“

Wie ferngesteuert gehe ich zurück zu den Jungs ins Studio. Mikko war einmal mein Freund, mir dreht sich fast der Magen um bei der Vorstellung, dass er mit ihr gevögelt hat, während wir noch zusammen waren. Danach hat er ganz normal und ohne schlechtes Gewissen, so wie es aussieht, einfach weiter gemacht als wäre nichts passiert. Ich betrete den Raum, durchdringende Blicke liegen auf mir. Riku kommt auf mich zu „Alles in Ordnung Samu? Du siehst so blass aus, geht es dir gut?“

Mehr als ein Kopfschütteln bringe ich gerade nicht zustande. Ich muss mich erst setzen, atme ein paar Mal tief durch, bevor ich den Jungs erzähle, was ich eben gehört habe. Sie sind alle schockiert, wir besprechen uns, wie wir mit der Sache umgehen sollen. Schnell werden wir uns einig, gerade noch rechtzeitig, da Mikko den Raum betritt. Sein Lächeln was er aufgesetzt hat, vergeht ihm schnell. Er sieht jeden von uns an, merkt dass etwas nicht stimmt.

Ich stehe auf und gehe auf ihn zu, bis ich kurz vor ihm stehen bleibe. Meine Hände balle ich zu Fäusten, es fällt mir sehr schwer nicht auf ihn loszugehen. So ruhig wie möglich sage ich zu ihm „Wie kannst du mir das antun, ich dacht wir sind Freunde. Hinter meinem Rücken hast du damals mit Vivi gevögelt. Rede dich nicht raus, ich habe euer Gespräch vorhin mitangehört. Um der alten Zeiten willen rate ich dir jetzt eins. Kündige selber, das macht sich besser im Lebenslauf, als wenn wir dich jetzt rauswerfen. Wenn du das nicht tust, gehe ich vor Gericht und dann wirst du nie wieder Fuss in dieser Branche fassen können. Und trete mir nie wieder unter die Augen, sonst werde ich mich vergessen. Jetzt mach das du hier weg kommst, ich kann mich nicht mehr lange zurückhalten.“

Bei jedem meiner Worte scheint er kleiner zu werden, während mein Puls immer weiter steigt. Leise murmelt er „Hast meine Kündigung morgen auf dem Schreibtisch.“, bevor er geknickt den Raum verlässt. Es herrscht eine unnatürliche Stille, man könnte eine Stecknadel fallen hören. Ich habe das Gefühl die anderen können meinen beschleunigten Herzschlag hören. Endlich hat das alles ein Ende, langsam beruhige ich mich wieder. Die Jungs kommen zu mir und klopfen mir aufmunternd auf die Schulter. Wir reden noch eine Weile, wie es jetzt weiter geht, aber sie scheinen alle ebenfalls erleichtert zu sein, dass Mikko endlich weg ist.

An weitermachen ist jetzt aber nicht mehr zu denken. So entscheiden wir uns, morgen wieder ins Studio zu kommen. Erleichtert und gleichzeitig völlig fertig fahre ich nach Hause. Mein Engel ist noch nicht da, ich denke sie wird bald kommen. Sie ist jetzt alles was ich brauche, ich möchte ihre Nähe spüren. Bei ihr kann ich mich dann hoffentlich entspannen, meine ganzer Körper fühlt sich so unter Druck und ist angespannt.

You're an angel not asking who I'amWo Geschichten leben. Entdecke jetzt