Mit Überzeugungskraft

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Ein paar Tage waren seitdem vergangen. Ich konnte und wollte immer noch nicht akzeptieren, was in diesem Jahr, aber vor allem in den letzten Tagen alles passiert war. Es war der reinste Horror. Und der war noch nicht einmal vorbei, da mein – ach was rede ich da? – Voldemort wieder auf freiem Fuße war und ganz bestimmt jeden umbrachte, der ihm in den Weg kam. Das hatte ich ja selbst mit ansehen müssen. Sei es sein Sohn oder sein Enkelkind. Bei Merlins Barte, wie das schon klang?

„Hey? Hast du mir überhaupt zugehört?", riss mich plötzlich eine sanfte Stimme aus meinen Gedanken. Ich blickte verwirrt auf und sah in die rehbraunen Augen von James.
Er schmunzelte und lies sich neben mich auf das Fensterbrett im Gemeinschaftsraum sinken. „Darf ich wetten? Du warst mal wieder in Gedanken?" „Du hast es erfasst.", meinte ich und wandte meinen Blick wieder zum Fenster, hinter dem der sonnenbeschienen See lag. „Ich weiß, ich kann mir nicht im Geringsten vorstellen, was gerade in dir vorgehen muss, aber mit irgendjemandem musst du reden." Er seufzte und drehte mich an der Schulter wieder zu sich herum. Hielt mich fest, damit ich mich nicht erneut wegdrehen konnte. Verdammt, aber auch. „Du kannst nicht immer alles mit dir selbst ausmachen." Er hob mein Kinn und sah mir intensiv in die Augen – und grinste. „Entweder, du redest jetzt mit mir Klartext, oder ich muss zu anderen Mitteln greifen." Und die wären?", fragte ich genervt und drehte mich wieder zum Fenster. Ich hatte absolut keine Lust auf Konversation. Vor allem nicht mit James oder Sirius, die mich die ganze Zeit anstarrten und fragten, was los sei, als ob sie das nicht selbst wüssten.

Ich hörte wie sich James vom Fensterbrett gleiten lies und als ich schon dachte, dass er mich nun endlich in Ruhe lassen würde, wurde ich plötzlich von hinten gepackt und lag im nächsten Moment über James Schulter.
„Hey! Was soll denn das?", rief ich empört und strampelte wie wild mit meinen Beinen und ruderte mit den Armen, in der Hoffnung, er würde mich runter lassen. Aber Pustekuchen. Er stürmte zum Portrait der fetten Dame und beschleunigte sein Tempo die Treppen herunter sogar. Was ich tat interessierte ihn offenbar nicht. Na super, und was mach ich jetzt?

Wenige Minuten später wurde vor unserer Nase das Schlossportal geöffnet und James stürmte weiter nach draußen. Ich blickte zurück und sah Sirius und Remus grinsend hinter uns herrennen. Na warte, die konnten was erleben. Ich wollte doch einfach nur, dass sie mich in Ruhe ließen. Ich wollte meine Trauer selbst verarbeiten, das war ja wohl nicht zu viel verlangt, oder?

Dumpfe Schritte ertönten als James über das Gras stolperte und dann hörte ich nicht mehr dumpfe Geräusche sondern knarzende. Nein, er wird doch wohl nicht – oder doch?
Auf einmal stoppte er, warf mich über die Schulter und dann schwebte ich für Sekunden in der Luft und kam im gleichen Moment mit einem Platsch im Wasser des Sees wieder auf.

Ich schnappte nach Luft und zischte: „Das werdet ihr bereuen, ihr Vollpfosten.", musste aber dummerweise grinsen. Also irgendwie hatte es ja was. Ich meine, ich musste keine blöden Gedanken mehr verfolgen und die Jungs hatten Spaß. „Kann mir wenigstens jemand von euch raushelfen?", fragte ich nun mit nassgetieften Sachen und schwamm an den Steg.
Remus kam auf mich zu und reichte mir seine Hand. Ich ergriff diese und er zog mich schwungvoll aus dem Wasser. Suchend blickte ich mich um. „Wo sind die anderen zwei Idioten?" „Da drüber", er deutete auf die Weide, unter der wir immer lagen. Dort, im Halbschatten, entdeckte ich die zwei schwarzhaarigen Rumtreiber, die faul in der Sonne lagen. Ich grinste. „Ich glaube, die brauchen mal eine Abreibung. Was sagst du?" Ich sah meinen Bruder mit funkelnden Augen an. „Da stimme ich dir vollkommen zu, Schwesterchen." Ich seufzte. So hatte er mich lange nicht mehr genannt.

„Na komm. Worauf wartest du?", spornte ich ihn an, während ich im Laufen mein T-Shirt über meinen Kopf zog und dann auch noch die Hose. „Warte. Was machst du?", keuchte Remus und rannte mir hinterher. „Das wirst du gleich sehen."
Ich schlich leise auf die beiden zu und nahm schon mal meine nassen Sachen in Anschlag. „Du nimmst meine Jeans und drückst die über Sirius Kopf aus", flüsterte ich meinem Bruder zu und drückte ihm meine Hose in die Hand. „und ich nehm mein Oberteil und mach das gleiche bei James." „Schwesterchen. Du bist einfach nur genial."
Ich grinste und schlich von hinten an James Kopf heran. Über ihm nahm ich mein Oberteil zusammen und wrang es über seinem Kopf aus. Als der erste Tropfen James Gesicht berührte, fuhr er augenblicklich hoch und machte Gesellschaft mit dem nassen T-Shirt selbst.

Die Gefahr lauert im Dunkeln (HP-FF, Rumtreiberzeit)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt