Kapitel 107

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*Samu*

Zusammen mit dem Rest des Besuches frühstücken wir gemütlich. Die Meisten müssen wieder nach Hause, morgen ist Montag und die Arbeit ruft. Ich bin froh, dass wir erst am Mittwoch mit dem Tourbus weiter müssen, bis dahin haben wir frei. Nun beginnt das grosse Verabschieden, hi und da fliessen die Tränen. Mit Peter und Lilian haben wir abgemacht, dass wir am Dienstag zu ihnen fliegen und ein Teil, vorwiegend Kleider, von Karina mitnehmen. Wir werden dort übernachten und am Mittwoch wieder zurückfliegen.

Ebenfalls glücklich, dass es erst am Mittwoch weiter geht ist Riku. Stephanie bleibt hier in Berlin, wir können sie mit dem Tourbus mitnehmen, denn ihre Heimatstadt liegt auf dem Weg. Ich glaube zwischen den Beiden wird es langsam etwas Ernstes. Muss unbedingt mal wieder mit Riku reden, in der letzten Zeit haben sich immer alle um mich gekümmert. Jetzt wird es an der Zeit, das zu ändern, er hätte auch einen Freund gebraucht, der ihm zuhört. Ich denke auf der Tour findet sich sicher eine Gelegenheit dafür.

Nachdem alle in ihre Taxis und Autos verschwunden sind, gehen ich und mein Engel rauf ins Zimmer. Karina haben diese ganzen Verabschiedungen mitgenommen, sie legt sich noch etwas hin. Und ich werde endlich einen Anruf machen, den ich schon lange machen wollte. Dafür wähle ich die Nummer des Flughafen Berlins. Eine freundliche Dame geht ran und ich sage zu ihr „Guten Tag. Mein Name ist Samu Haber, wäre es möglich, dass ich mit dem Flugbegleiter sprechen kann, welcher für das Boarding des Fluges LX13413 verantwortlich war? Meine Freundin würde fälschlicherweise auf diese Liste gesetzt und wir dachten deshalb dass sie ums Leben gekommen sei. Aber sie lebt zum Glück und ich möchte diesen Flugbegleiter fragen, wie es zu so einem verheerenden Fehler kommen konnte.“

Die Dame am Telefon verspricht mir wieder zurückzurufen. Nach einer halben Stunde klingelt mein Telefon und ich werde mit dem Flugbegleiter verbunden. Mit zittriger Stimme meldet er sich „Es tut mir leid, so ein Fehler hätte mir nicht passieren dürfen. Als das Boarding beendet war, hatte eine Passagierin keinen Hacken. Dabei handelte es sich um Frau Weber, ich war mir nicht sicher ob ich sie einfach vergessen habe abzuhacken oder nicht. Und da wir bereits mehr als eine Stunde Verspätung hatten, habe ich sie dann gekennzeichnet als an Bord. Sonst hätte ich alle Fluggäste nochmals kontrollieren müssen und der Flug hätte nochmals eine Stunde später fliegen können. Es tut mir so unendlich leid, bitte verzeihen sie mir Herr Haber.“

Er hat etwas sehr trauriges in der Stimme und ich denke mir, wo Menschen arbeiten passieren Fehler. Nur hatte dieser eigentlich kleine Fehler, weitreichende Konsequenzen. Mit ruhiger Stimme sage ich „Ich verzeihe ihnen, obwohl ich dadurch die schlimmste Zeit meines Lebens durchmachen musste. Ein Fehler kann jedem einmal passieren, ich hoffe es wird ihnen eine Lehre sein.“

Nachdem er mir zum tausendsten Mal gedankt hat, beenden wir das Telefonat wieder. So wie er sich angehört hatte, ist ihm ein grosser Stein vom Herzen gefallen, das hat er wohl seit diesem Drama mit sich herumgetragen. Mir ist ehrlich gesagt auch wohler, jetzt weiss ich endlich was passiert ist. Mein Engel schläft weiterhin friedlich, also entschliesse ich mich, noch ein wenig im Internet zu surfen. Die ersten Konzertfotos von gestern sind schon online. Wenn ich diese Bilder sehe, kommen die ganzen Emotionen wieder hoch. Den Fans scheint das Konzert gefallen zu haben, sie fragen sich aber, wieso ich öfters Tränen in den Augen hatte.

Ohne gross darüber nachzudenken, mache ich ein Selfie von mir. Ich lade es hoch und schreibe ein paar Zeilen darunter. Bedanke mich für gestern Abend, schreibe dass es mir gut geht. Darunter Kommen meine heissgeliebten Hashtags # myloveisback # sheisalive # hardtimebutnowiamsohappy # happymaninlove. Das mag wahrscheinlich manch einen Fan verwirren, aber ich denke die meisten können sich selber aus diesen Worten etwas zusammen reimen. Erledigt, jetzt ist es online und ich schliesse das Internet wieder.

Als hätte sie gemerkt, dass ich fertig bin, erwacht mein Engel. Ich setze mich zu ihr auf das Bett, gebe ihr einen langen Kuss. Endlich wieder ohne Zurückhaltung zu machen wonach mir ist, fühlt sich wundervoll an, deshalb küsse ich sie gleich nochmals. Sie strahlt mich an, streicht über meine Wange, wird dann aber wieder ernst „Was musstest du nur in den letzten Wochen durchmachen mein Schatz.“

„Es war die Hölle und so etwas möchte ich nie wieder durchmachen müssen. Aber für dich war es auch nicht gerade leicht mein Engel.“, sage ich ihr, während meine Hand durch ihre Haare fahren. Sie nickt leicht, sieht mich dann wieder an „Wir hatten es Beide nicht leicht, ich kann mir nicht vorstellen wie du dich gefühlt haben musst. Das möchte ich niemals durchmachen.“

Wir brauchen jetzt beide die Nähe des Anderen, kuschelnd und streichelnd liegen wir auf dem Bett. Ich merke wie gut mein Engel mir tut, fühle mich schon viel besser und die Energie kehrt langsam wieder in meinen Körper zurück. Was diese Frau nur mit ihrer Anwesenheit bei mir auslösen kann, ist einfach unglaublich. Wir verbringen den ganzen Abend eng beieinander, können nicht genug vom anderen bekommen. Nachdem wir uns bettfertig gemacht haben, braucht es nicht lange und ich drifte ins Traumland ab.

You're an angel not asking who I'amWo Geschichten leben. Entdecke jetzt