Kapitel 108

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*Karina*

Heute ist Montag, Samu begleitet mich auf meinem Gang zu den Behörden, um alles für den Umzug nach Helsinki zu regeln. Das nimmt ziemlich viel Zeit in Anspruch, gegen Mittag haben wir es endlich hinter uns. Gemeinsam lassen wir uns kulinarisch, in einem der Restaurants verwöhnen. Gut gestärkt mache ich mich auf dem Weg zum Frauenarzt. Ich habe heute Morgen auf gut Glück angerufen und da eine Patientin kurzfristig abgesagt hat, kann ich jetzt den Termin wahrnehmen. Samu wollte mich sogar dorthin begleiten, aber ich will nicht, dass irgendwelche Gerüchte auftreten. Das wäre ein gefundenes Fressen für die Presse, wenn uns jemand dort sehen würde.

Mein Schatz war zwar ein wenig grummelig, dass er nicht mit kann, hat aber eingesehen, dass es keine gute Idee ist. Er war schon immer sehr anhänglich und kuschelbedürftig, aber im Moment ist es ganz extrem. Ich kann ihn gut verstehen, er dachte dass er mich verloren hat. Und jetzt hat er Angst davor, dass es nochmal passieren könnte. Direkt gesagt hat er mir das nicht, aber ich kenne ihn mittlerweile sehr gut. Ich hoffe mit der Zeit wird das wieder besser, liebe seine Nähe über alles, aber ein bisschen Freiraum brauche ich auch. Und was noch wichtiger ist, dass er nicht immer in Angst leben muss, was meinem Schatz nicht gut tut. Aber wir haben Zeit und ich werde mein Bestes versuchen, ihm seine Ängste wieder zu nehmen.

Kaum sitze ich im Wartezimmer, meldet mein Handy eine eingehende Nachricht. Wie soll es anders sein, sie ist natürlich von Samu <<Vermisse dich jetzt schon mein Engel>>. Mit einem Schmunzeln auf den Lippen schreibe ich zurück  <<Ich dich auch mein Schatz. Wir sehen uns in einer Stunde wieder, bis bald>>. Viele würden solche Sachen nerven, ich dagegen finde es sehr süss. Das hat er auch schon gemacht vor meinem Unfall. Jetzt blättere ich ein wenig in den Zeitschriften herum und wie soll es anders sein, ich stosse auf einen neuen Beitrag über Samu.

Normalerweise lese ich so einen Mist nicht, aber da ich noch eine Weile warten muss, fange ich trotzdem an. Eigentlich sollte es ein Beitrag über Sunrise Avenue sein, aber ausser dem kurzen Interview, dass laut Datum erst letzte Woche war, schreiben sie im nachfolgenden Text, fast nur über Samu. Er muss sehr müde und fertig ausgesehen haben, auf seine Antworten gehen sie kaum ein. Sie schreiben die wildesten Spekulationen, wieso er wohl so ausgelaugt wirkt. Ein paar davon sind wirklich äusserst absurd und ich kann nur den Kopf schütteln. Am besten werde ich später, Samu und Aki darüber in Kenntnis setzen.

Wieder wird mir vor Augen geführt, wie sehr mein Schatz in den letzten Wochen gelitten haben muss. Rein der Gedanke daran, lassen bei mir vereinzelte Tränen kullern. Als mein Name laut ausgesprochen wird, reisst es mich aus meinen Gedanken. Die Sprechstundenhilfe schaut mich etwas verwirrt an, was muss das für ein Bild für sie abgeben, wenn ich hier mit einer Zeitschrift in den Händen, weinend sitze. Ich lege das Heftchen zur Seite, versuche die verräterischen Spuren aus meinem Gesicht zu wischen.

Dankbar dass sie nicht nachfragt, folge ich ihr ins Behandlungszimmer. Nach einer Viertelstunde, kann ich die Praxis verlassen, wir sollten zur Sicherheit die nächsten drei Tage zusätzlich verhüten, danach sollte die Pille wirken. Auf dem Weg zum Hotel mache ich einen kleinen Abstecher in eine Apotheke, um Kondome zu kaufen. Dann kaufe ich in einem Kiosk das Heftchen, mit diesem furchtbaren Beitrag. Mich erstaunt es schon fast, dass Samu mich nicht direkt bei der Praxis abgeholt hat. Wir hatten schon vereinbart uns beim Hotel wieder zu treffen, aber zurzeit ist mein Schatz unberechenbar.

Mit dem Bus bin ich in 10 Minuten an meinem Zielort. Samu wartet mit Aki zusammen im Eingangsbereich, das trifft sich gut. Als mein Schatz mich sieht, kommt er freudestrahlend zu mir und haucht kleine aber intensive Küsse auf meine Lippen. Dieser Mann ist unglaublich, er löst mit diesen sanften Berührungen ein Feuerwerk in mir aus, ich bin wie Wachs in seinen Händen. Eine kleine Enttäuschung macht sich in mir breit, als er sich von mir löst. Immer noch leicht benebelt von seinen Berührungen, komme ich im Hier und Jetzt an. Ach ja, wir sind im Empfangsbereich des Hotels und nicht ganz alleine.

Aki begrüsst mich herzlich, während Samu bereits ungeduldig weiter möchte. Ich schüttle leicht den Kopf und hole das Heftchen hervor und reiche es den beiden Männern mit den Worten „Das solltet ihr euch mal ansehen.“

Aki wirkt angespannt, auch mein Schatz sieht nicht gerade erfreut aus. Mit den Worten „Das war so nicht abgesprochen mit der Redaktion. Ich werde mich darum kümmern.“, verabschiedet er sich von uns. Samu steht mit bedrückter Mine da, ich nehme ihn in den Arm, denn ich merke wie ihn das zu sehr an die schmerzvolle letzte Zeit erinnert. Eng bei mir scheint er sich zu entspanne und ich sage zu ihm „Entschuldigung ich wollte dir nicht den Tag damit vermiesen.“

Er löst sich leicht von mir, sodass er in meine Augen sehen kann „Du kannst nichts dafür. Solche Artikel machen mir eigentlich nichts aus. Es ist nicht der Erste und wird auch nicht der Letzte sein. Aber die Erinnerungen an diese Zeit sind einfach schmerzvoll. Jetzt lass uns aber den Rest des Tages geniessen mein Engel. Wir gehen zu Sandra deine Sachen holen und dann lasse dich überraschen. Ich habe etwas Kleines geplant.“

Jetzt bin ich sehr gespannt was Samu vorhat. Mit einem Lächeln auf den Lippen, machen wir uns auf, in meine noch Wohnung, morgen wird sie es nicht mehr sein. Ich kann es kaum fassen, dass ich bald mit Samu zusammen wohnen werde.

You're an angel not asking who I'amWo Geschichten leben. Entdecke jetzt