Wollt ihr mal ein Kapitel aus Moritz' Sicht? Dann kommentiert mit einen Ja✌
-----------------------
"Hey Lennard, wenn du diese Nachricht auf deinem Anrufbeantworter hörst, hab ich dich wohl nicht mehr erreicht, da du schläfst - hoffentlich. Kommst du morgen zu Mama und Papa? Sag mir bescheid, wenn du es weißt. Grüße gehen raus an Caro." Somit legte ich auf. Mein Bruder hatte echt immer zu tun, aber gerade schlief er hoffentlich, denn wir hatten vier Uhr in der Früh.
Bleibt noch die Frage, was ich hier mache. Die Antwort ist simpel: Denken.
Über drei Monate ist es her, seit Moritz und ich uns das letzte Mal gesehen haben. Mehr als drei verkackte Monate ohne ihn.
Ohne mein Herz.
Sein Herz, welches er mir geschenkt hatte, war mein ständiger Begleiter. Genau wie die Augenringe und die leicht verquollenen Augen, die Lustlosigkeit und Appetitlosigkeit. Sport und mein Job waren die einzigen Dinge, wofür ich noch das Haus verließ. Und zum Einkaufen, aber das brauchte ich nicht mehr oft.
Wieder schaute ich das kleine Herz in meiner Hand an. Eigentlich müsste ich mich doch besser fühlen, ich tat mir und ihm einen Gefallen mit der räumlichen Trennung.
Und auch einer emotionalen, denn der Kontakt zwischen uns war abgerissen.
Wahrscheinlich ist er jetzt glücklich.
Hoffentlich. Denn mein sehnlichster Wunsch war es, dass er glücklich ist. Ob es mir dabei schlecht geht, ist egal. Ich liebte ihn und aus genau dem Grund war ich wahrscheinlich so dumm. So unfassbar dumm und dämlich.
Quälend erhob ich mich vom Fensterbrett meiner Wohnung und trottete zu meinem Bett, auf der noch eine leere Packung Eis thronte.
Lustlos schmiss ich diese in den Müll und legte mich schlafen.Noch ein verkorkster Tag in meinem Leben.
Wäre ich doch nur vom Skifahren dieses Jahr zuhaus geblieben... Dann wäre das Alles hier nicht passiert und ich wäre verdammt nochmal halbwegs glücklich.
Am nächsten Morgen wachte ich mich völlig gerädert auf. Natürlich, bei nur knappen fünf Stunden schlechtem Schlaf. Nach einem herzhaften Gähner stand ich auf, zog mir eine Jogginghose an und ein anderes Oberteil und ging zum Bäcker. Mein Körper lechzte nach Kaffee - und den sollte er auch bekommen.
Mein Blick war auf meine Füße gewand, die Menschen um mich herum wollte ich gar nicht erst angucken. Alle würden sich gruseln vor mir, mit den dunklen Ringen, der bleichen Haut und dem dünnen Körper.
Das war ein Fehler, denn prompt stieß ich mit einer Person zusammen.
"Oh scheiße, ich..", stotterte ich und sammelte peinlich berührt den Pappbecher ein.
"Ach, ist nicht so schlimm", murmelte eine Stimme mit österreichischen Dialekt und bückte sich zu mir herunter. "Ich-", setzte ich erneut an. "Es tut mir unfassbar leid, Ihr Shirt lasse ich Ihnen - Henning?" Total irritiert starrte ich den Mann vor mir an und zog eine Augenbraue hoch. Dann verschränkte ich die Arme miteinander. Was hatte er in Bremen zu suchen?Ja, ich hatte echt Glück, ich musste nicht mal üben vorm Spiegel.
"Oh mein Gott!" Er schlug sich die Hand vor den Mund. "Leo. Gott, wie lang ist es her? Drei Monate?" Er wollte mich umarmen, doch ich trat einen Schritt zurück und deutete auf den Fleck. "Kaffee im Shirt, sorry. Aber ich freue mich trotzdem auch, dich zu sehen." Mit einem warmen Lächeln für ihn schmiss ich dann meinen heiß geliebten Kaffee weg.
Schade um den Kaffee, der jetzt auf Henning's Shirt war.
"Wollen wir noch einen Kaffee? Immerhin habe ich deinen gerade auf mir verteilt." Er grinste, währene ich nickte. Mein sexy Outfit war mir davei echt egal.
Also gingen wir in eine kleine Bäckerei, wo wir uns jeweils einen Kaffee bestellten.
"Also, was machst du in Bremen?", fragte ich ihn, während mein Kaffee kalt wurde.
"Sarah und ich machen eine Städtetour durch Deutschland - und da wollten wir eigentlich auch Lennard und dich in HAMBURG besuchen." Er betonte das Hamburg stärker.
"Ja, sorry man, bin halt wegen der Arbeit hierher gezogen. Bremen ist schön - und weniger stressig."
"Kann schon sein, Sarah und ich finden es hier echt schön. Aber von deinem Umzug hast du gar nichts erzählt in der Gruppe auf WhatsApp." Argwöhnisch beäugte er mich. "Vergessen." Ich zuckte nur mit den Schultern. Immerhin entsprach das der Wahrheit. "Wie läuft's auf der österreichischen Seite?"
"Sehr gut, sie will mich immerhin heiraten, wie du ja schon weißt. Sonst gibt es nichts zu erzählen. Zumindest von den Personen, von denen du was hören willst."Er schaute mir eindringlich in die Augen. "Komm schon, über drei Monate sollten an eurer Trennung reichen. Ihr beide steckt das nicht gut weg. Leo, komm schon, Moritz liegt Dir doch auch am Herzen, das sieht man dir an." Ich schüttelte den Kopf und unterbrach somit den Blickkontakt. "Nein. Es reicht jetzt, seit Januar ist viel Zeit vergangen. Genug ist genug. Reicht schon, dass du mich damit zutextest."
"Aber nur so lernst du-"
"Henning bitte, hör auf! Ausserdem muss ich jetzt los, wir haben Familientreffen und ich muss noch nach Hamburg zurück. Also, wenn du nochmal hier bist, teil es mir mit."Er nickte nur. "Mach's gut Leo, man sieht sich garantiert nochmal wieder." Meine Hand winkte nur, dann verließ ich die Tür und ging wieder zu neiner Wohnung.
Durch das Treffen mit Henning blieb mir dann aber nur noch wenig Zeit für das Frühstück. Also schmierte ich mir schnell mein Brot und ging dann zum Kleiderschrank.
Knappe dreizig Minuten später stand ich schon fertig angezogen und geschminkt an der Haustür und zog meine Daunenjacke an. Seufzend betrachtete ich dabei noch die kleinen Bilder auf der Kommode neben mir. Eines zeigte Lennard und mich im Urlaub dieses Jahr. Eines Lena und mich im Sommerurlaub und eines meine gesamte Familie.
Und eines war ein Selfie. Ein Selfie von Moritz und mir.
Ich drückte jenes einmal an meine Brust, in Herzgegend, und stellte es dann wieder zurück.
Vielleicht sollte ich ihn einfach vergessen. Frühlingsgefühle entwickeln und mich einfach neu verlieben. Aber was ist schon einfach?
Nichts. Auch nicht Autofahren, denn als ob der Tag nicht schon beschissen genug ist, stand ich nun auch noch im Stau. Immer diese Baustellen, die einem total auf den Wecker gehen, weil die einfach unnötig sind.
Passend dazu fing es jetzt auch noch an, in Strömen zu regnen. Einige Blitze durchzuckten zusätzlich den Himmel. Langsam kann man doch echt denken, dass dieser Tag echt nicht mein bester ist - und bleibt.
Ich meine, diese unfassbar schlechte Kombination kann auch nur mir passieren.Na, herzlichen Glückwunsch Leo. Läuft bei dir.
Rückwärts. Und bergab.

DU LIEST GERADE
Austrian Kisses [ABGESCHLOSSEN✔]
Roman pour AdolescentsNachdem die junge Anwältin Leo ihr Studium beendet hat belohnt sie sich dafür mit einem Skiurlaub, zusammen mit ihrer Schwester. Zunächst läuft alles wie geplant, doch dann wendet sich das Blatt und alles geht schief. Fast alles. Denn nichts ist so...