Kapitel 149

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*Samu*

Mein Engel verkrampft sich zunehmends in meinen Armen, wie gerne würde ich ihr diese Aussage abnehmen. Stockend fängt sie, trotz sichtlicher Angst, an zu erzählen. Zwischendurch muss sie immer Mal wieder eine Pause machen, weil ihr die Stimme versagt. Ich versuche stark zu bleiben für Karina, aber auch ich muss mir öfters die nassen, verräterischen Spuren in meinem Gesicht wegwischen. Meine Gefühle wechseln von wütend bis hin zu entsetzt in Minutentakt. Erst jetzt wird mir richtig bewusst was sie alles durchmachen musste, nicht  nur die Entführung, nein sie hat alles von mir auch mitbekommen. Sie war eingesperrt und machte sich zusätzlich Sorgen um mein Wohlergehen.

Endlich endet ihre Erzählung, ich merke ihr die Erleichterung an. Ich bin sehr stolz, dass sie diese Aussage gemacht hat, auch wenn es ihr sehr schwer gefallen ist. Und dazu bin ich beinruckt, wie sie sich selbst befreien konnte, was ich ihr auch sage. Völlig fertig schläft mein Engel in meinen Armen ein, die Polizisten verabschieden sich. Jetzt da Karina schläft, lasse ich meinen Emotionen freien Lauf, welche ich vorher so gut es ging, unterdrückt habe. Das Schwierigste haben wir jetzt hinter uns, jetzt brauchen wir viel Zeit und Ruhe, um das alles zu verarbeiten.

Die nächsten drei Tage behalten sie meinen Engel noch im Krankenhaus. Die Jungs und Aki kommen uns besuchen, verschwinden aber schnell wieder, um uns die nötige Ruhe zu geben. Sie werden in den nächsten Tagen eine Pressekonferenz geben, ich bin froh, dass ich nicht dabei sein muss. Das letzte Interview hat nach Akis Aussage für grosses Entsetzen gesorgt. Mit unserer Erlaubnis, wird er bei der Pressekonferenz von der Entführung erzählen und die Verbindung zum Interview erklären. Die Termine in den nächsten Wochen sind alle abgesagt, aber ich denke mit der Erklärung von Aki, ist das für jeden verständlich. Jetzt will ich voll und ganz für meinen Engel da sein.

Die Tage vergehen schnell und wir können endlich nach Hause. Hier im Krankenhaus kommt man nicht zur Ruhe, immer wieder wuseln die Leute um einen herum. Als wir unser Haus betreten, ist alles ordentlich aufgeräumt und unser Kühlschrank ist gefüllt, das muss wohl meine Familie gewesen sein, wofür ich ihr sehr dankbar bin. In den kommenden Tagen, erholen wir uns von den Strapazen. Am liebsten sind wir auf der Terrasse und kuscheln einfach nur. Karina hat gute, sowie auch schlechte Tag, je mehr Zeit vergeht, umso mehr überwiegen die guten Tage. Zweimal die Woche nehmen wir professionelle Hilfe, eines Psychiaters in Anspruch. Er hilft uns das Geschehene zu verarbeiten.

Karina ruft  immer wieder ihre Familie an, was ihr sehr gut tut und ihrer Familie auch. Den Geburtstag meines Engels verbringen wir zwei alleine und in Ruhe, dafür haben alle Verständnis. Allmählich kehren wir in unseren Alltag zurück, wir machen kleinere Spaziergänge, treffen uns ab und zu mit Freunden, aber alles im kleinen Rahmen. Kaum zu glauben, aber jetzt ist es nicht einmal mehr einen Monat, bis zum errechneten Geburtstermin unseres Krümelchens. Es geht dem Kleinen gut, nur Karina ist das Gewicht ihres Bauches jetzt unangenehm und sie ist froh, dass sie Schwangerschaft bald zu Ende ist. Jetzt wo sie Nachts wieder besser schlafen könnte, hält der Bauch und unser Sohn sie vom Schlafen ab.

Ich bin immer wieder beindruckt, wie stark sie ist, wenn man bedenkt was sie alles in den letzten Wochen durchmachen musste, ich höre sie so gut wie nie jammern. Ich bin einfach nur stolz und glücklich, sie meine Frau zu nennen, was ich ihr immer wieder sage. Heute wollen wir uns mit Aki und den Jungs im Studio treffen, voraussichtlich das letzte Mal vor der Geburt. Mein Engel erhebt sich schwerfällig mit ihrem grössen Bauch, ich helfe ihr hoch „Geht es mein Engel, wir müssen nicht dorthin, wenn du nicht willst.“

Sie lächelt mich an, wie ich das liebe und sie tut es wieder, immer mehr. Karina gibt mir einen Kuss „Geht schon mein Schatz, ich brauche halt nur etwas länger. Ich freue mich alle wieder zu sehen und ein kleiner Tapetenwechsel tut auch gut.“

Beruhigt über ihre Antwort, gehe ich mit ihr zum Auto. Mein Engel sieht mit ihrem Bauch so schön aus, ich habe das Gefühl mich jeden Tag mehr, in diese wundervolle Frau zu verlieben. Gedankenverloren schaut sie aus dem Fenster, die Fahrt verläuft schweigend, aber es ist eine angenehme Stille. Beim Studio angekommen, helfe ich Karina aus dem Auto. Wir werden herzlich und überschwänglich von den Anderen begrüsst. Sie bestaunen den riesen Bauch meines Engels, was die Augen meines Engels strahlen lässt. Wir gehen rein und Aki schliesst die Türe hinter uns, dass wir ungestört sind.

Mein Engel verkrampft sich augenblicklich in meinen Armen und atmet schneller. Scheisse das hatte ich ganz vergessen, sie bekommt Panik, wenn sie hört, wie man die Türe schliesst. Schnell bete ich Aki die Tür wieder zu öffnen, unter den sorgenvollen Blicken der Anderen, lasse ich Karina sich setzen „Sie mich an meine Engel, es ist alles gut. Dass war nur Aki, die Tür ist wieder offen. Komm atme mit mir tief ein und aus.“

Zusammen mit mir beruhigt sie sich langsam wieder, ihre Atmung normalisiert sich und sie entspannt zusehends. Raul reicht ihr ein Glas Wasser, welches sie dankend annimmt. Kurz erkläre ich den Anderen was los ist, sie sehen mich besorgt an. Karina sagt ruhig „Es geht schon wieder, tut mir leid.“

„Du musst dich sicher nicht dafür entschuldigen mein Engel, komm lass uns jetzt zusammensitzen und miteinander reden, dafür sind wir her gekommen.“, sage ich in die Runde. Karina ist erleichtert, dass sie nicht mehr alle mit besorgter Miene ansehen. Wir besprechen die nächsten Monate, wo nicht viel passieren wird, ich will für meinen Engel und unserer Krümelchen da sein. Riku rutscht je länger je mehr unruhig hin und her. Was ist nur los mit ihm, frage ich mich, noch bevor ich ihn darauf ansprechen kann, klopft es an die Tür.

You're an angel not asking who I'amWo Geschichten leben. Entdecke jetzt