Mission 12: Stupid Hill Pt. II

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Was bisher geschah:

„Das sind alles verschwundene Irre"
„Was meinst du wie vielen wir davon schon begegnet sind?"
„Na und? Wir müssen Sie finden"
„Dante-"
„Das Böse jagen, Menschen retten. Unser Familienauftrag"
„Dante?"
„Was?!"
„Falscher Text"
„Oh... Na ja, dann lest doch das vorige Kapitel, wenn ihr meint es besser zu wissen"

Heute:

„Okay, angeblich führt der Weg zum Krankenhaus, wo wir Nero die Spritze gegen Tollwut verpassen wollen durch dieses Hotel!", Vergil mit der Karte vor der Nase zeigte auf ein zehnstöckiges Gebäude, das genauso schäbig aussah wie die anderen hier.
„Ihr wollt was mit mir machen?", rief der Kleine, schon wieder vollkommen aufgebracht.
„Wir wollen dir ein Eis kaufen", sagte Dante und grinste blöde vor sich hin.
„Ehrlich?", Neros Augen glänzten und er sah seinen großen Bruder liebenswürdig an.
„Nein, natürlich nicht. Spinn ich denn?", antwortete dieser sofort.
Vergil schlug sich gegen die Stirn und nuschelte: „Idiot, verrät sich selbst"
Nero nahm den beiden anderen dann schon die Arbeit ab, indem er die Eingangstür auftrat um seiner Wut Luft zu verschaffen.
Langsam trotteten Dante und Vergil hinterher, immer auf der Hut vor neuen Irren, die sie eigentlich retten sollten.
Eine Weile liefen sie planlos herum, versuchten hie und da ein paar Türen zu öffnen, die allerdings allesamt verschlossen waren und nicht einmal Nero, mit seiner Tollwut, konnte diese auftreten oder mit seinem Dickschädel spalten.
„Mensch", Dante trat verärgert gegen eine Tür, „Hier gibt es keine Menschenseele, wie soll man denn dann je die vermissten Irren finden?"
Noch ehe Vergil oder Nero antworten konnte, hörte man ein Klopfen von der anderen Seite der Tür. Erschrocken machten die drei einen Satz zurück.
„W-Was war denn das?", fragte Nero ungläubig und starrte auf die Apartmenttür. Dante, wagte sich mit kleinen Schritten näher heran und betastete das Holz ungläubig, ehe man von der anderen Seite gedämpfte Rufe hörte: „Hallo? Ist da wer?!"
Mit erstarrter Miene drehte sich der mittlere Sohn Spardas zu seinem älteren Bruder um und meinte voller Ernst: „Vergil, die Zahl an der Tür spricht mit mir"
Mit hochgezogener Braue sah er an seinem Bruder vorbei auf die Zahl der Zimmertür. 302.
Diesmal klopfte der Ältere an und wartete auf eine Antwort.
Diese kam auch sofort: „Wer ist denn da?"
„Pizzaservice!"
„Dante!", zischte Vergil und widmete sich wieder der Tür. Dahinter verbarg sich eindeutig ein Kerl.
„Können Sie die Tür öffnen?", fragte Vergil und lauschte angestrengt.
„Nein, geht nicht", kam es von der anderen Seite, „Irgendwer hat die Tür verkettet"
„Und wie wäre es dann mit einem Schlüssel?", fragte Dante langsam genervt.
„Den hab ich nicht. Ich war es ja nicht, der die Tür hier zugesperrt hat. Als ich gestern aufstand, war es plötzlich so"
„Aha... Wie heißen Sie?"
„Henry Townshend!"
Die Brüder sahen sich überrascht an.
„Okay, bleiben Sie da, wir sind gekommen um Sie zu retten!", verkündete Nero stolz und versuchte mit einem Roundhouse-Kick die Tür zu spalten. Als er dabei allerdings gewaltig scheiterte grummelte er nur: „Wie schafft Chuck Norris das nur immer?"
Mit einem Augenrollen wand sich der Älteste abermals an den Eingesperrte: „Können Sie denn nicht aus dem Fenster?"
„Nein, da will ich nicht raus", er klang wie ein kleines, verängstigtes Kind, „Da schwebt immer so ein komischer Kopf vorbei"
„Okay, okay", mischte Dante sich an, „Haben Sie überhaupt eine Ahnung, wer Ihnen das angetan hat?"
„Waren bestimmt die Nachbarskinder von nebenan. Seltsamerweise ist da jetzt nämlich ein riesiges Loch in meinem Badezimmer.
„Dann klettern Sie doch durch das Loch nach nebenan und gehen dann von da auf den Flur"
„Hab ich auch schon versucht, aber dann lande ich in der U-Bahn Station"
Die beiden jüngeren seufzten entnervt und lehnten sich an die Wand neben der vermeintlich unkaputtbaren Tür.
„Und, sonst haben Sie keine Möglichkeit jemanden zu erreichen?", fragte Vergil vorsichtig.
„Telefon und alles ist tot... obwohl, durch das Loch kann ich meine Nachbarin sehen"
Man hörte ein merkwürdiges Glucksen hinter der Tür.
„Großartig", grummelte Dante, „Ein eingesperrter, perverser Irrer"
Nero nickte nur heftig, um zuzustimmen.
Vergil selbst musste erstmal seinen Mund öffnen, um ihn dann wieder zu schließen. Dann wandte er sich an Dante und zischte: „Warum musst du eigentlich immer solche bescheuerten Aufträge annehmen"
„Sei doch froh, das ich überhaupt was annehme"
Zum zweiten Mal wiederholte Vergil das Ritual mit dem Mund. Auf, zu, auf, zu, wie ein Fisch auf dem Trockenen.
Mit zornigem Gesicht drehte er sich wieder zu der Tür und presste durch die Zähne hervor: „Henry, wir gehen Hilfe suchen"
„Okay, aber beeilen Sie sich!"
Die Geschwister nickten sich zu und schlichen dann leise von dannen.

„Also, das die irre sind, wussten wir, das sie verschwunden sind auch. Aber niemand hat was von pervers gesagt!", Nero regte sich einmal mehr auf.
Dante wunderte sich schon, warum ihn das mit dem bespannen der Nachbarin so zu schaffen machte. Fühlte er sich angegriffen, verletzt, oder bekam er etwa seine Tage?
Geräuschvoll schlurften sie weiter auf der Suche nach einem Krankenhaus für die Spritze gegen Tollwut.
„Also, soweit ich mitgekommen bin haben wir alle, bis auf zwei gefunden, oder?", Vergil versuchte sich an die Namen zu erinnern.
„Jap, du hast es erfasst", Dante, immer noch die Ruhe selbst faltete die Hände hinter dem Kopf und führte die Gruppe voran.
„Wo müssen wir überhaupt lang?", fragte der Älteste und begutachtete die alten – und vor allem dreckigen – Häuser.
Die anderen beiden zuckten mit den Schultern und gingen nichts ahnend weiter.
Als urplötzlich wie aus dem Nichts Sirenen anfingen zu heulen.
„Was zur...?", wollte Dante ansetzen, als er erschrocken feststellte, dass sich der graue Himmel über ihnen pechschwarz färbte.
Die beiden anderen Weißhaarigen sahen ebenfalls vollkommen perplex zu dem sich weiter verfinsterndem Himmel, bis der Mittlere Vergil an dem Ärmel zog.
„Schau dir das an", fiepte er mehr oder weniger und deutete nach vorne.
Wie eine unsichtbare Wand zog ich die Dunkelheit über die Straßen und alles, dahinter zerfiel zu noch unansehnlicheren Gerüsten, durchzogen von verrosteten Gittern und modrigen Brettern.
„Also, ganz ehrlich: Ich glaube diese Stadt hat eine gespaltene Persönlichkeit", bemerkte Nero, „Ebenso wie seine Einwohner"
„Schöner hätten wir es nicht ausdrücken können", murmelte Vergil, kurz bevor sie von der Dunkelheit umfasst wurden.

„Na, ganz große Klasse", meckerte der Jüngste und versuchte sich voranzutasten, „Hat keiner von euch eine Taschenlampe?"
„Wie du vielleicht siehst, oder eben nicht, nein!", schnauzte Dante zurück, kurz bevor man einen Schmerzenslaut vernahm und dann den Jubel: „Leute, ich glaube ich habe eine Tür gefunden, die offen ist!"
„Was? Wirklich?!", die beiden anderen waren nun ebenfalls erstaunt und ausgesprochen überrascht.
„Wir können ja rein, vielleicht gibt es da drinnen einen Lichtschalter und dann sehen wir wieder was"
Gesagt, getan. Unter weiteren Schmerzenslaute, verursacht durch das kollidieren mit Wänden, Treppengeländern, niedrigen Tischen und tief hängenden Lampen, kämpften sie sich weiter voran, bis man ein Klicken hörte und das Licht anging.
„Endlich. Ich sehe!", jubelte Vergil und besah sich seiner Kleidung, kurz darauf ein weiterer Schrei und der Älteste rannte den Gang auf und ab: „Dreckig! Dreckig! Dreckig!"
Nero und Dante sahen sich nur kopfschüttelnd an.
„Wieder großartig, warum hast du das Licht angemacht? Wo sind wir überhaupt?", fragte der Junge wieder in leicht säuerlichem Ton.
„Was? Ich dachte du hättest das Licht angemacht..."
„Nein, hab ich nicht"
Die beiden sahen sich einen Moment verwirrt an, bevor beide los schrien: „Geister!!" In dem Versuch dem jeweils anderem auf die Arme zu springen, stießen sie zusammen und fanden sich mit schmerzendem Kopf auf dem Boden wieder.
„Ich habe das Licht angemacht", tönte eine Männerstimme durch den Gang und Vergil blieb abrupt stehen, während Dante und Nero versuchten sich wieder aufzurappeln.
Am Ende des Ganges stand ein breitschultriger Mann - sein Rücken beschienen von der Lampe, konnte man sein Gesicht nicht erkennen. Doch er stand vor ihnen mit vor Stolz geschwollener Brust und einer Brechstange in den Händen.
„Wer sind Sie?", fragte Nero als erstes und fühlte sich irgendwie an Superman erinnert.
„Alex Shepherd, ehemaliger Kriegsveteran, großer Bruder und stolzer Bewohner von dem Örtchens Shepherd's Glen, welches ebenso stolz meinen Namen trägt"
Er trat einige Schritte nach vorne und man konnte endlich sein Gesicht erkennen. Kurze braune Haare, ein Drei-Tage-Bart und ein breites, weißes Lächeln.
„Ah, das trifft sich ja gut. Wir suchen Sie, wir sollen Sie retten", Vergil streckte die Hand zur Begrüßung aus und hoffte darauf, das Alex einschlagen würde, doch dieser strahlte weiter vor sich hin und bemerkte die Hand anscheinend nicht.
„Mich retten, wovor denn?", fragte er, ohne sein Dauergrinsen zu unterbrechen.
Nero wich einige Schritte zurück, dieses Grinsen war unheimlicher, als alles, was er zuvor gesehen hatte.
„Na ja, Monster und so", bemühte Vergil sich weiter, doch der Mann wollte nicht hören.
„Monster?", er zog an einem braunen Lederband und ein Hund kam angedackelt, „Verurteilen Sie diese nicht, nur weil sie sich in dieser seltsamen Stadt verlaufen haben. Adoptieren Sie doch eines und Sie bekommen diesen Hund gratis dazu", ohne weiter zu reden drückte er Dante die Schlinge der Leine in die Hand.
Nero jedoch, jetzt schlagartig an diese abartigen Verkaufssendungen im Fernsehen erinnert, drückte sich angstvoll an die Wand hinter ihm.
Die beiden Älteren versuchten unbeirrt weiter den Kerl um zustimmen: „Was wollen Sie denn noch hier?"
„Um ehrlich zu sein. Ich habe meinen Bruder verloren, ich suche ihn. Man sagte mir, das er hier in diesem Krankenhaus zu finden sei"
„Krankenhaus?", Dante sah sich fragend um und riss dann die Arme in die Luft – weiter unten hörte man ein gequältes Jaulen seitens des Hundes, „Cool, jetzt können wir Nero ja endlich die Spritze gegen Tollwut geben!"
„Was?!", fuhr der Kleine ihn an und in seinem Gesicht spiegelte sich nun ebendiese (Toll-)Wut.
„Du kriegst dann auch einen Lutscher"
„Cool", Nero driftete gerade in seine Fantasiewelt ab.
Und dieser Alex hätte sich dort als strahlender Prinz auf seinem weißen Ross sicherlich gut gemacht.
Und ebendieser strahlte weiter: „Gut, ich glaube dort hinten waren ein paar Krankenschwestern, vielleicht können die euch weiterhelfen. Folgt mir, ich werde euch sicher hinführen"
„Als ob wir das nicht alleine könnten", pikierte sich Dante.
„Ich bin auf meinem Weg durch das Krankenhaus einigen merkwürdigen Gestalten begegnet, es wäre besser, wenn ihr mich als Begleitschutz hättet"
„Für wen hält der sich eigentlich?", raunte Dante seinem älteren Bruder zu, bekam jedoch nur ein Schulterzucken als Antwort.
Die kleine Gruppe setzte sich in Bewegung, Alex an der Spitze, Dante, Vergil und der Hund hinterher, während Nero am Ende immer noch vom Candymountain träumte und anfing zu singen: „Candymountain, du füllst mich mit süßer, zuckriger Liebe"
„Ach, hier habt ihr eine Taschenlampe", sagte Alex fast nebensächlich und drückte Dante das kleine Tool in die Hand, als sie sich von der Lichtquelle entfernten. Dante jedoch dachte nur sauer: „Bin ich seine Ablage, oder was?"
Alex drehte sich wieder zu den dreien um und präsentierte einen kleinen, viereckigen Kasten: „Und das ist mein Radio"
Dante hob eine Augenbraue und musterte das kleine Gerät: „Wirklich?"
Als dieses plötzlich zu rauschen anfing weiteten sich Dantes Augen, irgendwoher kannte er das doch, irgendein Zusammenhang hatte es, aber er kam nicht darauf.
Als sie um eine Ecke bogen, standen sie einer Gruppe Krankenschwestern gegenüber, deren Gliedmaßen seltsam verdreht waren.
Sie alle standen still da, einige ein Skalpell in der Hand, andere Spritzen.
Dante drückte Nero die Hundeleine in die Hand und richtete die Taschenlampe auf die Damen vor ihm, schaltete dann das Licht ein.
Im Strahl der Lampe erkannten sie, das sie keine Gesichter hatten, es waren nur fleischige Klöpse auf den Hälsen. Als jedoch das Licht sie streifte, hörte man ein abartiges Knacken und die Schwestern wankten nach vorne.
Dante schaltete alarmiert das Licht wieder aus und die Krankenschwestern blieben abrupt stehen.
„Äußerst merkwürdig", stellte Dante fest und fuhr sich über seinen imaginären Bart, dann schaltete er das Licht wieder an, kurz darauf wackelten die Frauen wieder nach vorne.
Er schaltete das Licht aus und sie blieben stehen. Einige Male wiederholte er dies, ehe ein unverschämtes Grinsen auf sein Gesicht trat.
Dann stürzte er sich mit flackerndem Taschenlampenlicht in die Menge und kreischte: „Everybody dance now!"
Die Gruppe führte in dem flackerndem Licht einige obskure Tanzschritte durch, ehe Vergil seinem jüngeren Bruder einen schmerzhaften Schlag auf den Hinterkopf gab.
„Was soll das denn?"
„Leichte Schläge auf den Hinterkopf erhöhen das Denkvermögen. Und das brauchst ganz besonders du", erklärte der Ältere während sein Bruder daraufhin nur trocken meinte: „Aber selbst wie ein Irrer durch die Gänge rennen, nur wegen ein wenig Schmutz"
Vergil ignorierte ihn und zog Dante dann aus der Schar Krankenschwestern heraus, demolierte dann die Taschenlampe – woraufhin allgemeine Verärgerung folgte – und dann suchten sie in der kleinen Gruppe nach einem anderen Weg Nero die Impfung zu geben.

Die Männer gingen voran, während Nero mehr oder weniger den Hund hinterher schleifte. Aus irgendeinem seltsamen Grund wollte Dante sich nämlich nicht von diesem trennen.
Andererseits wollte Nero den Grund auch gar nicht wissen, bei Dante weiß man ja nie so genau, weshalb er was macht.
Während sie durch die Gegend trotteten und sich die verschiedenen Räume genauer ansahen, bemerkten sie nicht, wie ein kleiner Junge ihnen heimlich folgte.
Zum einen waren sie wohl einfach zu dumm und diese Dummheit dann mal vier genommen ergab schon ein ansehnliches Maß an Dummheit. Zum anderen war es wohl einfach zu dunkel. Und das sonst so reine Strahlen Alex Shepherd's Zähne konnte gegen diese erdrückende Dunkelheit auch nicht viel ausrichten.
„Hätten wir jetzt noch die Taschenlampe", fing Dante an zu grummeln, „dann könnten wir ihn als Leuchtturm benutzen"
„Hättest du dich nicht wie ein pubertierender Nerd in der Disco aufführen müssen, dann hätte ich sie auch nicht kaputt machen müssen", konterte sein Zwilling.
Dante zog eine Schnute, fing dann allerdings an, in Erinnerungen zu schwelgen und machte ein paar weitere Discotaugliche Moves.
Dabei stieß er allerdings gegen besagten Jungen und als er das zu ihm gehörende Japsen vernahm, drehte Dante sich erschrocken um.
Der Kleine hielt sich die Nase und funkelte Dante wütend an.
Alex strahlte den Kleinen von oben bis unten mit seinen Zähnen an, ehe er noch mehr strahlte – soweit das überhaupt möglich war.
„Josh!", Alex stemmte die Hände an die Hüften und streckte seine Brust nach vorn, „Ich habe dich endlich gefunden!", er brüstete sich förmlich mit Ruhm.
Doch Josh selbst nahm seine Hände von der Nase und gab das Blut frei, welches ihm nun über das T-Shirt lief. Dann deutete er immer noch wütend auf seinen großen Bruder und verfluchte diesen mit Schimpfwörtern, die noch nicht einmal Vergil mit seiner Lebenserfahrung gehört hatte.
Dann drehte er sich stumpf um und verschwand in der Dunkelheit.
Die drei Söhne Spardas warfen einen Blick zu Alex, welcher nun melodramatisch in die Knie ging und Gott anflehte ihm seinen kleinen Bruder zurückzubringen.
„Also, den will ich nicht zurück", bemerkte Nero, „Scheint so, als wäre er aus dem Heim abgehauen"
„Vermutlich schwer erziehbar"
„Kaum vorstellbar, dass der mal unsere Rente zahlt"
„Genau, wir zahlen eher seinen Knastaufenthalt", noch bevor Dante verärgert die Faust schütteln konnte zogen die anderen beiden und der Hund ihn aus dem Krankenhaus.
„Wehtehäf!", rief der Jüngste, als er in den grauen Himmel blickte, „Was geht denn bitte jetzt wieder ab?"
Seine Brüder waren ebenso verwirrt, als es wieder Asche vom Himmel rieselte und die Häuser einigermaßen normal aussahen.
„Diese ganze Stadt ist echt krank", nuschelte Vergil, „Am besten wir hauen jetzt einfach ab, auch wenn wir noch eine Person finden sollen. Kann mir doch egal sein, der ist bestimmt auch irre"
„Wer fehlt uns denn noch?"
Einen Sekundenbruchteil nach dieser Frage ging Dante in die Knie, Zeige- und Mittelfinger an die Schläfen gepresst und das Gesicht verzerrt.
„Was hat er denn jetzt?", fragte Vergil und tauschte einen besorgten Blick mit Nero aus.
„Keine Ahnung, vielleicht Schmerzen?"
„Ich denke! Ich denke!", kam es von unten.
„Ja, Schmerzen"
Dann sprang Dante wieder auf und Nero hielt sich geschockt eine Hand an die Brust.
Mit dem Zeigefinger in der Luft rief der Mittlere: „Walter Sullivan!"
„Und wo soll der sein?"
„Was weiß denn ich?"
„Okay, ich schlage euch einen Deal vor", mischte Vergil sich ein, „Wir gehen jetzt Richtung Ausgang und wenn wir ihn auf dem Weg dorthin finden, dann hat er Glück gehabt, wenn nicht, dann eben nicht"
„Und wenn wir Glück haben, ist Walter vielleicht auch nicht irre"
„Also gut, dann gehen wir mal", Nero machte ein paar Schritte, zog den Hund hinter sich her und blieb dann wieder stehen.
„Wo geht's überhaupt lang?"

„Das war der schrecklichste Auftrag, den du je angenommen hast Dante", fluchten seine Brüder vor sich hin, während sie sich durch den Wald schlugen, auf den sie nach einiger Zeit gestoßen waren.
„Es gab schon schlimmere", beharrte Dante.
„Ach ja, und welche, wenn ich fragen darf?", grummelte Nero.
„Weißt du noch, als wir damals zu diesem Meyer gebracht wurden?-"
Weiter brauchte er gar nicht reden, denn Nero lag schon in Fötushaltung auf dem Boden und nuckelte an seinem Daumen, während vor seinem inneren Auge verstörende Bilder aufblitzten.
Dante nahm vorsorglich die Leine des Hundes und Vergil machte sich daran den Jüngsten über den Boden zu rollen. Schon nach wenigen Minuten war der Junge über und über mit Laub bedeckt, doch Vergil rollte ihn einfach fröhlich weiter.
Bis er gegen etwas stieß, das vorher noch nicht da gewesen war.
Er hob den Blick und sah ein Paar Beine an, eingehüllt in einer braunen Hose, darüber ein männlicher Oberkörper in einem blauen Hemd. Und zu guter Letzt das ebenso männliche Gesicht umrahmt von langen, blonden Haaren.
„Oh, Sorry", der Älteste erhob sich und zog zeitgleich Nero mit nach oben, welcher sich einigermaßen wieder beruhigt hatte und nun das Laub von seinen Klamotten klopfte.
„Nein, ich muss mich entschuldigen. Ich habe Sie bereits kommen sehen und mich Ihnen trotzdem in den Weg gestellt", er war außerordentlich höflich und streckte den Jungs die Hand entgegen, „Ich bin Walter Sullivan"
Sofort erhellten sich die Gesichter der drei.
Er war Walter Sullivan, der letzte, auf ihrer Liste, den sie suchten. Und er war so höflich und freundlich, er konnte nicht irre sein. Vielleicht hatten sie diesmal sogar Glück, nur ein kleines bisschen und sie konnten sich auch vernünftig mit ihnen unterhalten.
„Herr Sullivan", begann Vergil fast schon feierlich, „Wir haben Sie gesucht. Wir sollen Sie retten"
Walter machte ein fragendes Gesicht: „Wollen Sie mich vor den ganzen Irren hier in Sicherheit bringen?"
Die drei weiteten die Augen. So eine ruhige, gefasste Antwort und dann auch noch mit so einem Inhalt hätten sie garantiert nicht erwartet.
Walter war jedenfalls nicht irre!
Endlich ein Lichtblick. Deshalb beteuerte Nero schnell: „Ganz genau, wir sollen Sie vor denen retten"
Der Neuling ebenfalls sichtlich erleichtert antwortete: „Na, ein Glück. Allerdings muss ich erst noch was erledigen"
„Und was? Vielleicht können wir Ihnen dabei helfen"
Geschäftsmäßig zog Walter einen Notizblock aus seiner Jackentasche, feuchtete seinen Finger an und blätterte ein wenig, bis er an einer Stelle ankam, die ihm anscheinend zusagte.
„Also, oberste Priorität hat meine Mutter, ich muss sie wiederfinden. Und davor noch... Cynthia töten, Jasper töten, Andrew töten, Richard töten, Eileen töten und Henry töten..."
Mit jedem Namen, den er aufzählte weiteten sich die Augen der drei ungläubig.
Dann hob Dante die Hände und meinte: „Ä-ähm, nein danke, kein Bedarf"
Er schob seine Brüder an dem Kerl vorbei und versuchte dabei möglichst freundlich zu lächeln.
Walter sah ihnen verwirrt hinterher: „Wieso das denn nicht?", er drehte sich ganz zu ihnen um und in dem matten Licht, das durch die Blätterdecke fiel, konnten sie Blutflecken auf seiner Kleidung ausmachen.
„Nein, nein danke. Wir müssen selbst noch...", Dante überlegte angestrengt, „Ein paar Leute abmeucheln"
„Oh, ach so. Sagst das doch gleich, da will ich euch natürlich nicht im Weg stehen", er grinste, winkte und rief noch hinterher: „Vielleicht sehen wir uns ja mal wieder! Ich kauf meine Waffen immer in-"
Der Rest wurde vom Wald und den Laufschritten der Vier verschluckt, als diese das Tempo enorm steigerten.

„Aaah, der Stadtrand, endlich", stöhnte Nero, stützte sich auf seine Knie und musste erstmal verschnaufen. Ebenso Vergil und Dante.
„Wenigstens wissen wir jetzt, das wir hier nie wieder hinfahren sollten"
„Ja, ganz großartig", maulte der Älteste, „Ein blödes, dreckiges Kaff und wir haben noch nicht mal jemanden retten können"
„Das stimmt nicht ganz", mischte sich Dante ein.
„Was meinst du denn damit?"
Ohne ein weiteres Wort hob der Weißhaarige den Hund hoch, legte selbst einen Dackelblick auf und hob die Pfote des Tieres auf und ab.
„Er winkt dir sogar"
„Dante", Vergil zischte, doch schon im nächsten Moment nahm sein Gesicht einen verwirrten Ausdruck an, „Wo hat der Hund das Headset her?"
Dante sah das Tier an und betrachtete das Headset auf dessen Kopf. Dann hob er unschlüssig die Schultern.
Der Hund wedelte fröhlich mit dem Schwanz und hechelte vor sich hin. Als Dante den Blick jedoch nicht abwand, bellte er: „Was gibt's? Noch nie 'nen Hund gesehen?"
Erschrocken ließ er den Hund fallen und sprang auf Vergils Arme.
„Was ist das?"
„Wundert dich das noch?", fragte sein Zwilling trocken.
Der Vierbeiner sah zu den dreien hoch und bellte: „Okay Leute, sorry das ich euch das Dasein in Silent Hill so schwer gemacht habe, aber ihr könnt hier nix tun. Vielleicht könnt ihr ja in ein paar Jahren wiederkommen – wenn ihr genauso irre seid wie wir"
Es schien als würde er die Zunge rausstrecken und die Augen verdrehen.
„Ich hab genug gesehen und gehört", bemerkte Nero und war schon auf dem Weg zur Grenze, „Wahrscheinlich sind wir schon längst irre"
Die beiden älteren folgten Nero und warfen einen letzten Blick zu dem Hund, der es sich auf der Straße gemütlich gemacht hatte und sie meinten ihn noch nuscheln zu hören: „Ja, ihr seid wirklich verrückt, wenn ihr in so einer Parodie auftretet"

Devil May SmileWo Geschichten leben. Entdecke jetzt