;Chapter 12/New People;

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"Ihr seid doch Irre. Wieso zwingt ihr mich, dahin zu gehen?"

Xiumin seufzte und wollte gerade was sagen, doch Sehun warf mir einen warnenden Blick zu und sagte: "Seohyun. Hör auf ihn."

Ich sah Sehun an. Ich verstand schon, was er sagte. Er wusste, wie viel Suho und Xiumin für mich taten. Er wusste, das sie wie meine Eltern waren. Er wollte einfach, dass ich ihnen keinen Stress machte.

"Aber wieso muss ich dahin?"

"Weil es eine gute Möglichkeit wäre, Freunde zu finden," erklärte er und räumte den Tisch ab.

"Du weißt ganz genau, dass ich nicht gut mit anderen Menschen kann. Ich kann einfach ni-"

Suho unterbrach mich, als er ins Esszimmer kam. "Xiumin, sag ihr doch einfach die Wahrheit."

"Wahrheit?"

"Suho..." seufzte Xiumin.

Baekhyun hob die Hand. "Ich bin auf Suhos Seite."

Er bekam den Todesblick von Xiumin.

"Was für eine Wahrheit? Ich dachte die Wahrheit sei, dass ihr mich zwingen wollt, Freunde zu finden."

Ende Winter 2015

"Und ihr wisst ganz genau, dass ich das nicht kann. Neue Freunde finden. Ihr wisst es und trotzdem zwingt ihr mich dahin-"

"Es geht nicht um die Freunde," unterbrach Xiumin mich. "Es geht nicht, um Freunde." Er schien wütend zu sein.

"Seohyun, wir wissen, wie es dir geht, deshalb würden wir dich niemals zu sowas zwingen," erklärte Suho.

"Aber-"

"Aber die Wahrheit ist, dass dein Onkel gesagt hat, dass wir dich da hinschicken sollen."

Stille.

Dieses verdammte Ar-

"Es tut uns Leid," Xiumin sah mich traurig an. "Ich weiß, wie wenig du dahin gehen willst."

Mein Onkel war so ein Idiot.

So ein verdammter Idiot.

"Und ich weiß," sagte Suho, "du könntest zu ihm hingehen, könntest ihm drohen das Entertainment zu verlassen und du würdest ganz genau wissen, dass er dich nicht mehr zwingen würde dahin zu gehen, weil er dich nicht verlieren will."

Ich nickte. "Exactly. Er hat Angst mich zu verlieren. Ich bin da ganz ehrlich. Aber er hat nicht Angst, seine Nichte zu verlieren, sondern seine Geldmaschine. Deshalb interessiert es mich nicht, ob er mich rauswirft oder nicht."

Aber war das wirklich so?

"Seohyun. Dir ist das nicht egal. Du bist so nah," sagte Sehun. "So nah daran, Choreografin zu werden. So nah daran, ein Musikvideo zu drehen. So nah daran, Sängerin zu werden. War das nicht der Grund, wieso du noch nicht freiwillig abgehauen bist?"

Und ich gab ihm recht. Er hatte recht. Ich war so nah daran, meinen Traum in Erfüllung zu bringen, dass ich nicht wollte, dass mein Onkel mich raus schmiss.

"Außerdem dürftest du dann nicht mehr hier wohnen, weil dein Onkel hier für dich bezahlt," sagte Chanyeol, der von hinten kam und mich auf den Kopf küsste.

"Aber wir haben das Sorgerecht. Deine Mutter hat es uns gegeben. Deshalb können wir dich nicht verlieren, egal was passiert," erklärte Suho und lächelte mich an.

"Bitte geh zu dieser Mickey Mouse Show, Seohyun," bat mich Xiumin.

Ich seufzte. "Wenn es sein muss. Aber wenn ich heulend nach Hause komme, dann ist das eure Schuld."

"Natürlich." Sie lächelten.

-

Ich blieb dicht hinter Xiumin, der zu Lee Teuk lief. Er stand am Fenster und redete mit meinem Onkel.

In der Mitte des großen Saales waren Sofas und viele Leute in meinem Alter saßen dort.

Ich spürte ihre Blicke.

Ich ging noch näher an Xiumin.

Glücklich begrüßte er meinen Onkel und Lee Teuk.

"Hallo Seohyun. Wie geht es dir?"

Ich sah meinem Onkel in die dunklen Augen.  "Ich könnte kotz-"

Xiumin stieß mir den Ellbogen in die Seite.

"Klasse. Mir geht es klasse," sagte ich und lächelte falsch.

Onkel lächelte genauso falsch zurück.

"Ah, hallo Seohyun. Lange nicht gesehen, huh?" Lee Teuk sah mich dafür mit einem richtigen Lächeln an.

Ich lächelte ihn an.

"Wenn du willst," setzte er fort, " kannst du dich zu den anderen setzen. Wir kommen dann gleich und besprechen alles mit euch."

Ich schaute vorsichtig hinter mich. Sie starrten mich alle an. Jeder von ihnen. Sie wussten wer ich war und irgendwas schien sie daran zu stören. Vor allem Ding die Mädchen.

Xiumin bemerkte meinen besorgten Blick. "Alles gut, Seohyun. Der Junge da vorne," er zeigte auf den größten Jungen. Er schien der älteste zu sein, "den kenn ich. Er ist nett. Setz dich zu ihm."

Ich schüttelte den Kopf. Ich wollte mich nicht zu den Jungs setzen.

Xiumin küsste meine Schläfe und schubste mich leicht in die andere Richtung.

Mit langsamen, vorsichtigen Schritten ging ich auf die anderen zu. Sie fingen wieder an miteinander zu reden.

Doch meine Befürchtung sollten wahr sein. Als ich mich zu Ihnen setzten wollte, machten sie mir so wenig Platz wie es ging, obwohl sie noch weiter rutschen könnten.

Sie hatten den Platz. Aber sie wollten ihn mir nicht geben.

Dabei hab ich mir extra einen Platz gesucht, der sie nicht stören würde.

Doch ich musste mich dazwischen quetschen.

Und das schlimmste war, dass wenn sie nicht gerade redeten, mich anstarrten, als wäre etwas falsch mit mir.

Und sie begrüßten mich nicht.

Ich hab früher gelernt: "Sag Hallo, Danke und Bitte."

Doch mein "Hallo" wurde überhört und ignoriert. Und ich bekam nichts zurück.

Ich schaute zu Xiumin, der mich lächelnd ansah und zwei Daumen hoch zeigte.

Ich presste meine Lippen aufeinander und hielt schwach zwei Daumen hoch.

Ich schaute wieder in den Kreis, in dem wir saßen und versuchte dem Gespräch zu folgen.

"Und sie sah mich und sagte 'du bist wirklich erst 14? Du siehst schon aus wie 17'. Ich sags ja, ich seh älter aus, als ich bin," sagte ein Mädchen und lächelte stolz.

"Tsk, blöde 01 liner. Denkt ihr seit was besseres, nur weil ihr älter seit," sagte ein anderes Mädchen.

"Ich bin 02 liner," sagte ein kleiner Junge.

"Der älteste müsste doch Mark Hyung sein, oder nicht?" sagte ein anderer Junge und zeigte auf den Jungen, auf den auch Xiumin gezeigt hatte.

Er hieß Mark.

Er lächelte schüchtern. "Ah, das ist ja auch eigentlich egal, wie alt wir sind. Wir können auch so Freunde sein."

Er lächelte wieder.

Und die Mädchen neben mir sahen ihn alle verliebt an.

Ach so.

Mark war also der Mädchenschwarm.

I didn't want to become an idol. // Mark Lee x OCWo Geschichten leben. Entdecke jetzt