Kapitel 61

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Skye

Mein Gegner lag am Boden und stand nicht mehr auf. Mia und die anderen schrien zwar ich solle nochmal zu schlagen, aber ich sah nur zu ihr runter und beobachtete sie. Egal was ich jetzt noch tun würde, der Kampf war eh vorbei und es würde nun nicht mehr zählen. Eigentlich wusste ich nicht einmal genau weshalb ich wieder angefangen hatte oder nicht ausstieg. Ich wollte niemanden mehr weh tun, aber man kam hier nicht mehr so leicht raus und ein gutes Nebeneinkommen war es ja schon. 

Trotz den ganzen Leuten, riss ich mich zusammen und half dem hilflosen und noch jungen Mädchen auf. Sie blutete aus dem Mund und hatte am ganzen Körper blaue Flecke. Keine Ahnung, von wem die wohl stammen, hustete mein Unterbewusstsein und verkroch sich schämend in der hintersten Ecke meines Gehirns. Als sie mich sah zuckte sie zusammen und hob zitternd den Arm vor ihr Gesicht.

"Keine Sorge, es ist vorbei und ich tu dir nichts mehr", mit beruhigender Stimme sprach ich sie an und richtete sie auf. Währenddessen kam Mia zu mir und reichte mir meinen Pullover, den ich dann aber dem Mädchen gab.

Ich schätzte sie zwischen 14 oder 15. Ihre pechschwarzen Haare waren zerzaust und fielen ihr ins Gesicht. Ihr Oberteil dreckig und voller Blut. Ihre Hose komplett zerrissen und man sah ihre Hämatome. Ihre zierlichen Beine waren lila-blau angeschwollen und wurden nach oben hin immer größer. An ihren Armen waren ebenfalls solche Hämatome zu sehen und auch rote Striemen, die sich den ganzen Arm hocharbeiteten und sich am Rücken weiter ausbreiteten. Sie hatte mehrere Platzwunden an der Lippe und unteranderem schien auch eine von mir dabei gewesen zu sein, aber die anderen waren älter und dabei zu heilen. Blau-gelb bildete es sich unter ihrem Auge mit einem leichten lila Ton. Es war angeschwollen und dick.

Worauf ließ sie sich da ein. Noch so jung und bereits so in Schwierigkeiten. Sie sah verstört und komplett neben der Spur aus. Ihre Kraft beim Kampf verriet mir, dass sie noch nicht allzu lange dabei war und sich nicht auskannte. Genauso wie ihr zierlich kleiner Körper diese Last nicht aushielt und immer zusammenbrach. Und genau jetzt fragte ich mich weshalb ich nicht aufgehört hatte und das Geld Beiseite geschoben hatte. Warum?

Zögernd nahm sie den Pulli an und zog ihn über ihren Kopf drüber. Sie zog die Kapuze weiter in ihr Gesicht rein und hielt sich den Arm. Skeptisch sah ich sie an und ging einen Schritt auf sie zu. Sie wiederum trat einen zurück und schaute zum Boden.  Ich seufzte und fasste mich.

"Ich verstehe du hast Angst, dass ich dir etwas tun werde, aber so ist es nicht. Der Kampf ist vorbei und ich hätte gar nicht gegen dich kämpfen sollen, weil du recht verwirrt und durcheinander bist. Was auch immer es ist du kannst mit mir reden und kannst mir vertrauen. Wie gesagt alles was ich dir an Schmerzen bereitet habe, tut mir unendlich leid und wollte ich nicht." Ich versuchte auf sie einzureden und kratzte mich verlegen am Nacken. Mia, die hinter mir stand sah mich stolz an und half mir dann soweit es ging.

"Is-ist scho-on oka-ay", stammelte das fremde Mädchen vor sich hin und erschrak als hinter ihr plötzlich Männerstimmen ihren Namen riefen.

Camilla, so das Mädchen, zuckte zusammen und verkroch sich in den schwarzen Sweater immer mehr hinein, in der Hoffnung keiner würde sie jemals sehen. Aber stattdessen kamen die Männer mit schnellen Schritten auf uns zu und der eine packte sie dann am Arm. Ein kurzes Quieken entwich ihr und sie hielt ihre Arme vor ihr Gesicht. Der Mann, der sie am Arm packte sah sie streng an und brüllte ihr mitten ins Gesicht: "Was hab ich dir gesagt, hn? Was? Dass du mir dieses Geld besorgst, genau! Und was hast du gemacht? Gegen jemanden wie sie verloren."

Ain't nobody takin my babyWo Geschichten leben. Entdecke jetzt