15. Nachmittag mit Gwen

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fünf Monate später

"Pass auf dich auf, Leon", bat ich ihn und küsste ihn auf die Stirn. "Das werde ich, Prinzessin", meinte er leise. Er küsste mich noch auf meine Hand. "Leon!", meinte Arthur, "Du musst die Gruppe führen" Arthur würde nicht mitgehen, da morgen König Beyarld of Mercille erwartet wurde und die Verhandlungen äusserst briskant sind. Leon sah mich entschuldigend an und wandt sich um. Doch ich lies ihn nicht los. "Leon" Er drehte sich noch mal um. "Mach sie fertig" Leon grinste und ging zu seinem Pferd an de Spitze der Truppe. Arthur trat zu mir, während Leon und seine Truppe durch das Tor ritten. "Keine Sorge", meinte Arthur, "Er kommt wieder. Das tut er immer" "Ich hoffe, dass du Recht hast", murmelte ich und drehte mich zu ihm. "Ihr seid euch schnell sehr nahe gekommen", stellte Arthur fest. "Das stimmt", gab ich zu, "Er ist mir schnell ans Herz gewachsen. Es kommt mir vor als würde ich ihn eine Ewigkeit kennen" Arthur lächelte und lief mit mir die Treppe hinauf. "Das freut mich", meinte er ehrlich, "Darf ich dich etwas fragen?" "Aber natürlich Arthur", sagte ich. "Morgen kommt ja der König. Für das Dinner nach dem Unterschreiben des Vertrages brauche ich noch eine Tischdame. Würdest du mich begleiten... als Freundin?" "Natürlich, Arthur. Es wäre mir eine Freude" "Ich danke dir", sagte er. "Das brauchst du nicht", meinte ich nur. Ich fühle mich geschmeichelt, dass du mit mir dahin gehen möchtest" "Ich dachte nur du brauchst etwas Ablenkung. Ich meine deine Familie ist doch auch erst gestern abgereist. Ich möchte nur nicht, dass du dich alleine fühlst" "Das ist süss von dir Arthur", meinte ich und sah ihn an, "Aber sie kommen doch schon in wenigen Tagen zurück und dann muss auch ich eine Entscheidung treffen" Mein Bruder und meine Eltern möchten zurück nach Enniskillen, aber ich wusste noch nicht, ob ich zurück wollte. Das würde bedeuten, dass ich Leon vielleicht nicht mehr so schnell wiedersehen werde. "Schon geküsst?", meinte er dann aus dem Nichts. "Was?", meinte ich verwirrt. "Habt ihr euch schon geküsst?", frage er dann, "Also auf den Mund. Lippe zu Lippe" "Arthur!", meinte ich. "Also habt ihr!" Ich schritt etwas schneller. Sollte er doch glauben, was er wollte. Arthur lachte anhand meiner Reaktion. Gwen kam mir entgegen. "Gwen", lächelte ich. "Victoria", erkannte sie mich, "Wie kann ich euch helfen?" "Ich muss meinen Kopf frei kriegen. Irgendwelche Vorschläge?" Sie überlegte, "Wenn ich das hier in die Küche gebracht habe, könnte ich euch auf den Markt mitnehmen. Ich muss noch Besorgungen machen. Aber dafür braucht ihr andere Kleidung" Ich sah an mir herunter. Da hatte sie wohl recht. "Ihr könnt euch etwas von mir ausleihen" 
Gwen führte mich zu ihr nach Hause und half mir aus meinem Kleid heraus und reichte mir eines von ihr. Der Stoff war viel grober, als ich es gewohnt war und es kratzte, aber ich freute mich. Jetzt war ich unsichtbar. Ich war keine Prinzessin mehr. "Dann mal los, Gwen" Ich hakte mich bei ihr unter. Sie gab mir auch einen Korb zum Tragen. "Wenn du wüsstest, wie gut es mir tut, mal ausserhalb der Schlossmauern zu sein", gestand ich ihr, "Es kann so erdrückend sein" "Es freut mich, dass ich euch helfen konnte. Ich half ihr den genzen Nachmittag Besorgungen für die Schlossküche und für sich zu machen. Sie ging auch zum Stoffladen. Sie meinte, sie wolle sich ein neues Kleid schneidern. "Ich möchte dir etwas draufsticken, wenn du gestattest", meinte ich. "Das würde mir sehr gefallen", meinte Gwen, "Ich bringe das Kleid zu euch, sobald es fertig ist" "Warum nimmst du nicht diesen Stoff?", meinte ich, "Er ist viel weicher" "Aber auch teurer!", meinte sie. Der Verkäufer blickte zwischen uns hin und her. "Das kann ich mir leider nicht leisten", gestand Gwen. "Ich mir schon!", fragte ich den Verkäufer, "Sie nimmt diesen hier" Ich deutete auf den feieneren Stoff, "und ich bestehe darauf, dass du dir noch einen zweiten heraussuchst, "Dann kannst du dir noch ein Kleid für Feste machen" "Bitte. Ich möchte nicht, dass ihr so viel Geld für mich ausgebt", meint Gwen. "Das tue ich gerne für eine gute Freundin. Ich möchte ein Lächeln auf dein Gesicht zaubern. Ich bin nur froh, dass ich meinen Geldbeutel dabei habe" Schliesslich bezahlten wir drei Goldstücke. Wir brauchten ja auch noch Garn, Stickgarn und Knöpfe. Voll beladen machten wir uns wieder auf den Weg zu ihr nach Hause. "Ich danke euch für eure Hilfe", meinte Gwen und räumte ihre Einkäufe an den richtigen Platz, während ich mich wieder umzog. "Ich habe zu danken. Ich habe lange nicht mehr so einen schönen Nachmittag verbracht. So unbemerkt zu sein, war schön" Gwen lächelte. Ich stieg aus ihrem Kleid. "Und danke für deine Kleidung" "Keine Ursache", half sie mir wieder in mein eigenes Kleidungsstück und schnürte es zu. "Ich begleite sich noch zur Küche, wenn es dich nicht stört", schlug ich vor. "Aber natürlich nicht"

Victoria Leinster of EnniskillenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt