Gefangen und Entkommen

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POV Jody:

- „Wir müssen die Tür schließen", rief mir Daryl zu und verschoss seinen ersten Pfeil aus seiner Armbrust direkt in den Kopf des ersten Walkers.

Mit gezogener Machete erledigte ich den nächsten Zombie, der den Raum betrat und sprintete zur Tür, um sie zu schließen. Der Flur war schlagartig mit Dutzenden von Walkers gefüllt, die sich den Weg zu uns bahnten. Während ich die Tür schloss, rammte ich einem weiteren Untoten meine Machete in den Kopf und lehnte mich mit meinem Rücken an die Tür an, um sie vom öffnen zu hindern.

- „ Wir müssen die Tür verbarrikadieren!", schrie ich während ich die Tür zu drückte, an deren anderen Seite die Zombies mit unglaublich erschreckender Wucht darauf einhämmerten.

Daryl schob einer der Metallregale des Lagerraums an die Tür und mühte sich dabei ab, ein weiteres Regal an die Tür zu zerren. Nach einer Weile war die komplette Tür mit Regalen, Kartons, einer alten Tiefkühltruhe und unzähligen anderen Kleinigkeiten blockiert. Trotz allem hörte man die ganze Meute, die unseren einzigen Fluchtweg versperrte immer noch brutal an die Tür hämmern. Bei jedem Schlag konnte man beobachten, wie die Tür drohte aus ihren Angeln heraus gerissen zu werden. Alles wackelte und zitterte.

- „ Das wird nicht lange halten", meinte ich leise und drehte mich zu Daryl um, dessen Gesicht in kompletter Dunkelheit eingetaucht war. Wir beide hatten unsere Taschenlampen fallen gelassen, die nun auf dem Boden in zwei verschiedene Richtungen leuchteten.

Daryl antwortete mir nicht und hob einer der Taschenlampen auf. Während er den Raum durchleuchtete und nach „irgendwas?" suchte. Ich hob meine Taschenlampe ebenfalls auf und suchte die Wand nach einem Lichtschalter ab. Die Wahrscheinlichkeit, dass er funktionieren würde, war so gering wie etwa der Gedanke, das Daryl mir mit einem zuckersüßen Lächeln entgegen lachen würde. Als ich den viereckigen Schalter fand und ihn andrückte, blinkten zu meiner großen Überraschung die Neonröhren an der Decke und fingen an zu knistern bis sie den Raum vollkommen mit ihrem weißen kalten Licht erleuchteten. Ich blinzelte kurz und musste mich an die ungewohnte Helligkeit gewöhnen.

- „ Wie es aussieht, ist der einzige Weg hier raus, dieses Fenster", sprach Daryl und zeigte auf das sehr kleine Fenster über ihm, dass mit einer Plane verdeckt war.

- „ Daryl, da passt du nicht durch! Da passe ich ja nicht mal durch! Da passt gar nichts durch", antwortete ich entsetzt.

- „ Hast du nen besseren Plan?", fragte er mich gereizt.

POV Daryl:

Verdammt! Wir stecken hier wirklich fest. Es hat mich überrascht, diese ganze Horde auf dem Flur zu sehen und wie sie einzeln versuchten, sich durch zu quetschen, nur um an der Tür zu gelangen und dort wie wild darauf einzuschlagen. Diese Drecksbiester! Mir ist selbst bewusst, dass diese provisorische Blockade nicht lange halten wird. Das Fenster war unsere letzte Hoffnung. Und verdammt nochmal, diese Frau hatte Recht. Sie hatte auch davor Recht. Ich habe keine Ahnung, woher diese Mistviecher heraus gekrochen sind, aber sie müssen von irgend etwas aufgeschreckt wurden sein.

- „ Ja, hab ich!", gab Jody zu meiner großen Überraschung zurück. „ Wir öffnen die Tür einen kleinen Spalt und lassen immer einen Zombie rein, denn wir gemeinsam töten", eröffnete sie mir.

Diese Frau war ja kaum zu bremsen, in ihrer Ideenfindung.

- „ Genau, wir stechen auf sie ein bis wir - Was?- Gebissen werden? Das Risiko ist zu hoch und wir werden das nicht lange aushalten. Woher sollen wir wissen, wie viele von diesen Untoten im Flur lauern? Vergiss den Flur fürs Erste", sprach ich entnervt.

Die ganze Situation war zum Brüllen komisch. Ich: eingesperrt mit Jody. Die einzige Hoffnung: Dieses Fenster. Durch das auch nur Jody rein passte. Wenn sie es wirklich schaffen sollte, müsste ich zusehen, wo ich bleibe, denn durch diese winzige Öffnung konnte ich mich nicht durch quetschen.

- „Wir bleiben bei meinem Plan", sagte ich und riss die Plane vom Fenster herunter. Es müsste jetzt Mittag sein und es schien so, als wäre kein Walker in Sicht.

- „Na los! Hoch mit dir", rief ich ihr zu und begab mich in die Hocke, damit sie über mich klettern und das Fenster erreichen konnte.

Jody bewegte sich keinen Millimeter weg von ihrer Position und blickte mich schockiert an.Ich merkte ihre Anspannung.

- „ Wenn ich mich durch das Fenster quetschen kann - und die Wahrscheinlichkeit ist wirklich sehr gering - ... Was passiert mit dir? Wie willst du hier raus kommen?", fragte sie mich nun sichtlich ängstlich.

War das wirklich Angst um mich , die ich aus ihrer Stimme abhörte oder war sie nur ein wenig panisch geworden?

-„ Wenn du draußen bist, startest du den Wagen und lockst so viele Walkers wie möglich raus. Mach dich aufmerksam, brüll rum , fuchtel mit den Armen, beleidige sie. Es wäre schon toll, wenn mehr als die Hälfte der Untoten, den Supermarkt verlässt damit ich durch den Flur raus kommen kann", erläuterte ich meinen Plan.

- „ Also willst du doch durch den Flur raus!", rief sie fassungslos.

Man sah ihr an, dass sie nicht sonderlich beeindruckt von der Idee war, aber sie konnte auch nicht dagegen stimmen. Vor allem musste ich ihr aber vertrauen - und dieser Gedanke gefiel mir so gar nicht.

- „ Das wird nichts", sagte sie mürrisch und legte ihren linken Fuß auf meine beiden zusammen geschränkten Hände, sprang vom Boden ab und setzte ihren rechten Fuß auf meine linke Schulter - danach folgte das andere Bein.

Sie war nicht sonderlich schwer und es vergingen ein paar Minuten, bis sie das Fenster öffnen konnte, da es eingerostet war. Irgendwann seufzte sie auf und ich merkte einen kleinen Windzug meinen Nacken entlang wehen. Nur mit Mühe, konnte sie sich durch das Fenster quetschen und in der nächsten Sekunde war keine Spur mehr von ihr zu sehen. Ich war nun alleine im Lagerraum und blickte hinauf zum Fenster.

- „ Jody?", fragte ich ungeduldig.

- „Jody!", rief ich etwas lauter und ein schriller Schrei unterbrach die Stille.

- „Jody", schrie ich laut aus und sah plötzlich unzählige Beine vor dem Fenster stehen. Walkers waren an das Fenster heran getreten und bückten sich nun, um sich durch das Fenster zu quetschen.

- „ Fuck!"

Was ist passiert? Was ist mit Jody passiert? Was war das für ein Schrei? Unzählige Gedanken rasten durch meinen Kopf, während ich meine Pfeile verschoss und bemerkte, dass es sinnlos war, meine Pfeile sinnlos ab zu feuern. Ich brauchte jeden einzelnen. Ich zog mir einen der Kartons unter das Fenster und kletterte darauf. Dabei zog ich mein Taschenmesser und rammte sie in die Köpfe der Zombies. Schnell schloss ich das Fenster und merkte schnell, dass es nicht für sehr lange halten würde.

Ich war gefangen und eingesperrt. Meine letzte Hoffnung war vermutlich tot und ich fühlte mich beschissen. Ich wusste nicht wieso, aber ich kümmerte mich sichtlich wenig um meine eigene Haut, als um Jody. Wo war sie und was ist mit ihr passiert? Ich war nicht bei ihr und der Gedanke, dass sie tot sein sollte versetzte mir einen ungewohnten tiefen Stich ins Herz. Was war das nur?

POV Rick:

„ Rick! Sieh dir das an", flüsterte mir Glenn zu, der sich neben mir befand und hinter einem ausgebrannten Wagen hockte.

Was ich sah, war kaum zu ignorieren. Die Straßen waren überfüllt von Zombies, die herum krochen und schlurften- sich ihren Weg durch die Gassen in alle Häuser bahnten. Etwas hatte sie aufgeschreckt oder angelockt. Ich hoffte nur, Dary und Jody ging es einigermaßen gut. Es war wirklich reiner Zufall, dass Glenn die Horde entdeckt hatte, die auf die Kleinstadt zu marschierte, in die Daryl seinen Ausflug geplant hatte.

Plötzlich durch fuhr ein Schrei die Stille. War das ... ?

„ Rick! Hey!", zischte mir Glenn herüber und zeigte auf eine Seitenstraße, in der sich Jody mit einem Haufen Untoter abplagte.

I Will Take Revenge ( The Walking Dead FF )Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt