Kapitel 12.

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Müde fahre ich den Laptop runter und mache alle Rollläden herunter. Mein Kopf ist voller trauriger Gedanken, denn die letzten Tage waren ein kleines Drama in der Praxis.

"Paddy, auf. Es geht nach Hause ", sage ich leise zu meinem Hund, der irgendwie auch niedergeschlagen aussieht. Die Rute hängt schlaff herunter und langsam trottet er hinter mir her. Als die Tür hinter mir zu fällt, bemerke ich erst den feinen Nieselregen und schnaube auf. Passt perfekt zu meiner Laune!

Maja, ein kleiner Papillon, 10 Jahre alt. Vor einer Woche kam die Nachbarin der Besitzerin mit dem Hund in die Praxis und ich bekam einen Schock. Der frühere schlanke, fröhliche Hund, war ein dickes Häufchen Elend. Sein ehemalig langes, schwarz weißes Fell war stumpf und schlecht geschoren. Die Kroatin berichtete mir, dass die Besitzerin nicht mehr mit sich klar käme. Die gesamte Wohnung war verwahrlost, voller Müll und voll gekotet, da Maja schlimmen Durchfall hatte. Maja kam nicht mehr raus, sondern verbrachte den ganzen Tag in ihrer eigenen Sch... ihr Hinterteil war eine verklebte Platte gewesen und sogar durch duschen ging das nur ganz schwer ab. Die Nachbarin hatte sie geschoren, da sie vollkommen verfilzt war.

Und da stand das kleine, dicke Bündel vor mir auf dem Tisch. Den Kopf gesenkt, mit leerem Blick. Mir blutete das Herz bei diesem Anblick. Und die Kroatin konnte Maja nicht da raus holen. Laut der Polizei war der Hund ein Gegenstand und wäre Diebstahl, sie ohne das Einverständnis der Besitzerin zu behalten. Ich fand das einfach nur grausam. Ich gab dem Hund eine Aufbauspritze und Diät-Futter, doch die Frau fürchtete, dass die Besitzerin das nicht geben würde. Ich sagte ihr, dass der Hund noch einmal nüchtern kommen sollte, damit ich Blut abnehmen konnte. Auch das konnte sie nicht versprechen.

Zwei Tage später kam die Frau erneut, der Hund war nüchtern und ich nahm tatsächlich Blut ab. Maja machte alles brav mit und schien sich langsam wieder für ihre Umgebung zu interessieren. Sie schnupperte an meiner Hand, was mich fast zu Tränen rührte. Das Diät-Futter hatte sie nicht bekommen, aber im Moment hatte sie erst mal keinen Durchfall mehr.

Am Wochenende musste Maja dann in die Tierklinik, da sie hohes Fieber hatte und da beschloss die Nachbarin, den Hund zu behalten. Und tatsächlich sagte die Besitzerin zu. Zwar musste die Kroatin einmal in der Woche vorbei kommen und den Hund ihr zeigen. Aber die Frau konnte den Hund auch nicht behalten. Sie hatte noch einen anderen Hund und einen langen Job. Maja brauchte ja viel Pflege im Moment. Heute War sie erneut bei mir gewesen und war noch etwas fideler als letztes Mal. Sie lief eilig herum, zwar etwas seltsam, da durch das Gewicht ihre Vorderbeine verbogen waren, aber sie war fröhlich. Sie schnupperte herum und begrüßte die anderen Patienten. Es War einfach rührend, zu beobachten, wie der kleine Hund, die Welt wieder neu entdeckte und alles ganz toll fand. Die Blutergenisse waren zwar nur mittelmäßig, aber daran konnte man viel verbessern. Aber Maja brauchte einen Platz!

"Ach Dicker, wo soll deine kleine Freundin bloß hin? ", sage ich leise zu meinem Hund und er sieht mich hechelnd an. Das bringt mich auf eine Idee. Eine sehr gute Idee!

Ein Ziemlich Berühmter "Hundetrainer" Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt