„Ich bin immer noch der Meinung, dass Männer nichts bei einer Geburt zu suchen haben!"
Leya grinste Raik an, doch dann verzog sie wieder schmerzhaft das Gesicht, als die nächste Wehe über sie hinweg rollte.
Raik schnaubte.
„Keiner, nicht einmal der dunkle Wikinger, hätten mich davon abhalten können, bei meiner Frau zu sein!", murrte Raik.
Leya holte tief Luft und legte ihren Kopf auf Raiks Brust, während er ihr den Schweiß zärtlich vom Gesicht tupfte.
„Ich war bei Raiks Geburt auch dabei! Und ich habe ihn als Erster gehalten! Du wirst auch bald sehen, dass es das schönste Erlebnis ist, dass ein Mann haben kann!", meldete sich Raiks Vater.
Raik verdrehte die Augen.
Alle Drachenträger waren immer noch zusammen. Raik wunderte sich, dass es Thorge offensichtlich nicht eilig hatte, zu seiner Eisinsel zu segeln. Doch er und die anderen wollten unbedingt die Geburt abwarten.
Bilal war vor einer Woche unvermutet aufgetaucht. Er hatte etwas davon erzählt, dass er wusste, dass sein dritter Enkel bald das Licht der Welt erblicken würde.
Leya und Raik hatten keine Ahnung, wie er das wissen konnte.
Nun saßen alle Männer vor der Schwitzhütte und warteten, bis Raik endlich mit guten Neuigkeiten herauskam.
„Oh nein! Ich werde nicht bei der Geburt meines Kindes dabei sein. Thyri will mich auch gar nicht dabeihaben!", behauptete er nun.
Leya kicherte.
„Ob er da so sicher sein kann?", flüsterte sie Raik zu, der schallend lachte.
Wieder kam eine Wehe und Raik hielt Leya fest in seinen Armen, während sie vor Schmerzen stöhnte.
„Ihr sollt da drin nicht lachen, sondern endlich zum Ende kommen!", brüllte Bilal.
Raik knurrte.
„Ich mag deinen Vater. Wirklich. Aber manchmal möchte ich ihn auch am liebsten umbringen!"
Die Wehe ging vorbei und Leya kicherte wieder.
„Nein! Willst du nicht!"
Sie stöhnte und sah zu Liv, die mit den anderen Frauen um sie herumstanden.
„Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, es ist bald soweit. Es drückt wirklich heftig!"
Liv lächelte und hob das Hemd an. Dann nickte sie.
„Ich sehe schon den Kopf, Kind." Sie sah zu den beiden. „Schwarzes Haar!"
Raik lächelte.
Wenn es ein Junge war, dann würde er bald den nächsten dunklen Wikinger in den Armen halten. Er sah zu Leya.
„Willst du dich hinlegen?"
Sie schüttelte den Kopf.
„Nein! Wenn es dich nicht stört, dann würde ich lieber stehen."
Raik schüttelte den Kopf.
„Nein! Alles, was du willst!"
Wieder stöhnte sie.
„Ich presse jetzt! Fang ihn auf!"
Raik lachte leise.
„Und wenn es ein Mädchen ist?"
Leya verdrehte die Augen.
„Dann eben sie."
Raik kniete sich vor sie hin und schob seine große Hand unter den kleinen Kopf.

DU LIEST GERADE
Raiks Offenbarung -Gunnarsson-Saga Teil 5-
Historical FictionRaik Tjarksson hält nichts von den Legenden, die um seine Familie gesponnen wurden. Er glaubt nicht daran, dass die Götter ihm eine Frau bereithalten, die ihn zu einem der Söhne Odins macht. Aus Vernunft geht er eine lieblose Ehe ein. Doch die Gött...