Kapitel 3️⃣0️⃣

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PoV Lou

Ich muss mit Takuya reden. Dieser Gedanke ging mit nicht mehr aus dem Kopf. Er hatte meinen Ausraster verursacht, da war ich mir sicher. Doch ich war mir nicht sicher, wie ich mich verhalten sollte, wenn ich ihn konfrontierte. Sollte ich ihn beschuldigen? Ihn einfach nur fragen, ob er etwas über den Effekt wusste? Wohl kaum.
Ich lag auf dem Rücken und meine Augen waren geschlossen. Am liebsten würde ich aufspringen, wegrennen, alle und alles hinter mir lassen. Aber das konnte ich nicht tun. Nicht schon wieder. Ich hatte den anderen schon zu oft Sorgen bereitet; ich musste wirklich anfangen, nicht nur an mich zu denken.

»Lou! Hey, aufstehen du Schlafmütze!« Ich gab ein Grummeln von mir, als ich von der Seite wachgerüttelt wurde. Ich blinzelte und sah die Gestalt Clary's vor mir. Sie wirkte seltsam gut gelaunt. Widerwillig setzte ich mich auf. »Wo ist Takuya?«, wollte ich wissen. Clary verdrehte die Augen. »Was weiß ich, ist doch egal.« Doch ich erblickte Takuya, nicht weit entfernt, mit Nuno spielen. »Ich will nur kurz mit ihm reden«, erklärte ich beschwichtigend, wissend, dass Clary es nicht so toll fand, wenn ich einen der Jungs ihr vorzog. »Aber nur kurz«, meinte Clary mit verschränkten Armen. Ich nickte und lief zu dem blauhaarigen Jungen. Er bemerkte mich erst gar nicht, da er damit beschäftigt war, Nuno beizubringen, auf zwei Pfoten zu laufen. Ich räusperte mich. »Ahhh!«, rief Takuya und verlor fast sein Gleichgewicht. »Erschreck mich doch nicht so!« »Tut mir Leid, ich wusste nicht, dass Katzendressur soviel Konzentration in Anspruch nimmt.« Nuno saß ruhig auf dem Boden und leckte sich die Pfoten. Sie musste mich schon beim Herkommen bemerkt haben und hatte sich nicht im geringsten erschreckt.
»Was willst du?«, fragte Takuya, ohne auf meine Bemerkung einzugehen; ihm war mittlerweile bewusst, dass er in verbalen Gefechten nur verlieren konnte.
Ich zögerte. Anfangs war ich mir so sicher gewesen, ihn einfach damit konfrontieren zu können, doch jetzt brachte ich kein Wort heraus. Takuya aber schien zu wissen, was mir auf dem Herzen lag. Er ließ sich nieder und lud mich ein, mich neben ihn zu setzen. »ACHTUNG!« Ich sah einen roten Haarschopf, gefolgt von einem schwarzen Schatten. Ich rollte mich bei dem Schrei instinktiv zur Seite. Nuno!, schoss es mir da durch den Kopf. Doch als ich aufblickte, sah ich Takuya, der sich sofort schützend vor die kleine Katze gestürzt hatte. Ich fühlte mich schuldig, weil ich wieder als erstes an mich gedacht hatte. Doch für Schuldgefühle blieb mir im Moment nicht viel Zeit, da ich von der Seite angegriffen wurde. Ich gab ein wütendes Fauchen von mir und stürzte mich ohne irgendwelche Waffen in den Kampf. Mit meinen Fäusten schlug ich auf meinen Angreifer ein und traf Metall. Ich schrie auf vor Schmerz und wurde gegen den nächsten Baum geschleudert. Meine Sicht war verschwommen, aber ich konnte den Kuro, der in bedrohlicher Haltung auf mich zukam, gut erkennen. Ich war so naiv gewesen, anzunehmen, dass diese Kraft, die ich nach Takuya's Berührung verspürt hatte, immer noch in mir zu haben. Doch ich war so schwach wie immer.
»Hilfe...«, brachte ich leise heraus, obwohl mich in dem Lärm des Gefechts sowieso keiner hören konnte. Der Kuro war jetzt direkt vor mir und ein Tritt ins Gesicht nahm mir das Bewusstsein.

Lost In RealityWo Geschichten leben. Entdecke jetzt