|41|~ Was hat es mit ihm auf sich?

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"Mein Name ist Clinton. Clinton Michaels."

Interessant. Allerdings habe ich trotzdem keine Ahnung wer er ist. Die Frage ist aber auch, ob er mir irgendwie bekannt vorkommen sollte.

"Sollte ich Sie irgendwoher kennen?", fragte ich ihn daher direkt, als mir allerdings im Nachhinein auffiel, dass das vielleicht ein wenig unhöflich sein könnte. Er schien damit jedoch kein Problem zu haben.

"Ach nein. Ich denke nicht. Ich wollte Ihnen lediglich ein paar Fragen stellen, wenn sie damit einverstanden sind." Immernoch skeptisch betrachtete ich ihn. In welcher Hinsicht Fragen meinte er wohl? Wie wir bereits herausgefunden haben, kennen wir uns nicht und ein Journalist oder ähnliches ist er ja offensichtlich auch nicht.

"Es sind Fragen über die Schule und die Schüler dort. Ich bin mit meiner Frau und meinen Kindern neulich hier in die Gegend gezogen und mir wurde gesagt, dass Sie dort zur Schule gehen und eine fleißige Schülerin sind. Ich möchte nur gerne eine zweite Meinung hören.", erklärte er, da er wohl meinen skeptischen Blick, welchen ihm übrigens auch meine Mutter zuwarf, bemerkte.

"Ihr könnt ja dann in die Küche gehen. Ich bin dann mal im Wohnzimmer.", sagte meine Mutter nur, obwohl sie immernoch skeptisch schien. Ich allerdings auch. Aber wer weiß, vielleicht stimmt es ja und er hat lediglich einen falschen Eindruck hinterlassen.

Innerlich zuckte ich mit den Schultern und ging schonmal voraus in die Küche, wohin er mir folgte, nachdem er die Tür geschlossen hatte. Wir setzten uns gegenüber an den Küchentisch woraufhin ich meine Finger ineinander verschränkte, um danach meine Hände auf den Tisch zu legen und ihn anzuschauen.

Er legte seine Hände in den Schoß, sodass ich sie nicht sehen konnte, da der Tisch ja noch zwischen uns stand.

"Na dann legen Sie mal los.", meinte ich kurzerhand und schaute ihn entschlossen an. Er nickte kurz und lehnte sich dann ein wenig nach vorne.

"Wie finden Sie die Schule persönlich? Ist sie gut oder eher schelcht?", fing er an und sah mich dabei fragend an. "Also Schule an sich ist ja bekanntlich nervig, aber mit meiner bin ich soweit eigentlich ganz zufrieden." Groß zu überlegen gab es hier ja nicht.

Wieder nickte er. "In welchem Jahrgang sind Sie?", fragte er weiter. "Ich wüsste zwar nicht, was sie das angeht, aber im 11.", antwortete ich und schaute ihn ein wenig herausfordernd an. Ohne sich davon beirren zu lassen, fragte er weiter.

"Dann kennen Sie doch bestimmt einen Jack Cooper, oder etwa nicht?" Ich war kurz davor zu antworten, als mir auffiel wie banal die Frage war und schaute ihn daraufhin verwirrt an.

Er änderte seine Gesichtsausdruck kein Stück. Sehr professionell. Er muss es wohl gewohnt sein, sein Pokerface beizubehalten.

Plötzlich fiel es mir wie Schuppen vor die Augen. "Ich möchte Sie bitten das Haus zu verlassen.", sagte ich kalt und schaute ihm dabei tief in die Augen. Diesmal schien er verwirrt.

"Habe ich etwas falsch gemacht?", fragte er verwirrt, schon fast verzweifelt. "Ich denke Sie wissen wo die Tür ist?", rede ich weiter, ohne auf seine Frage einzugehen und stand auf. Er erhob sich ebenfalls.

Ich hob meinen Arm und deutete auf die Tür. Langsam bewegte er sich darauf zu. Er lief weiter zur Haustür, ich ihm hinterher, um zu kontrollieren, dass er wirklich geht. An der Tür drehte er sich noch einmal zu mir um.

"Vielen Dank, dass Sie sich bereit erklärt haben mir ein paar Fragen zu beantworten. Schönen Tag noch." Mit diesen Worten drehte er sich um und verließ das Haus. Erleichtert atmete ich aus.

Ich wollte geradewegs in mein Zimmer laufen, doch wurde von meiner Mutter aufgehalten, welche sich mir in den Weg stellte.

"Wie kommt es, dass das Gespräch gerade mal fünf Minuten gedauert hat?", fragte sie und ich seufzte ein wenig.

"Der Typ ist ein Betrüger. Ob er Kinder hat weiß ich nicht, aber er ist keiner von der guten Sorte. Er wollte über mich Dinge über Jack herausfinden. Er ist wohl schon länger hinter ihm her.", erzählte ich ihr also meine Schlussfolgerung, der letzten Ereignisse.

Sie nickte nur, doch man sah ihr deutlich an, dass sie damit nicht gerechnet hat. Ohne etwas zu sagen ging sie zurück ins Wohnzimmer und schaute ihre Serie weiter.

Irgendwie untypisch für sie, aber wer weiß schon was ihr gerade im Kopf herumschwirrt.

Ich ging also in mein Zimmer und kramte mein Handy raus. Ich suchte Jacks Kontakt und schrieb ihm eine Nachricht.

[Ich denke mal du kennst einen Clinton Michaels?]

Ich legte gerade mein Handy weg, als ich eine Antwort bekam.

[Ja tue ich, aber die Frage ist, woher du ihn kennst?]

[Um es mal so zu sagen, er war gerade bei mir und wollte mich über dich ausquetschen bis ich ihn rausgeworfen habe.]

Kurze zeit später klingelte mein Handy und ich sah, dass Jack mich anrief. Ich nahm ab und musste mir ein Lachen unterdrücken. Da hat es wohl jemand eilig.

"Warum zur Hölle war er bei dir?!", fragte er direkt aufgebracht.

"Er hat wohl mitbekommen, dass wir in letzter Zeit mehr miteinander zu tun hatten.", antwortete ich gelassen und legte mich dabei auf mein Bett.

"Wie kannst du dabei eigentlich so gelassen bleiben? Ist dir eigentlich bewusst, was er hätte anstellen können? Wie kam er überhaupt rein und wie wollte er dir die Informationen entlocken?", ratterte er in einem Band runter, woraufhin ich schmunzeln musste.

Ist vielleicht nicht die beste Situation, aber es ist irgendwie witzig.

"Doch ich weiß es, aber ich will mich nicht unnötig aufregen. Es ist nichts passiert und außerdem habe ich heute noch was vor."

"Ich komme gleich vorbei, dann können wir weiter reden.", meint er plötzlich, woraufhin ich erschrocken aufsprang.

"Bitte was?! Nein! Auf keinen Fall! Ich erwarte Besuch und du bist nicht erwünscht!", rief ich aufgebracht, doch vergebens.

"Ja, mir egal. Wenn ich sage, dass ich vorbei komme, dann komme ich auch vorbei. Da stört es mich auch nicht, ob deine ganze Familie zu Besuch ist oder sonst wer."

Ich fuhr mir einmal durch die Haare und überlegte, wie ich ihn abwimmeln konnte, doch mir fiel einfach nichts ein.

"Bitte nicht, Jack. Das heute ist mir sehr wichtig und du würdest es nur kaputt machen. Können wir nicht einfach morgen weiter darüber reden? Damit würdest du mir einen rieseigen Gefallen machen!", versuchte ich es also weiter, doch meine Hoffnungen waren schon zerplatzt, denn mit Jack konnte man nicht diskutieren.

Nach kurzem Zögern hörte man jedoch ein Seufzen auf der anderen Leitung. "Na gut."

Unmittelbar danach klingelte es an der Tür, weshalb ich ihm nicht tausend mal dankte sondern mich kurz bedankte und auflegte.

Mal sehen, wer das so ist.

A little different (*pausiert*)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt