Kapitel 8

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Ein Schütteln an seiner Schulter riss den jungen Mann aus dem Schlaf.

»Luca ... steh auf.«

Erschrocken öffnete er die Augen und sah in das Gesicht seiner Freundin Willow, die ihn amüsiert musterte.

»Was zum Teufel ...«, verwirrt schaute er sich um. Er saß immer noch unter dem Baum auf der Pferdekoppel und es war bereits stockdunkel. »Wie spät ist es?«

Willow schmunzelte. »Fast Mitternacht. Was tust du hier draußen? Ich hab mir Sorgen gemacht. Hast du wieder gegrübelt und bist darüber eingeschlafen?«

Langsam stand Luca auf und rieb sich fröstelnd die Arme. Er war noch nicht richtig bei sich und durch das abrupte Wecken war ihm jetzt kalt. »Nein, ich hab mich über Alan geärgert und dann bin ich wohl eingepennt.«

»Geärgert? Wegen morgen? Wegen des Vorreitens?«

»Er hat es dir schon erzählt, wie ich höre.«

»Ja, das hat er. Zerbrich dir mal nicht den Kopf. Wir machen das alles im Rahmen des Möglichen. Und vielleicht ist es ja auch nicht mehr ganz so heiß nachher. Zur Not gehst du in die Halle, da ist es ja eigentlich erträglich«, sagte Willow und Luca nickte.

Seine Freundin hatte ja recht. Es brachte eh nichts, sich deswegen verrückt zu machen, denn das würde nichts ändern. Er hatte keine andere Wahl, als den Wünschen Lady Bramletts zu entsprechen.

»Und sonst? Alles okay bei dir?«, fragte die junge Frau, als sie nebeneinander über den Hof gingen, »Keine schlechten Träume?«

»Nein ... eigentlich nicht. Alles in Ordnung«, log Luca nach einem Moment des Zögerns. Wozu sollte er die Pferde scheu machen und Willow erzählen, dass er tatsächlich vergangene Nacht wieder einmal von Arian geträumt hatte. Es würde nichts ungeschehen machen, nur würde seine Freundin sich unnötige Gedanken machen. Nein, er musste selbst damit klarkommen. Zum Glück hatte Luca es auch weitestgehend geschafft, seinen Kopf frei von dem dunkelhaarigen Mann zu bekommen und so hoffte er, dass er ihn bald ganz vergessen haben würde. Obwohl er sich nicht sicher war, dass er das auch wirklich wollte. Irgendwie wünschte er sich immer noch, Arian doch noch einmal wiederzusehen. Anderseits ...

»Gut, ich möchte mir nämlich nicht permanent Sorgen um dich machen«, unterbrach Willow seine Überlegungen.

Sie stiegen die Stufen zum Herrenhaus hinauf und betraten die spärlich erleuchtete Eingangshalle. Eine weitere Treppe brachte sie in den oberen Teil des Gebäudes, wo ihre Zimmer lagen. An der ersten Tür des Gangs blieben sie stehen und Willow drückte Luca einen Kuss auf die Wange. »Gut, dann schlaf schön. Wir sehen uns später.«

»Du auch«, erwiderte der Jugendliche und während die junge Frau in dem Raum verschwand, ging er weiter den Flur hinunter, bis zum letzten Zimmer. Luca betrat dieses und ließ sich sofort seufzend auf sein Bett fallen, wo er nur wenige Augenblicke später in einen tiefen und unruhigen Schlaf fiel.

Der nächste Morgen kam viel zu schnell. Als sein Wecker losplärrte, stand Luca murrend auf und verschwand erst mal unter der Dusche. Dazu war er vor dem Einschlafen zu kaputt gewesen. Anschließend frühstückte der Jugendliche mit Willow und Alan, wobei dieser es sich nicht nehmen ließ, ihn, Luca, noch einmal eindringlich an seine Pflichten gegenüber Lady Bramlett zu erinnern, bevor er sich mit seiner Freundin auf den Weg zum Stall machte, um die ersten Pferde zu bewegen. Sie hatten sich genaue Pläne gemacht, wann welches Tier trainiert werden sollte, damit auch keins zu kurz kam. Noch war es angenehm kühl, aber das würde in zwei, drei Stunden vorbei sein. Also hielten die beiden sich ran, um ihr Programm durchzuziehen.

Als die letzten beiden Jungpferde geritten und anschließend auf die Wiese gebracht worden waren, strich sich Luca durch die verschwitzten Haare. »So, das wäre geschafft. Jetzt haben wir etwas Ruhe, um uns auf den Nachmittag vorzubereiten.«

VAMPIRES Book of Eternity I. - White BirdWo Geschichten leben. Entdecke jetzt