Kapitel 3 - Flucht

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**Kylos Sicht**

Nun sind es schon zwei Monate her seit dem Kampf auf Crait zwischen der Ersten Ordnung und dem Widerstand.
Es war mir eigentlich egal wie es ihnen ging, doch eine Sache wollte nicht aus meinem Kopf verschwinden, besser gesagt eine Person: Rey. Ich hatte ihr angeboten, mit mir zu kommen. Bei mir zu sein, für immer. Doch sie hatte es abgelehnt und stattdessen versucht mit dem Lichtschwert von Luke zu entkommen.
In dem Moment, als Rey ihre Hand von meiner wegzog und sie auf das Lichtwert richtete, zersprang meine Hoffnung, Rey für immer an meiner Seite zu haben, in tausend Scherben.
Doch ich wollte sie nicht gehen lassen und benutzte deshalb meine Macht, um das Schwert wieder zurück zu ziehen. Leider gelang mir dies nicht, im Gegenteil. Wir beide wurden von der Macht des anderen nach hinten gestoßen und fielen bewusstlos zu Boden.
Als ich wieder aufwachte, fand ich mich auf dem kalten Boden des Thronsaals wieder und sah in das nervigste Gesicht, dass es in der Galaxis gab. General Hux, der sich wohl gerade erst hier eingefunden hatte, da er mich entsetzt ansah und sofort eine Erklärung, für das was seine Augen ihm zeigten, einforderte. Doch mich interessierte nur eines: Wo war Rey? Als diese Frage mit einem erschreckend lauten Ton aus meinem Mund kam, war ich selber überrascht. Natürlich hatte ich in seiner Gegenwart nicht ihren Namen genannt, sonst hätte er gemerkt, dass Rey und ich uns persönlich schon gut kannten. Lust auf seine dämlichen Fragen hatte ich ebenfalls nicht. Er schaute mich zwar verwundert an, antwortete aber trotzdem. Wie sich nach kurzer Zeit herausstellte, lag ich mit meiner Vermutung richtig. Rey war geflüchtet. Aber als General Hux mir dann auch noch berichtete, dass sie mit einem Schiff von Snoke geflüchtet war, verlor ich endgültig meine Ruhe. Ich begriff erst dann, dass Rey wirklich weg war und nicht geblieben ist, wie ich es mir eigentlich erhofft hatte.
Voller Wut stapfte ich Richtung Fahrstuhl, wollte den Saal verlassen und machte General Hux gleichzeitig klar, dass wir den Widerstand nun endgültig vernichten mussten.
Aber als er sich wieder einmal gegen mich stellte und meinem Befehl nicht Folge leisten wollte, mir auch noch widersprach, riss mir der Geduldsfaden und ich fing an ihn mit Hilfe der Macht zu würgen. Zu seinem Glück hörte der General sofort auf mir zu widersprechen und sah mich endlich als das an, zu dem ich mich selber ernannt hatte: Als neuen Obersten Anführer.

Endlich waren wir auf dem Planeten Crait angekommen und standen dem Widerstand kampfbereit gegenüber. Erst sah es so aus, als könnten wir den Widerstand bezwingen, doch dann tauchte auf einmal der Millennium Falke am Himmel auf. Als ich diesen erblickte, kam alles wieder in mir auf. Er erinnerte mich an meinem Vater und nun auch noch an Rey. Voller Wut befahl ich einem meiner Untergebenen, diesen Schrott vom Himmel zu schießen.
Ich hatte in diesem Moment gar nicht drüber nachgedacht, ob Rey sich nicht mittlerweile in dem Falken befand, doch das konnte ja eigentlich nicht sein, da sie mit einem Schiff von Snoke geflüchtet war. Als der Millennium Falke dann aber ein paar meiner TIE-Jäger abschoss, konnte ich mich gar nicht mehr auf das Wesentliche konzentrieren. Ich schaute vollkommen überfordert durch die Gegend. Ich schrie nur so um mich und schleuderte General Hux wieder einmal gegen die Wand, da dieser mich nach imitierte und mir das nicht passte. Auf einmal spürte ich die Präsenz von jemandem, der mir nur allzu bekannt vorkam. Luke Skywalker, der genau im selben Moment aus dem Tor trat, das den Widerstand schützten sollte. Sofort befahl ich, alles was wir besaßen auf ihn zu feuern. Nachdem sie meinem Befehl Folge geleistet hatten und die Sicht langsam wieder klarer wurde, erkannte ich, dass Luke nicht einmal einen Kratzer abbekommen hatte.
Mit angestrengtem Gesicht ging ich in Richtung Tür des Schiffes und befahl den Offizieren, mich runter zulassen. Das Schiff landetet auf dem schneeweißen Boden, woraufhin ich mit schnellen Schritten auf Luke zu lief, der mich die ganze Zeit über nur beobachtete.
Endlich stand ich nah genug bei ihm, um meinem jämmerlichen Onkel endlich das zurück zu zahlen, was er meinem Leben angetan hatte. Ich war mir sicher, dass er Rey beeinflusst hatte und sie ohne ihn wahrscheinlich bei mir geblieben wäre. Doch dieser Gedanke musste erst einmal warten. Luke der immer noch genauso wie am Anfang vor mir stand, hatte mittlerweile ein trauriges Gesicht aufgesetzt, was mich dazu bewegte, ihm etwas zu sagen. Als er sich dann auch noch bei mir entschuldigen wollte, zeigte ich deutlich, dass ich ihm seine Schauspielerei nicht abnahm.

Als unser Kampf, genauer gesagt mein Kampf, zu Ende war, wollte Luke mir weismachen, dass ich mit all meinen Aussagen falsch lag.
Er machte sich sogar etwas darüber lustig, dass ich alle töten wollte, darunter ihn, den letzten Jedi. Luke starrte mich daraufhin nur mit einem eindringlichen Blick an und ließ mich mit dem Wissen zurück, dass wir uns noch einmal wieder sehen würden. Doch bevor ich noch etwas sagen konnte, war er auch schon verschwunden.
Plötzlich durchfuhr mich meine ganze Wut. Wieder einmal wurde ich von Luke bloßgestellt und das nicht nur vor der Ersten Ordnung sondern auch noch vor dem Widerstand.
Nach einigen Wutausbrüchen und lautem Geschrei von mir, beruhigte ich mich langsam wieder und machte mich mit der Ersten Ordnung auf, in das Versteck des Widerstands, das sich hinter dem Tor befand. Schon als ich eintrat, kam mir eine kalte Brise entgegen und ließ eine Gänsehaut auf meiner Haut zurück. Der Anblick und der Gedanke, dass sich hier eben noch meine Mutter aufgehalten hatte, brachte mich dazu, mich etwas zögerlich umzusehen.
Als ich an einem Raum ankam, der aussah wie eine Art Zentrale trat ich ein, wies aber sofort die Sturmtruppler hinter mir zurück und gab ihnen mit einer Handbewegung zu verstehen, dass sie mir nicht folgen sollten.
Der Raum, in dem ich mich nun befand, war nicht gerade groß. Außerdem wirkte er schon sehr alt, da sich in ihm noch viele alte Steuerungen befanden. Ich schaute mich noch einmal genauer um, als ich plötzlich aus dem Augenwinkel etwas aufblitzen sah. Ich ging auf das zu, was mir gerade eben noch ins Auge fiel und kniete mich dabei hin, um es näher zu betrachten. Als ich erkannte, dass es sich um die Kette meines Vaters handelte, die wahrscheinlich meine Mutter bei sich hatte und sie hier verlor, wurde ich aus meiner Fassade gerissen.
Als dann auch noch dieses eine bekannte Gefühl in mir aufkam und ich auf einmal Reys Wärme spürte, schaute ich hoch um mich zu vergewissern, dass dies keine Einbildung, sondern echt war. Ich sah ihr direkt ins Gesicht.
Sie war gerade dabei, den letzten Widerstandskämpfern in den Millennium Falken zu helfen, als sie mich auch schon erblickte. In dem Moment, als sie mir in die Augen sah, versuchte ich aus ihnen zu lesen, was sie wohl über mich dachte. Doch als ich ihren Gesichtsausdruck bemerkte, erkannte ich Trauer, Enttäuschung und Kummer darin. Ich wollte gerade etwas sagen, doch ich kam nicht weit, da Rey im gleichen Moment die Tür des Falken schloss. Ich erstarrte durch Reys Tat. Ich wusste, dass sie mich nicht sehen wollte, doch dieser Gedanke ließ mich traurig zu Boden blicken.

Durch all diese Geschehnisse brauchte ich etwas Zeit, um diese verarbeiten zu können. Normalerweise ließ ich alles an mir abprallen. Das konnte ich gut. Schon seit klein auf wusste ich, wie ich mit solchen Situationen umgehen sollte. Doch dieses Mal war es anders. Ich war so in meinen Gedanken versunken, dass ich nicht bemerkte, wie eine Person den Thronsaal betrat.
»Oberster Anführer, wir konnten den Widerstand ausfindig machen«, berichtete mir dessen Stimme. Ich schreckte hoch und riss mich dadurch selber aus meinen Gedanken.
»Was habt ihr?«, fragte ich leicht verwundert.
»Wir haben den Widerstand gefunden«, wiederholte General Hux schnell.
»Wie kam es dazu?«, wollte ich von dem General wissen. Ich war immer noch vollkommen verwundert und fragte mich, ob ich mich vielleicht verhört hatte.
»An dem Schiff mit dem das Mädchen geflüchtet ist, befand sich ein Peilsender, den wir auch schon nach kurzer Zeit orten konnten. Doch...«, stoppte General Hux und sah mich etwas verunsichert an, fuhr dann aber fort.
»Wir brauchten etwas länger, um den Falken zu orten mit dem der Widerstand geflüchtet war«, beendete General Hux seinen Satz.
Ich schaute ihn etwas geschockt an und fragte daraufhin: »Wie ist es Ihnen bitte gelungen den Falken zu orten?« Schon als ich den Satz zu Ende gesprochen hatte, machte sich ein breites Grinsen auf General Hux Gesicht breit und er beantwortete meine Frage mit einem selbstsicheren Ton.
»Wir konnten ihn anhand Snokes Schiffes, dass sich wohl in der Nähe befand orten, da der Peilsender eine große Fläche zum aufspüren hatte und so auch den Falken mit anzeigte. Es hat zwar etwas gedauert dieses Signal wieder herzustellen, da es nur kurz vom Peilsender aufgezeichnet wurde, doch jetzt wissen wir wo sie sich befinden«, sagte er.
»Sehr gut. Sie können gehen«, versuchte ich es möglichst emotionslos hervorzubringen.
Als ich endlich wieder alleine im Thronsaal war, schaute ich nachdenklich zu Boden.
Ich wusste nicht, was ich jetzt tun sollte. War es nicht genau das, was ich wollte? Das der Widerstand ausfindig gemacht werden sollte und ich ihn dann endlich vernichten konnte? Aber ich dachte, dass mir noch etwas mehr Zeit blieb, um mir darüber Gedanken zu machen.
Stattdessen befanden wir uns schon auf dem Weg zum Widerstand und mir wurde langsam klar, dass ich Rey wiedersehen würde. Doch eines hatte ich mir in den Kopf gesetzt und ich würde mich nicht davon abbringen lassen: Sie sollte endlich auf der gleichen Seite wie ich stehen.

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Dieses Mal ist das Kapitel aus der Sicht von Ben geschrieben. Aber wie wird Rey wohl reagieren, wenn sie Ben wieder sieht und das ohne Machtverbindung? Und wird Ben es wirklich wahr machen und Rey auf seine Seite bringen?

THE LAST 𝐃𝐄𝐂𝐈𝐒𝐈𝐎𝐍Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt