Mitternachtsparty

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3 Monate später:

„Sieh zu mir!"
Die Tränen rannen über mein Gesicht, das konnte er doch nicht machen. „Nein!"
„Schau zu mir. Ich befehle es dir!" Seine dunklen Augen bohrten sich in meine tränenbefüllten.

Lange konnte ich seinem Blick nicht standhalten und ging schließlich doch zu ihm, um dann meinen Blick auf die zitternde Person auf dem Boden zu richten.

„Schau genau zu was ich mit diesem wertlosen Schlammblut mache."
Vater richtete seinen Zauberstab auf die vor Angst schluchzende, zitternde Hexe. Mein Herz zog sich zusammen als ich dieses Häuflein Elend am kalten Steinboden sah. Alleine war sie, ohne Familie, Freunde, Leuten mit den gleichen Ansichten ... alleine, ohne Hoffnung auf eine Befreiung. Sie war dem Tod schon näher als sie selbst vermutlich ahnte.

Ich schluckte, doch konnte meinen Blick nicht abwenden. „CRUCIO!"
Vaters Stimme bebte durch den ganzen Raum und sein hasserfülltes Lachen hallte durch das Gewölbe und fuhr mir durch Mark und Glied.

Die Hexe unterdessen begann zu zucken, sich zu winden und zu schreien. Sie musste Höllenqualen erleiden, denn sie krampfte sich immer wieder zusammen, während ihre Schreie durch das ganze Haus tönten. Meine Augen wurden groß und meine Hände schwitzig. Es faszinierte mich, was mein Vater für eine Kontrolle auf diesen leblosen Körper hatte.

Er hörte auf. Jetzt konnte man nur noch das Wimmern der Frau und Vaters zufriedene Lachen hören. Mein Herz klopfte schneller, würde er sie jetzt umbringen? Und was bedeutete das überhaupt, tot zu sein?

„Du hast es nicht verdient zu leben, dreckiges wertloses Schlammblut. AVADA KEDAVRA!"

Stille. Wieder traten Tränen in meine Augen, die ich jedoch schmerzhaft zurückhalten wollte. Vater würde sonst auszucken wenn er das sieht, er war ohnehin schon wütend auf mich. „Na, jetzt siehst du was man mit wertlosen Leuten wie der da macht", meinte er zufrieden, mit Spott in der Stimme. „Du kannst jetzt gehen, doch will ich nie wieder sehen, wie du vor meinen Taten wegrennst."

Ich fuhr aus dem Traum hoch. Mein Atem ging schnell, mein Herz raste. „Nur ein kleiner Albtraum, Alecto", versuchte ich mich selbst zu berühigen, doch ich wusste, es würde nichts bringen. Wieder einmal war das nicht nur ein Traum sondern eine Erinnerung gewesen, wenn nicht sogar die Schrecklichste.

Es gab wenige schlechte Erinnerungen von meinen Eltern, doch an diesem einen Abend, an dem ich fast vier Jahre alt war, hatte ich mich vor meinem Erzeuger gefürchtet. Ich hatte eine neue Seite von ihm kennengelernt, eine, von der ich schon so oft gehört hatte, aber sie nie am eigenen Leib gespürt hatte. Doch an diesem Tag war ein Teil meiner kleinen Kinderwelt, die mich geschützt hatte zusammengestürzt und hatte die nackte Wahrheit an mich heran gelassen.

Langsam stand ich vom Bett auf, darauf bedacht keine unnötigen Geräusche zu machen. Ein Blick auf meinen Muggelwecker zeigte mir, dass es mitten in der Nacht war: 03:27Uhr. Lautlos tapste ich in den Flur und die Treppe hinunter in die Küche.

Gerade wollte ich mir eine Milch aus dem Kühlschrank holen, als schon jemand davor stand. Philo durchwühlte gerade den Schrank während er einmal kräftig gähnte. Ich räusperte mich. Er hielt in seiner Bewegung inne und drehte langsam seinen Kopf zu mir. Jetzt war ich die, die überheblich grinste und ihn herausfordernd anschaute. „Öhm ... ich, ähm ... ich wollte nur ... willst du auch?" Er streckte mir die Milch entgegen, während er mich hoffnungsvoll anschaute.

Ich verzog den Mund zu einem leichten Lächeln, doch nickte. Erleichtert schloss Philo den Kühlschrank, holte zwei Gläser und füllte dann etwas aus dem Milchpäckchen hinein. Schnell war die restliche Milch wieder verstaut und die beiden Gläser in unseren Händen.

„Ähm ... prost", nuschelte mein Stiefbruder und nahm einen kräftigen Schluck seines weißen Getränkes.
„Prost", stimmte ich mit ein, hob das Glas und leerte etwas Milch in meine Kehle.

„Konntest wohl auch nicht mehr weiter schlafen, oder?"
„Jap", nickte Philo und deutete auf die Couch.
Ich nahm neben ihm platz und begann wieder einmal die Bilder auf der Wand zu betrachten. Es waren in den letzten Jahren vier hinzugekommen: Zwei mit Emm und mir, eines mit Emm, als sie selbst noch ein Kind war und ihren Eltern und eines von Philo. Auf dem Foto stand er auf dem Fußballplatz, hielt einen Ball in der Hand und strahlte in die Kamera.

„Wie war es so ein Einzelkind zu sein?"
Ich schreckte hoch und fixierte nun einen ernst wirkenden Philo, der mich seinerseits auch anschaute.
„Es war ... anders. Aber eigentlich auch nicht wirklich."

Jetzt hob mein Stiefbruder doch noch belustigt seine Augenbraue: „Warst du denn auch bei deiner richtigen Familie ein Einzelkind?"
Und schnell war er wieder ernst geworden. Wie schaffte er das bloß? Leider wusste ich jetzt nicht, ob ich die Wahrheit sagen durfte. Doch ich entschied mich dafür, denn warum sollte eine einzelne ziemlich unwichtige Information die Identität meiner richtigen Familie zerstören? „Ja war ich und du?"

„Nope, ich hab einen großen Bruder."
Stille. Wieder hingen wir beide unseren Gedanken nach.
„Wie gefällt es dir eigentlich in der Schule?" Ich hatte diese drückende Stille nicht mehr ausgehalten.
Philo antwortete: „Ganz gut, aber Hogwarts wird sicher cooler."
„Hmmm", machte ich nachdenklich. Ich war schon längst drauf gekommen, dass Philo magische Kräfte hatte, aber seinen Blutstatus kannte ich immer noch nicht. Ebenfalls warum er mich am Anfang immer so angestarrt hat, wusste ich nicht. Gott sei Dank hatte er damit aufgehört, doch trotzdem hatte ich immer wieder das Gefühl, dass er mir etwas verheimlichte.

„Ich geh dann Mal wieder hinauf, vielleicht kann ich ja doch noch Mal für ein paar Stunden Schlaf finden." Philo stand auf, stellte sein Glas in die Abwasch, warf mir noch schnell einen Blick zu und ließ mich dann alleine.

Tick. Tack. Erschöpft lehnte ich mich zurück, es war bereits 03:48Uhr. Morgen hatte ich normal Schule, doch das war mir egal.

Tick. Tack. 04:02Uhr. Immer noch starrte ich Löcher in die Luft und dachte an den Traum und an Philo. Wollte ich überhaupt wissen, ob er Reinblut war? Es würde doch sowieso nichts bringen und mich unnötig aufregen.

Tick. Tack. 04:25Uhr, jetzt machte ich mich doch noch einmal auf in mein Zimmer.

Tick. Tack. 05:34Uhr, ohne an Schlaf zu denken lag ich wach in meinem Bett und starrte auf die schwarze Decke über mir. Sie schimmerte im Schein des Mondes leicht bläulich, was mich an Ravenclaw erinnerte. Doch ich wollte nie in dieses Haus. Einzig und alleine nach Slytherin. Ja, Slytherin war richtig für mich.

Tick. Tack. 5:58Uhr, endlich fiel ich in einen Halbschlaf. Träumte von einem Flug über die Ländereien Hogwarts. Vom sprechenden Hut, der mich eines Tages in ein Haus einteilen würde. Und dann träumte ich von einem bleichen Gesicht, welches mir sagte, ich solle mir bloß keinen Fehltritt erlauben. Weil er mein Vater wäre.

Die Tochter des dunklen Lords (Harry Potter Fanfiction)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt