juni

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lauer sommerabend
jetzt ist der juni wieder fast vorbei
das schönste im jahr
obwohl ich das auch nicht mehr so weiß
ich kann in letzter zeit so schwer
schönes von gleichgültigem unterscheiden.

die sonne lugt warm und liebevoll durch die blätter
rieselt sanft alles licht über mich
was ich im winter so sehr vermisst habe
der wind lässt einzelne haarstränen tanzen
ich sehe dabei zu wie sie getragen werden
und denke daran wie es wäre wenn du hier wärst
ich weiß nichtmal welches "du" ich genau meine.

mein tag war irgendwie dieses mal kurz.
so schnell weg- und aufgeräumt
nur ein kurzer zwischenfall
ohne ankündigung oder nachspiel
so lange her
irgendwie schade.

der teer strahlt lauwarme resthitze ab
umhüllt mich von allen seiten tröstend
ich bin irgendwie nüchtern
schweigend schiebe ich mich durch die welt
hebe eine verirrte papiertüte auf
der mann nickt mir zu, er findet das gut, dass ich das mache
ich nicke und er zieht seinen hund weiter.

einsam
bin ich
und zugehörigkeitslos
manchmal ganz leer und taub.
ich merke
dass ich zeit habe
aber weiß nicht wie ich sie füllen soll
wie ich ihr bedeutung geben kann
ich habe so viele unendliche stunden und minuten
aber ich tue garnichts.

ich hätte gerne mehr gesagt
weißt du
aber es ist immer so wenig zeit
wenn wir uns mal sehen
ich wäre auch gerne ehrlicher
und würde einfach das sagen was ich denke
und es nicht nur denken und denken und totdenken.

ich sehne mich manchmal
nach was was so nah an mir dran ist
dass es meinen oberarm kitzelt
Und mir in der nase kribbelt
und trotzdem komme ich nicht drauf
blicke in das sinkende orange
dehne meinen müden körper
und denke: „ wann wird sich meine kleine seele ganz anfühlen oder ist sie das bereits"

das einzige was ich weiß ist
dass ich wenig weiß
ganz gleichgültig wie viel ich rede
bleibt die bedeutung aus
und umso mehr ich lese
desto belangloser wird aller inhalt.
vielleicht brauchte ich dich
doch habe vergessen nach dir zu greifen
gedacht, dass er der richtige ist
aber das ist auch bescheuert
weil ich währenddessen immer an dich gedacht habe.
Und dann warst du weg
und ich stand im wald
auf dem geteerten durchfahrtsweg
eine gänsehaut hauchte über meine arme
weil es beinahe dunkel war und die zweige im wind wippten
und dachte, dass es weder das schicksal geben kann
noch zufall
und dass es auch vielleicht wieder an mir lag. alles.
juni war es.
und ganz warm von der sommersonne
aber schon beinahe dunkel
als ich in den wald versprach, dass der nächste juni wieder besser wird.

kunterschwarzWo Geschichten leben. Entdecke jetzt