Kapitel 7
Malik steckte den Kopf durch die Tür und scannte den Raum nach Miray. Als er sie auf dem Bett erblickte, trat er ein und setzte sich auf die Bettkante.
Miray hatte sich tief in ihr Bett gegraben und die Bettdecke bis zur Nasenspitze hochgezogen. Mit müden Augen starrte sie Malik an.
„Ich habe dir da mal ein bisschen was mitgebracht", sagte Malik lächelnd und hob eine Plastiktüte aufs Bett. Das Zeichen einer Apotheke war darauf abgedruckt.
„Hier was gegen Halsschmerzen, was gegen Kopfschmerzen, was für die Nase..." Malik holte immer mehr Packungen aus der kleinen Tüte. Miray fühlte sich, als würde er bei ihr eine eigene Apotheke errichten wollen.
„Das...das wäre nicht nötig gewesen...", nuschelte sie verlegen, während sie im Kopf die Preise für all die Medikamente zusammenrechnete.
„Red' keinen Müll. Hauptsache es geht dir bald besser und wir können unser Essen nachholen." Während er sprach, beugte sich Malik immer weiter nach vorne, bis sein Gesicht über ihrem schwebte. Zum Glück mit einigem Abstand. Allerdings fühlte Miray sich jetzt gefangen. Sie hatte keine Chance ihren Kopf irgendwie aus seinem Blick zu ziehen. Für einen Moment konnte sie die silbernen Schlieren entdecken.
„Allerdings. Ich hatte mich auch schon darauf gefreut...", hörte sie sich selbst traurig murmeln. Das war sie nicht! Sie wollte das nicht sagen!
Es war genau wie gestern Abend mit Dominic. Sie sagte Dinge, die sie definitiv nicht sagen wollte. Ein Funken Wut loderte in ihren Augen auf. Sie fühlte sich manipuliert, woher auch immer das kam. Die beiden werden sie wohl kaum beeinflusst haben. Allerdings verhalf ihr die Wut zu klaren Gedanken.
„Wobei...nein. Nein, ich möchte nicht mit dir ausgehen. Das ist mir alles zu viel gerade. Geh bitte." Sie schaffte es ihren Blick zu lösen und sich auf die Seite zu drehen, sich vor ihm zu verstecken.
Maliks Augen nahmen wieder ihre ursprüngliche Farbe an. Er schaute sichtlich verwirrt drein. Miray hatte ihn einfach aus ihrem Geist geworfen. Das war ihm bisher noch nie passiert. Kaum einer bemerkte, dass er überhaupt dagewesen war. Malik war schon immer gut darin seine Spuren zu verwischen. Trotzdem hatte sie ihn ausgesperrt und ein dickes Schloss an sich gehangen. Jeder Versuch wieder in ihren Geist vorzudringen wurde direkt abgeblockt.
„Wenn du Klartext redest, kann ich das ebenso tun." Malik setzte sich wieder aufrecht hin und stützte sich dabei auf seinen Händen an der Bettkante ab.
„Was meinst du damit?" Miray drehte sich wieder zu ihm um. Sie hatte sich doch gedacht, dass das Essen nur ein Vorwand war.
„Ich wollte dich in Geheimnisse einweihen, da du ein Teil von ihnen bist. Eigentlich hatte ich vor, dass ganze sanft angehen zu lassen. Aber du hast mich aus deinem Geist geworfen. Das frustriert mich ungemein und macht mich zeitlich neugierig auf dich und deine Kräfte. Und da du jetzt schon guckst wie ein Reh, das gleich erschossen wird, erzähle ich dir wohl besser von was du ein Teil bist."
Miray schluckte. Sie setzte sich auf und beobachtete Malik genau. Er sollte Antworten haben? Oder würde er nur über Dinge sprechen, die sie nicht interessierten. Ihre verdammte Neugierde schlug Alarm und wollte um jeden Preis befriedigt werden. Mit angezogenen Knien bedeutete sie ihm weiter zu sprechen.
„Du bist eine Wandlerin, so wie ich. Wandler haben gewisse Kräfte. Jeder in anderen Ausprägungen. Wie du dir gedacht haben musst, bin ich sehr bewandert darin Gefühle zu manipulieren. In der Regel schaffe ich das auch ohne jeglichen Widerstand. Aber du...tja, das ist wohl was Besonderes. Meine Kräfte sind allerdings nicht dafür da um irgendwen zu ärgern oder so. Mit noch anderen bilden wir eine Gruppe. Wir beschützen die Stadt vor den Alp. Diese Missgeburten wandeln nachts umher, befallen Menschen in ihren Träumen und ernähren sich von ihnen. Der Mensch verliert dabei einen Teil seiner Selbst. Je öfter er von den Alp besucht wird, desto weniger existiert er, bis er tatsächlich nicht mehr aufwacht. Die Alp sind Dämonen. Kannst du mir bis hierher folgen?"
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Wanderer - Dreamcatcher ✔ WattyWinner 2019
FantasyWatty Awards Winner 2019 in der Kategorie Fantasy. Christopher war wutentbrannt. Doch das schnelle Zusammensacken des Körpers vor sich ließ ihn innehalten und seinen Angriff abbrechen. War er etwa zu weit gegangen? Er ließ Miray los und beobachtete...