Kapitel 7

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„Prinzessin! Bitte wartet."

Stur biss ich mir auf die Lippe, zwang mich nicht stehen zu bleiben und einfach weiter geradeaus zu laufen.
Tristan hatte mich innerhalb von Sekunden eingeholt und lief mit großen Schritten neben mir her. Ein verzweifelter Ausdruck funkelte mir aus seinen treuen Augen entgegen und die bekannte Sorgenfalte zierte seine Stirn.

Immer wieder redete er auf mich ein. Fragte mich, was passiert sei und als ich ihm nach Minuten immer noch keine Beachtung schenkte schien ihn der Geduldsfaden zu reißen.

Sanft aber bestimmend griff er nach meinem Oberarm und zwang mich mit einen leichten Ruck stehen zu bleiben.
„Mel!", rief er aufgebracht und nahm mein Gesicht in seine Hände.
„Beruhige dich."
Tief atmete er ein und aus, woraufhin ich fast automatisch seinen Rhythmus annahm.
„Ein und aus", flüsterte er einige male hintereinander und ließ anschließend seine Hände sinken.

Ein
und aus.
Ein...
Aus.

„Gehts?", fragte er mit einem zaghaften Lächeln auf den Lippen.
Ich nickte, während ich immer noch versuchte meinen aufgeregten Puls unter Kontrolle zu bringen. Noch immer spürte ich das magische Prickeln, welches sich nach Freiheit verzerrte und quälend an meinen Nerven kratze.

„Ok. Was ist passiert?"
Vorsichtig griff mein Gegenüber nach meiner Hand und führte mich zu einer steinernen Bank, auf der wir uns niederließen und schließlich erzählte ich ihm alles. Ich berichtete davon, was bei meiner ersten Begegnung mit dem König passiert war, nachdem Tristan, Leya und Navid mein Zimmer verlassen hatten und ich erzählte ihm von gerade eben. Von dem Essen, den Forderungen des Königs und der Magie. Ich konnte es nicht leugnen. Dieser Mann, der so ruhig und gelassen auf seinen Thron saß machte mir Angst.
Alles an ihm. Wie er sprach, seine Aura, sein Grinsen. Aber vor allem das funkeln in seinen katzenhaften Augen.

„Er hat mir die Kontrolle über meinen Körper geraubt!"
Aufgebracht sah ich in die kristallblauen Augen, die mich aufmerksam musterten.
„Wie ist das überhaupt möglich?"
Tristan lachte leise auf und beugte sich ein Stück nach vorn, stützte seine Ellenbogen auf seine Oberschenkel ab und bettete anschließend sein Kind auf seine ineinander gefaltenden Hände.

„Der König ist wohl einer der mächtigsten Magier, die je unter diesem Himmel wandelten. Er beherrscht den dunklen Zauber perfekt und einige behaupten sogar, dass er seine Seele für diese Macht geopfert hat und so zu einem Dämon geworden ist."

Wie bitte?
Fassungslos starrte ich Tristan an.
Der König ein Dämon? Ein unangenehmes Gefühl machte sich in meiner Brust breit und ich konnte mir vorstellen das in diesem Moment jegliche Farbe mein Gesicht verließ.

„Das ist natürlich die reinste Dahersagerei", lachte er amüsiert, „aber du hättest dein Gesicht sehen sollen!"

Er hatte mich tatsächlich auf den Arm genommen! Geschockt schüttelte ich meinen Kopf und beobachtete dabei wie Tristan immer noch aus vollem Hals lachte.
Noch nie hatte mich jemand so... normal behandelt.
Ich überlegte einen Moment, ließ nochmals die Worte Revue passieren und wartete schließlich bis der Mann neben mir sich beruhigt hatte. Dann erst öffnete ich wieder meine Lippen.

„Dunkler Zauber? Ich dachte es sei verboten mit diesen zu praktizieren."
„In Solaria vielleicht, aber dabei ist es nicht anderes wie eure Magie, nur das wir sie aus zwei verschiedenen Quellen schöpfen."
Immer noch schmunzelnd erhob ich Tristan und bot mir abermals seinen Arm an.

„Magie ist nicht gut oder böse. Jemand, der nur ein wenig Ahnung von seinem Werk hat kann dunkle Magie zu etwas Zerstörerischen machen, aber eben so kann er auch die helle Magie verwenden. Verstehst du? Zwei Seiten einer Münze. Hell und dunkel. Licht und Schatten."
„Sonne und Mond", ergänzte ich leise und erntete ein bestätigendes Nicken. Ich kam mir wirklich töricht vor. Wie ein naives Kleinkind, welches vor allem und jeden Angst hat und dem man alles erklären musste. Dabei hielt ich mich immer für so mutig.

Im Bann des MondesWo Geschichten leben. Entdecke jetzt