das Internat

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Sie wollte mich loswerden!
Abschieben? Auf ein Internat schicken?
Ich war doch ihre einzige Tochter, die einzige die da war, wenn sie mal wieder einen über den Durst trank.
Wer sollte sie dann aus der Dusche holen, sie abtrocknen und ihre Wunden verkleben?
Wer sollte ihr gut zu reden, wenn sie mal wieder einen Nervenzusammenbruch hatte?

Tränen standen in meinen Augen, während ich versuchte ruhig zu atmen.
》Es ist ein Neuanfang. Für uns beide. Bitte, versuch es zu verstehen《flehte sie und ich sah wie ihre Hände zitterten.
Ich schnaubte und eine Träne löste sich aus meinem rechten Augenwinkel. 》Wenn du mich loswerden willst, sag es mir! Ich verkrafte das《 schluchzte ich und senkte meinen Kopf. Auf meine Socken tropfte mittlerweile in einem stetigen Tempo eine Flut aus salzigen Tropfen.

》Ich. Ich will dich doch gar nicht loswerden. Ich will das du lebst und ich keine Last mehr für dich bin《 versuchte sie mir zu erklären, doch jede Erklärung prallte ab.
Ich wandte meinen Kopf ab und wischte mir mit dem Handrücken über das nasse Gesicht.

Ich wollte ihr so gerne glauben, doch ohne mich würde sie spätestens übermorgen tot in der Ecke liegen und das konnte und wollte ich nicht zulassen!

》Ich liebe dich, mein Engel. Aber ich will, dass es dir gut geht und bei mir hast du es alles andere, als gut. Wenn du auf das Internat gehst, werde ich mich in Behandlung begeben. Ich werde mich meinen Dämonen stellen. Für dich《 sie lächelte zuversichtlich und kam einen Schritt auf mich zu. Ihr blasses Gesicht verzog sich zu einem flehenden Lächeln.
》Tu es für mich, bitte《 flehte sie und ihre Stimme brach.

Nach kurzer Zeit brachte ich ein stummes Nicken zustande und sie fiel mir um den Hals.
Ich wollte nicht gehen! Ich wollte sie beschützen. Bei ihr sein, doch wenn es ihr Wunsch war, würde ich auf dieses bescheuerte Internat gehen.

Am Abreisetag stand ich mit meinem Koffer in der Einfahrt und wartete auf das Taxi. Gestern hatte ich meine Mutter in eine Entzugsklinik gebracht und wir hatten uns tränenreich verabschiedet. Wir hatten uns stundenlang in den Armen gehalten und unsere Oberteile vollgeheult.
Ich vermisste sie jetzt schon.
Sie war der einzige Mensch, dem ich vertraute.

Da hupte jemand und blieb vor meinen Füßen stehen. Ich starrte die Person, die den Wagen fuhr wütend an.
》Wollen sie mich umbringen《 schrie ich und stapfte zum Kofferraum, um meinen Koffer in den Kofferraum zu laden.
Ich hiefte ihn hinein und setzte mich auf die Beiderseite.

》Ein Mal zum Hauptbahnhof bitte《 bat ich ihn und er nickte. Er fuhr los und kurze Zeit später wusste ich, dass ich trotz aller Umstände nie wieder Taxi fahren würde.
Er fuhr grausam!
Er fuhr, als wäre eine Schar hungriger Wölfe hinter uns her, die uns jeden Moment zerfleischen würden.

Ich hielt mir den Magen, als er abrupt anhielt.
》Das macht dann 25 Euro.《
Ich zuckte zusammen.
So viel?
Warum war alles immer so teuer?

Ich hab ihm das Geld, stieg aus und hob meinen Koffer aus dem Kofferraum.
Mit dem Rollkoffer ging ich zu dem riesigen Gebäude hinauf und zog mir ein Ticket. Ein Ticket in die Prärie. Jedenfalls fühlte es sich so an.
Das Internat schien am Arsch der Welt zu sein und Drumherum war nichts.
Keine Stadt, kein Dorf.

Niemand würde mich schreien hören, dachte ich und zog meinen Rollkoffer hinter mir her zu dem Gleis, auf welches ich gehen sollte.

Es war das Gleis neun.
Ich stellte mich an eine Backsteinmauer und sah mich gelangweilt um.
Um 11 Uhr 30 sollte mein Zug kommen.

Es war kurz vor 11 und ich sah ein paar Kinder auf mich zu kommen. Alle hatten rote Haare. Es waren viele. Einer davon stach aber hervor. Er hatte braune Haare und eine Brille.
Außerdem fiel mir noch etwas ungewöhnliches auf. Er hatte eine Schneeeule dabei. Eine ziemlich lebendige Schneeeule.

Ich stutze.
》Okay Fred, du bist dran. Komm schon! Beeil dich《rief eine Frau schrill, die wohl die Mutter der Kinder sein sollte.

Fred begann auf die Säule, neben der ich stand, zu zu rennen. Ich schloss instinktiv die Augen, denn ich dachte er würde auffallen, doch nichts geschah. Er prallte nicht auf. Er war weg. Ungläubig beobachtete ich, wie der Rest der Familie das Selbe tat.

Ab diesem Zeitpunkt glaubte ich an Magie.

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⏰ Letzte Aktualisierung: Oct 09, 2019 ⏰

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