Die erste Schlaflose Nacht

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Scott knurrte ihren Namen. ''Ellen'', murmelte er. ''Ellen, w-'', nun wurde er von dem Jungen unterbrochen. Sie schaute genauer hin und bemerkte, dass es Liam war. Der Liam, der am Mittag noch von den beiden ausgeknockt wurde, weil es Scott anscheinend nicht passte seinen Posten als Kapitän der Lacrosse-Mannschaft zu verlieren. Der Liam, der ein gebrochenes Bein dank Scott und Stiles hatte.

Liam war völlig außer sich und schlug um sich, während Scott versuchte ihn festzuhalten. Ellen ergriff die gelegenheit und rannte zum Treppenhaus, sie wollte so schnell wie möglich weg von dort.
''Ellen'', hörte sie Scott schreien. Seine Stimme klang nun wieder mehr nach ihm. ''Ellen, warte!''
Für einen kurzen Moment blieb sie im Treppenhaus stehen und atmete durch. Erst wollte sie darauf eingehen, doch dann schüttelte sie den Kopf und rannte bis ins Erdgeschoss runter um dann aus dem Krankenhaus zu rennen. Als sie von unten aus aufs Dach schaute konnte sie nichts mehr erkennen. Ein schlechtes gewissen hatte sie schon, weil sie Liam dort allein ließ, doch sie hatte auch solche Angst. War es nicht gerechtfertig, in solch einer Situation aus Angst dumm zu Handeln? War es nicht richtig, um sich angst zu haben? Sie versuchte sich selbst zu erklären, was dort geschehen war, während sie durch die Stadt rannte. Sie wollte nicht anhalten, hatte das Gefühl irgendjemand würde sie jeden Moment einholen. Irgendwann ging ihr der Atem aus, ihr Hals fühlte sich kalt und trocken an, als würde sie kurz vor einer Erkältung stehen. Sie machte halt und musste husten, keuchte und versuchte zu Atem zu kommen. So konnte sie auf keinen Fall vor ihren Gasteltern aufkreuzen.
Mit ihrem Pulloverärmel trocknete sie die Tränen, die sie vorher nicht einmal bemerkt hatte. Sie blieb lang genug stehen, bis ihr Atem sich wieder normal anhörte und ihr Herz aufhörte, schmerzhaft schnell zu schlagen. Trotzdem war sie nervös, Zitterte, wenn sie nicht aufpasste und hatte angst. Sie fühlte sich wie in einem Grottenschlechten Horrorfilm, in dem das Dumme, kleine Mädchen vor dem Bösen Monster abhaut. Nur war dies kein Film, und ob Scott wirklich das böse Monster war blieb offen. Sie wusste nicht was sie von dem halten sollte, was sie gesehen hatte. Sie konnte sich keine Meinung Bildung, doch trotzden fürchtete sie sich vor allem. Diese kleine Sache hatte ihr Leben binnen weniger Sekunden komplett verändert. Was hatte sie gesehen? Was hatte sie nur gesehen..

Angekommen daheim atmete sie tief durch, bevor sie die Tür aufschloss. Sie schaute um die Ecke und entdeckte die Familie am Essenstisch.
''Du bist rechtzeitig zum Essen da, setz dich'', begrüßte der Vater sie.
Ellen schüttelte den Kopf. ''Danke, aber... ich habe schon gegessen.''
''Echt? Wer hat dich denn ausgeführt?'', fragte die Mutter neugierig.
Ellen durfte nicht Nachdenken, sie sprach einfach. ''Erm.. Scott und Stiles. Ich.. Ich hab ihnen ein ausgegeben, weil sie mich heut morgen vorm zu spät kommen bewahrt haben.''
''Du hast dich also doch verirrt?''
Ellen grinste ihre Gastmutter so gut an, wie sie konnte. ''Ja, ich Dummerchen!''
''Na dann wollen wir dich zu nichts zwingen, du kannst dich ruhig hinlegen wenn du möchtest.''
Ein Stein fiel von Ellens Herzen. ''Danke. Guten Appetit.''
Und so lief Ellen die Treppen hinauf, öffnete die Tür zu ihrem Zimmer und schaltete das Licht an, nachdem sie die Tür öffnete. Als sie dann zum Bett schaute, schrak sie auf. Sie wollte schreien.
''Nein, nein nein nein! Bitte nicht schreien, oh mein Gott deine Gasteltern werden mich umbringen!'', sprach Stiles, während er verzweifelt vor Ellen mit den Händen fuchtelte.
Ellen musste erst einmal schlucken. Sie schaute zu Stiles und wusste ganz genau, weswegen er hier war.
''Wie kommst du hier rein?'', fragte sie völlig eingeschüchtert. Sie merkte, wie sie wieder anfng zu zittern.
Stiles kam langam näher und hob seine Hände hoch, um ihr zu zeigen, dass er nichts vorhatte.
''Es war klar, dass du mich nicht reinlassen würdest, würde ich anschellen.. Also musste ich den weg wählen, den ich ziemlich oft wähle. Glaub mir, Scott springt deswegen andauernd an die Decke!''
Bei dem Namen Scott schauderte es ihr.
''Oh, Scott'', meinte Stiles. ''Genau, wir müssen über Scott reden.''
''Müssen wir das?'', meinte Ellen und hätte sich dafür Ohrfeigen können. Sie war schon in so einer Situation und stellte sich als noch schlechter da, vielleicht würden sie ihr nun noch eher was tun.
''Wo ist Scott?'', fragte sie neugierig.
Stiles lief in ihrem Zimmer herum, als würde er nach den richtigen Worten suchen.
''Er hilft Liam.''
''Er HILFT ihm? Sieht Hilfe etwa so aus, dass man ihn beist und sich in irgendein Monster verwandelt?''
''Nenn ihn nicht Monster'', sagte er Stumpf. Er sah Ellens Gesichtsausdruck, den sie machte, nachdem er das sagte. Nun wurde er ruhiger und schaute ihr in die Augen. ''Nenn ihn bitte nicht Monster, okay?''
Ellen lehnte sich langsam gegen die Wand und versuchte, auf die ganze Situation einzugehen. Aus irgendeinen Grund musste Scott etwas anderes sein als ein furchterregendes Monster, warum hätte Stiles sonst so reagiert?

''Bist du auch so?'', fragte sie Stiles, der sich mittlerweile auf ihr Bett gesetzt hatte und die Arme verschränkte. Er schüttelte sofort den Kopf.
''Was ist er?'', mittlerweile dachte auch sie selbst, dass sie zu neugierig klingen wurde, doch Stiles schien das nichts auszumachen. Sie ging langsam auf ihn zu und setzte sich auf die andere Seite des Bettes, soviel Abstand wie möglich von ihm. Sie saß auf ihrem Kopfkissen und schaute geradeaus in Stiles Augen.
''Ein Werwolf'', antwortete er. ''Scott ist ein.. Werwolf.''
''Werwolf?'', Ellen kniff die Augenbrauen zusammen.
''Ja?'', meinte Stiles und schaute sie fragend an.
''Ein Werwolf'', Ellen musste beinahe lachen, hielt sich aber noch davon ab.
''Du nimmst das nicht ernst, oder?''
Ellen lächelte, schüttelte dann den Kopf und kam auf den Boden der Tatsachen zurück.
''Scheint wohl, als sei das dein ernst.''

Schweigen erfüllte Ellens Zimmer, Stiles schien nichts mehr zu sagen haben, da Ellen wohl die letzte war die deswegen Panisch herumschreien würde. Sie weiß, dass das alles Horrorgeschichten sind, die wahr zu sein scheinen, doch was könnte sie schon daran ändern, indem sie Panik bekommt? Sie hatte angst, weil sie nichts wusste, und jetzt konnte sie endlich verarbeiten. Sie musste nun mit dem Gewissen Leben, und ob sie das konnte oder nicht.. Das wusste sie nicht. Was sie wusste war, dass sie es versuchen musste.
''Stiles?''
Er schaute zu Ellen, erwartete irgendeine Ansage.
''Kannst du gehen?''
''Meinst du rausgehen? Willst du allein sein?''
Ellen nickte. ''Ich bin Müde.''
''Oh, ja, klar.'', Stiles stand auf und lief zum Fenster, als sei das eine normale Eingangstür. Er schaute noch einmal zu Ellen. ''Schlaf gut.''

Ellen antwortete gar nicht erst darauf sondern wartete nur, bis Stiles endlich weg war. Und als er es war, konnte sie sich etwas entspannen. Durchatmen, die Beine hochlegen und an die Decke starren.
Scott war direkt nebenan, der Werwolf war direkt nebenan. Sie machte es nervös, doch es war kein Vollmond. Verwandelte er sich denn nur bei Vollmond? War das nicht der Fluch eines Werwolfs?
Diese Fragen schossen ihr durch den Kopf, weitere kamen dazu. Gab es noch mehr Werwölfe in Beacon Hills? Wie viele wussten bescheid?

Irgendwann wurde es hell. Die Fragen ließen die Zeit wie im Flug vergehen und Ellen stöhnte laut auf, als sie bemerkte, dass sie keine Sekunde geschlafen hatte. Sie war Müde, lag in ihrem bequemen Bett doch hatte nicht geschlafen. Es würde ein Anstrengender Schultag werden, ein komischer. Immerhin ging sie mit dem Werwolf in eine Klasse, und Liam würde sie mit sicherheit auch sehen. Hatte Liam sie denn gesehen? Hatte Scott ihm etwas erzählt?
Dieser Morgen verlief genauso wie der erste, nur, dass sie öfter aus dem Fenster schaute. Sie bemerkte, dass Scott oft in die Küche ihrer Gastfamilie schaute, anscheinend um zu beobachten, was Ellen tat. Sie war sich nicht sicher, ob sie das komisch finden sollte oder ob er sich einfach nur sorgen machte.
Nach dem Frühstück packte sie ihre Sachen und lief aus dem Haus, im selben Moment lief Scott auch aus seinem, er war auf dem weg zu seinem Motorbike. Als sich ihre Blicke trafen, blieb Ellen vor schreck stehen, sie bildete sich sein Gesicht ein. Dieses Haarige Gesicht mit den riesigen Zähnen. Dieses Bild vor Augen, wie er Liam packte.
Für einen kurzen Moment träumte sie und merkte nicht, dass sie schon beinahe starrte. Als er dann besorgt zu ihr schaute, machte sie kehrt und suchte nun allein den weg zur Schule, allein schon durch diesen vorfall war sie genug verwirrt. 

Teen Wolf - LunatismusWo Geschichten leben. Entdecke jetzt